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Klarträume : Fliegen lernen

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Fliegen ohne Flügel - ein Menschheitstraum. In Klarträumen wird er für manche zur Realität Bild: © Richard Ross / Anzenberger

Schweben, Feuerbälle werfen, um die Welt reisen – Menschen, die ihre Träume bewusst manipulieren können, erleben das als berauschendes Gefühl. Klarträume werden immer öfter zum Freizeitvergnügen. Auch die Forschung interessiert sich dafür.

          Eine Deutschklausur in einer Höhle zu schreiben, das fand Thomas Proksch nicht seltsam. Als Proksch aber völlig gefrustet war, weil er nur ein leeres Blatt abgegeben hatte, und zum Höhlenausgang lief, fiel ihm auf, dass es nur Licht und keine Schatten in der Höhle gab. Das wiederum machte ihn misstrauisch, und er fragte sich plötzlich: Was mache ich überhaupt in einer Höhle? Wer sind diese Menschen, die doch gar nicht bei mir im Deutschkurs sind? Und schließlich: Bin ich wach oder träume ich? Zur Sicherheit hielt sich der Achtzehnjährige die Nase zu und konnte trotzdem weiteratmen. Da wurde ihm klar: Ich träume. Proksch erlebte seinen ersten Klartraum.

          In einem Klartraum, auch luzider Traum genannt, wird der schlafenden Person plötzlich bewusst, dass sie träumt. Diese Einsicht kann weitere Folgen haben, zum Beispiel, dass man sich während des Schlafens wieder an seinen Alltag erinnert und ganz genau weiß, wo man gerade ist und was man vor wenigen Stunden noch getan hat. Viele Klarträumer erlangen auch die Kontrolle über ihren Traum. Das heißt, sie können aktiv beeinflussen, was als Nächstes passiert, oder die Umgebung nach ihren Vorstellungen gestalten. Ein grüner Himmel, die Zeit anhalten, die Welt auf den Kopf stellen - alles kein Problem für sie.

          Klarträumer berichten davon, dass sie in ihren Träumen fliegen, Feuerbälle schmeißen oder mit Traumfiguren reden. Proksch stand während einem seiner ersten Klarträume plötzlich auf dem Rasen eines Baseball-Stadions. Dort sah er alles viel schärfer, als es mit seinen normalen Augen möglich gewesen wäre: „quasi in Ultra-HD-Plus.“

          „Es gibt nichts, was dich auf diese Gefühlssensation vorbereitet“, sagt Proksch rückblickend über seinen ersten Klartraum. „Es liegt außerhalb der Vorstellungskraft, dass man im Traum merkt, dass man träumt, und sich trotzdem alles noch real anfühlt.“ Der Psychologiestudent hat sich das Klarträumen selbst beigebracht, sagt er; er war neugierig geworden durch die Berichte von anderen Klarträumern. Mittlerweile ist es für ihn eine Freizeitbeschäftigung wie für andere Bücherlesen oder Joggen.

          Klarträume lassen sich gezielt induzieren

          Das alles klingt für viele Menschen merkwürdig. Proksch weiß das und war am Anfang auch selbst skeptisch, denn es lässt sich nicht bestreiten: Unter den Hobby-Klarträumern sind viele Esoteriker sowie ein paar handfeste Spinner, zudem dubiose Anbieter im Internet, die mit dem Träumen Geld verdienen wollen.

          Aber der Klartraum ist heute ein wissenschaftlich nachgewiesenes Phänomen und auch manche Klarträumer verfolgen ein tieferes Interesse; Leute wie Proksch wollen verstehen, wie Klarträumen funktioniert, wie man es erklären kann.

          Ende der siebziger Jahre gelang es Forschern während des REM-Schlafes - also der Schlafphase, in der die meisten Träume stattfinden -, Augenbewegungen von Versuchspersonen aufzuzeichnen, die diese bewusst während eines Klartraums ausführten. Die Probanden hatten vorher mit den Wissenschaftlern ein Zeichen für diesen Fall ausgemacht. Seitdem ist die Klartraumforschung wissenschaftlich anerkannt, erklärt Alfred Wiater, der Vorsitzende der Deutschen Gesellschaft für Schlafforschung und Schlafmedizin.

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