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Kinderkliniken in Not : Soll Leo etwa allein bleiben?

Mittlerweile sehen die Kinderärzte die flächendeckende, qualitativ hochwertige Krankenhausversorgung für Kinder in Deutschland ernsthaft gefährdet - ändert sich nicht etwas an der finanziellen Situation. Aus diesem Grund wollen sie nun mit der Politik und den Krankenkassen ins Gespräch kommen und gemeinsam Grundlagen erarbeiten, die es möglich machen, die Fallpauschalen für Kinder den tatsächlichen Kosten und dem geleisteten Aufwand anzupassen.

Beispielsweise sollte für eine gute Versorgung die nächste Kinderklinik in maximal vierzig Minuten oder dreißig Kilometern für alle erreichbar sein. Gab es 1991 noch 440 Abteilungen für Kinder- und Jugendmedizin, sind es 2013 nur noch 364. Vier von zehn Betten in der stationären Kindermedizin wurden in den vergangenen Jahren gestrichen: Betrug die Bettenanzahl 1991 rund 31.708, gab es nach Zahlen der DGKJ 2012 nur noch 19.199 Betten - eine Reduzierung um 39 Prozent.

Sicher auch eine Folge des demographischen Wandels. Diesen aber, so Wagner, habe man bei der Bedarfsplanung von Kinderkliniken im Blick. „Ein Faktum, vor dem wir Ärzte nicht die Augen verschließen.“ Die Planung müsse sich aber ausschließlich an den Bedürfnissen der kleinen Patienten orientieren, dazu könnte eine Zentrenbildung durch Fusionen, Kooperationsmodelle großer und kleinerer Kliniken oder im Einzelfall die Schließung einer Klinik sinnvoll sein.

Kampagne, um auf die Probleme hinzuweisen

Um ihren Forderungen Nachdruck zu verleihen und die Öffentlichkeit auf die Situation der Pädiatrie aufmerksam zu machen, starten am kommenden Freitag die DGKJ und acht weitere Verbände, Elterninitiativen und Gesellschaften aus der Kinder- und Jugendmedizin die Informationskampagne „Rettet die Kinderstation“. Mit Plakaten, Internetauftritten und Diskussionen wollen sie in ganz Deutschland auf die Problematik hinweisen.

Zu der Auftaktveranstaltung in Berlin sind auch Politiker und Vertreter der Krankenkassen eingeladen. Spricht man Politiker wie auch das Bundesgesundheitsministerium auf die Forderungen der Kinderärzte an, wird schnell auf den Koalitionsvertrag verwiesen, in dem festgeschrieben sei, dass sich die Regierung für eine flächendeckende Krankenhausversorgung, gut erreichbare und sichere Kliniken einsetze. Dazu zählten natürlich auch die Kinderkliniken. Ihre besondere Situation ist im Vertrag aber nicht explizit hervorgehoben.

Gegenüber von Kim liegt in der Esslinger Kinderklinik die elfjährige Vio. Seit der vergangenen Nacht hat sie Bauchschmerzen, starke, im Unterbauch, Verdacht auf eine Blinddarmentzündung. Ein Fall für die Kinderchirurgen.

Auch sie leiden unter der finanziellen Situation und kämpfen zurzeit unter anderem um den sogenannten „präoperativen Tag“, also die Möglichkeit, Kinder schon einen Tag vor einer Operation in die Klinik aufnehmen zu können. Seit mehr als einem Jahr zahlen die Kassen diesen Tag aber nur noch in Ausnahmefällen. „Stattdessen verlangen sie von den Familien, dass sie mit dem nüchternen Säugling oder Kleinkind am frühen Morgen vor der OP sechzig, siebzig oder mehr Kilometer fahren, um gegen sieben Uhr auf der Station zu stehen“, sagt Tobias Schuster, Chefarzt der Kinderchirurgischen Klinik am Klinikum Augsburg und Pressesprecher der Deutschen Gesellschaft für Kinderchirurgie.

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