https://www.faz.net/-gum-wfpo

Kennzeichnung von Lebensmitteln : Der Appetit kommt beim Lesen

Was steckt drin? Die neuen Etikette sollen Aufschluss geben Bild: ASSOCIATED PRESS

Die EU schlägt eine neue Kennzeichnung von Lebensmitteln vor. Danach sollen die Verbraucher mit einem Blick auf die Verpackung erkennen, wie gesund der Inhalt ist. Die EU spricht von einem wichtigen Schritt im Kampf gegen das Übergewicht.

          Die Verbraucher sollen künftig mit einem Blick auf die Vorderseite von Lebensmitteln im Supermarkt erkennen können, wie gesund diese sind. Das hat die EU-Kommission am Mittwoch in Brüssel vorgeschlagen. Die Hersteller abgepackter Lebensmittel sollen demnach fünf Angaben machen: wie viele Kalorien, Fett, gesättigte Fettsäuren, Zucker und Salz ein Produkt je 100 Milliliter oder 100 Milligramm enthält. Nur bei kleineren Verpackungen - das betrifft Joghurtbecher oder Schokoriegel - sollen sie die Mengen auch nach Portionsgröße angeben können.

          Hendrik Kafsack

          Wirtschaftskorrespondent in Brüssel.

          Die Hersteller müssen zudem nennen, wie viel Prozent des täglichen Tagesbedarfs von Erwachsenen in den fünf Kategorien durch das Lebensmittel abgedeckt werden. Sie können darüber hinaus weitere Angaben über Inhaltsstoffe machen, aber nur, wenn das nicht von den fünf Grundinformationen ablenkt. Die Schrift für diese Angaben soll nach dem Willen der EU-Kommission mindestens drei Millimeter groß sein. Auf unverpackten Nahrungsmitteln soll künftig alles angegeben werden, was für Allergiker ein Risiko darstellt. Die Verbraucher würden damit in die Lage versetzt, informiert zwischen Produkten zu wählen, sagte EU-Gesundheitskommissar Markos Kyprianou. Das sei ein wichtiger Schritt im Kampf gegen das Übergewicht.

          Kein Ampelsystem wie in Großbritannien

          In der EU leiden fast 22 Millionen Kinder unter teils erheblichem Übergewicht. Jedes Jahr kommen demnach 400.000 hinzu. Es gehe ihm nicht darum, dem Verbraucher in Europa vorzugeben, welche Lebensmittel er kaufen und welche er nicht kaufen solle, sagte Kyprianou. Das bleibe allein seine Entscheidung. „Deshalb haben wir darauf verzichtet, das britische Ampelmodell in ganz Europa zur Pflicht zu machen“, sagte der Kommissar weiter. Die Angaben zu den Inhaltsstoffen hätten dann farblich unterlegt werden müssen. Rot hätte für den Rat gestanden, ein Produkt selten zu essen, gelb für „moderaten Konsum“ oder grün dafür, dass der Verzehr unbedenklich ist. „Dann hätten wir den Europäern gleich ein tägliches Menü vorgeben können“, sagte Kyprianou. Die EU-Kommission wolle die Verbraucher nicht bevormunden, sondern sicherstellen, dass sie wüssten, wie viel Zucker etwa ein Schokoriegel enthalte.

          Großbritannien darf nach dem Vorschlag der EU-Kommission allerdings an seinem Ampelmodell festhalten, solange das nicht zu einem Hindernis für den Handel in der EU wird. Auch unabhängig davon dürften die Staaten Vorgaben machen, die über die EU-Regeln hinausgehen. Bislang gibt es in der EU keine einheitlichen Regeln für die Angabe von Kalorienmenge oder Fettgehalt auf Lebensmitteln. Deshalb müsse die EU-Kommission handeln, sagte Kyprianou. Die Selbstverpflichtung der Industrie, bessere Angaben über den Nährwert von Produkten zu machen, genüge nicht. So hätten bisher je nach Staat und Hersteller zwischen 30 und 85 Prozent der verpackten Lebensmittel ausreichende Angaben darüber.

          Der Zuckergehalt des Bieres bleibt verborgen

          Nicht unter die Regelung sollen zunächst alkoholische Getränke fallen. Kyprianou begründete das damit, dass es für Wein eine eigene EU-Regelung gebe. Es wäre deshalb sinnvoller, die Kennzeichnungspflicht dort zu regeln. Auch unabhängig davon seien alkoholische Getränke eine ganz besonders sensible Produktkategorie, sagte der EU-Kommissar. Vor allem die Hersteller von Bier hatten sich dagegen gewehrt, dass der hohe Zuckergehalt von Bier auf dem Etikett angegeben werden muss. Die Kommission will aber einige Jahre nach Inkrafttreten der Neuregelung neu darüber entscheiden, ob auch bei alkoholischen Getränken Angaben über den Nährwert gemacht werden sollen.

          Alcopops und andere Mischgetränke, die Alkohol enthalten, sollen von Anfang an unter die Regelung fallen. Sonst würden sie gegenüber den Fruchtsäften, die sie enthielten, bevorzugt, argumentiert die Europäische Kommission. Darüber hinaus schlug sie am Mittwoch strengere Regeln für Angaben zur Herkunft von Lebensmitteln vor. Wenn ein deutscher Hersteller ein Milchprodukt mit dem Zusatz „made in“ oder „hergestellt in“ Deutschland versehen wolle, dieses aber Inhaltstoffe aus einem anderen EU-Land enthalte, müsse das auch vermerkt werden. Der Zusatz müsste dann etwa „deutsches Produkt mit Milch aus Dänemark“ lauten. Er könnte das Produkt aber auch mit dem Zusatz „made in the EU“ verkaufen.

          Der Vorschlag der Kommission muss noch vom Parlament und den Mitgliedstaaten angenommen werden. Bis die Angaben Pflicht werden, dürften noch ein bis zwei Jahre vergehen. Danach hätten große Hersteller drei und kleine fünf Jahre Zeit, um die Regeln in die Tat umzusetzen.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Regierungskrise in Italien : Mit dem „Plan Ursula“ gegen Salvini?

          Der Streit um das Rettungsschiff „Open Arms“ dauert an – und in Rom wird weiter über Szenarien zur Überwindung der Regierungskrise spekuliert. Ein prominenter Politiker stellt sich nun hinter einen Plan zur Bildung einer breiten Front gegen den italienischen Innenminister.

          Rückschlag für Paris : Neymar macht Tuchel das Leben schwer

          Paris ist schon seit einiger Zeit nicht mehr das Fußball-Paradies für den deutschen Trainer. Seine Reputation in der Öffentlichkeit und die Autorität innerhalb des Klubs sind beeinträchtigt. Und dann ist da ja noch Neymar.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.