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Kampf gegen Ebola : Virus ohne Grenzen

Ein Helfer vom Roten Kreuz wird nach einem Einsatz in einem Ebola-Behandlungszentrum im Kongo mit Desinfektionsmittel eingesprüht. Bild: dpa

Im Kongo bereitet sich Ebola wieder aus. Die ansässigen Hilfsorganisationen können kaum etwas dagegen tun. Denn Massaker von Milizen gegen die Zivilbevölkerung erschweren den Kampf.

          Der Kampf gegen den Ebola-Ausbruch im Osten des Kongo wird immer schwieriger, nachdem Milizen am vergangenen Samstag in Beni 18 Menschen getötet und viele verwundet haben. Die Handelsstadt liegt nur rund 30 Kilometer vom Seuchenherd entfernt, einem Dorf namens Mangina. Immer wieder kommt es in der betroffenen Region Nord-Kivu im Nordosten des Landes zu Unruhen und Rebellenangriffen.

          Thilo Thielke

          Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

          Für das Massaker, bei dem zwölf Zivilisten und vier Uniformierte ihr Leben verloren, sollen nach Augenzeugenberichten die Alliierten Demokratische Kräfte (ADF), eine Muslim-Miliz aus Uganda, verantwortlich sein. Zwischen 16.30 und 17 Uhr hätten die Banditen das Feuer sowohl mit schwer- als auch leichtkalibrigen Waffen eröffnet. Bis Mitternacht seien aus der Nähe der Innenstadt Schüsse zu hören gewesen.

          In den neunziger Jahren hatten die ADF-Guerrilleros versucht, den ugandischen Langzeitpräsidenten Yoweri Museveni zu stürzen. Seit einigen Jahren jedoch verlegt sich die Truppe hauptsächlich darauf, ins rohstoffreiche Nachbarland ein- und über die dortige Bevölkerung herzufallen. Nach Informationen der Blauhelm-Mission Monusco und der Regierung in Kinshasa sind die ADF-Krieger seit Oktober 2014 für unzählige Gewalttaten verantwortlich, bei denen in Kongo Hunderte Menschen getötet wurden.

          Auch Arbeit der WHO betroffen

          Hilfsorganisationen, die in den betroffenen Gebieten tätig sind, haben ihre Mitarbeiter aus der Krisenregion abgezogen. „Für uns ist das, was jetzt eingetreten ist, ein Worst-Case-Szenario“, sagt Stephen Lamin, Regionaldirektor des Norwegian Refugee Council. Die Sicherheitslage werde „immer besorgniserregender“. Hunger breite sich aus, weil Felder nicht mehr bestellt würden, Bauern hätten Sorge, angegriffen, verschleppt oder ermordet zu werden. Besonders schwer getroffen seien die bis zu eine Million aus ihren Häusern vertriebenen Menschen, die sich in der Region aufhalten – auch, weil sogenannte Geberländer nicht genug Geld für die Katastrophenhilfe bereitgestellt hätten.

          Betroffen ist auch die Arbeit der Ebola-Bekämpfer von der Weltgesundheitsorganisation (WHO). Deren Leiter für Noteinsätze, Peter Salama, sagte in Genf, er sei „extrem besorgt“, dass sich „ein perfekter Sturm“ zusammenbraue.

          Das todbringende Virus war im April in der Nähe von Beni ausgebrochen. Die WHO nimmt an, dass schon rund 100 Menschen an dem Filo-Virus starben. Die meisten Betroffenen kamen aus den oft unzugängliche Dörfern in der Nähe von Beni, allerdings wurden auch 20 Fälle in der Stadt gezählt.

          Durch die Nähe zu Nachbarländern wie Uganda oder Ruanda befürchten Experten ein Übergreifen auf die ganze Region. In Westafrika hatte es vor einigen Jahren eine Epidemie gegeben, die in mindestens drei Ländern mehr 11.000 Menschenleben forderte. Allerdings sind die Ebola-Bekämpfer seitdem besser auf kommende Ausbrüche vorbereitet. Zur Zeit wird ein Impfstoff eingesetzt, den die Firma Merck produziert hat.

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