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Deutlich mehr Virusfälle : Chinas KP setzt Parteichef in Provinz Hubei ab

  • Aktualisiert am

Jiang Chaoliang besichtigt Anfang Februar das neu errichtete Huoshenshan-Krankenhaus in Wuhan. Bild: Reuters

Mit seinem Krisenmanagement war Peking offenbar unzufrieden: Jiang Chaoliang, Parteisekretär der vom Coronavirus besonders getroffenen Provinz Hubei, muss abtreten. Nach einer Umstellung der Zählweise wurden drastisch höhere Fallzahlen gemeldet.

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          Nachdem Chinas Behörden einen drastischen Anstieg der Coronavirus-Fälle vermeldeten, hat die Kommunistische Partei ihre Führung in der besonders betroffenen Provinz Hubei ausgewechselt. Der bisherige KP-Sekretär Jiang Chaoliang werde durch Ying Yong, den Bürgermeister von Schanghai, abgelöst, meldeten Staatsmedien.

          Jiang musste als bislang ranghöchster Funktionär wegen der Krise seinen Platz räumen. Am Dienstag waren bereits der Leiter sowie der KP-Sekretär der Gesundheitskommission von Hubei gefeuert worden. Zuletzt war in China immer mehr Kritik an der Untätigkeit oder langsamen Reaktion der Behörden auf den Ausbruch laut geworden.

          Zahlen aus Hubei steigen drastisch

          Die an diesem Donnerstag bekannt gegebene Zahl neu nachgewiesener Todesopfer durch das Coronavirus lag in Hubei mehr als doppelt so hoch wie am Vortag. Die Zahl der neu nachgewiesenen Infektionen verzehnfachte sich dort sogar fast. Wie das Staatsfernsehen berichtete, wurden in Hubei 242 neue Todesopfer registriert, womit die Gesamtzahl der Toten in der Provinz seit Ausbruch der Krankheit bei 1310 liegt.

          Die Zahl der nachgewiesenen Infektion stieg um 14.840 auf nun 48.208 bekannte Fälle. Am Vortag waren in Hubei noch 97 Todesopfer und 1638 neue Infektionen gemeldet worden. Landesweit lagen am Donnerstag zunächst keine neuen Angaben über die Verbreitung des Virus vor. Allein durch die neuen Infektionen in Hubei, wo die Lungenkrankheit in der Stadt Wuhan ursprünglich ausgebrochen war, ist die Gesamtzahl der Infektionen auf dem chinesischen Festland aber auf über 59.000 gestiegen.

          Neue Kriterien angewendet

          Wie die Gesundheitskommission der Provinz Hubei mitteilte, seien die Diagnoseergebnisse nach einer Untersuchung „überarbeitet“ worden. Patienten seien gemäß der neuen Klassifikation hinzugefügt worden.

          Demnach werde mittlerweile nicht nur das Standardverfahren des Nukleinsäure-Tests angewendet, sondern auch sogenannte Bildgebungsverfahren zur Untersuchung der Lunge. Diese Methode liefert laut Experten bei bestimmten Patienten schnellere und verlässlichere Diagnosen.

          Generell vermuten Experten eine sehr hohe Dunkelziffer. So sind die Möglichkeiten begrenzt, auf das neue Virus zu testen. Ferner erscheint das sich wandelnde Berichterstattungssystem Chinas mit unterschiedlichen Definitionen der einzelnen Fälle besonders für lokale Stellen kompliziert. Die täglich berichteten Zahlen repräsentieren laut Experten somit eher die Fähigkeiten, Fälle zu identifizieren und zu melden, als das wirkliche Ausmaß der Epidemie.

          Weiterhin 16 Fälle in Deutschland

          Weltweit sind außerhalb des chinesischen Festlands mittlerweile mehr als 500 Infektionen bestätigt, davon 16 in Deutschland. Vierzehn Fälle stehen in Zusammenhang mit dem bayerischen Autozulieferer Webasto. Eine chinesische Mitarbeiterin hatte den Erreger bei einer Dienstreise eingeschleppt. Die beiden jüngsten Fälle in Bayern waren am Dienstagabend bekannt geworden.

          Es handelt sich um einen 49 Jahre alten Webasto-Mitarbeiter und ein Familienmitglied eines anderen Mitarbeiters. Webasto öffnete nach zweiwöchiger Schließung am Mittwoch wieder seine Firmenzentrale. Zudem war das Virus bei zwei Passagieren eines Rückholfluges der Bundeswehr von Wuhan nach Frankfurt festgestellt worden.

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