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Internetsucht : Verwahrlost im Virtuellen

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Computer- und Onlinesucht ist vorallem in der Gruppe der 14- bis 24-Jährigen vertreten Bild: dapd

Laut einer Studie des Bundesministeriums für Gesundheit sind bundesweit insgesamt 560.000 Menschen internetsüchtig. Besonders junge Menschen sind betroffen.

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          „Das Internet? Gibt's den Blödsinn immer noch?“ fragte Homer Simpson einst in der bekannten Zeichentrickserie. Eine Antwort erübrigt sich, das Internet ist aus dem Alltag der meisten Menschen nicht mehr wegzudenken. Was einst mit Mails begann, ist längst zum universellen Informationsmedium geworden und - von klobigen Kästen in muffigen Zimmern entbunden - in immer mehr Hosentaschen auf Wanderungen wie Strandspaziergängen dabei. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sich auch die Drogenbeauftragten der Bundesregierung, Mechthild Dyckmans, des Massenphänomens annehmen würde.

          Nun hat sie am Montag die erste repräsentative Studie zur „Prävalenz der Internetabhängigkeit“ vorgestellt, welche die Universitäten Lübeck und Greifswald im Auftrag des Bundesgesundheitsministeriums erstellt haben. Die Ergebnisse sind weniger erschütternd, als sie wohl von der Drogenbeauftragten, Mitglied der FDP und der Generation „60 plus“, erwartet worden waren. Nur etwa ein Prozent der 14 bis 64 Jahre alten Menschen in Deutschland werden von der Studie als internetabhängig eingestuft, das entspricht rund 560 000 Menschen. Die bislang gültige Schätzung ging noch von 3,2 Prozent Internetsüchtigen aus. Weitere 4,6 Prozent der Altersgruppe werden von der Studie als „problematische Internetnutzer“ angesehen.

          Mädchen nutzen soziale Netzwerke exzessiv

          Doch was unterscheidet Menschen, die ihren Alltag vom morgendlichen Bahnticket bis zum Abendessen nicht mehr ohne das Internet organisieren können, von denjenigen, um die sich die Drogenbeauftragte sorgt? Als internetsüchtig definiert die Studie Personen, die fast nur noch in der virtuellen Welt des Internets leben und die Kontrolle darüber verlieren, wie viel Zeit sie dort verbringen. Sie leiden unter Entzugserscheinungen wie Missstimmung, Angst, Reizbarkeit oder Langeweile, wenn sie nicht online sind. Sie nutzen das Internet, um schlechten Gefühlszuständen zu entrinnen und nehmen dabei auch negative Konsequenzen in Kauf. Schließlich gehen sie nicht mehr zur Arbeit oder zur Schule, vernachlässigen soziale Kontakte und verwahrlosen teilweise sogar körperlich. Wenn mehrere dieser Kriterien gleichzeitig vorliegen, geht die Studie von Internetabhängigkeit aus. Es handelt sich also um Personen, die die Balance zwischen Realität und Virtualität zu verlieren drohen oder verloren haben.

          Je mehr Zeit die Menschen im Internet verbringen, desto mehr verlieren sie den Kontakt zur realen Welt
          Je mehr Zeit die Menschen im Internet verbringen, desto mehr verlieren sie den Kontakt zur realen Welt : Bild: dapd

          Auffällig ist, dass 4,9 Prozent der 14 bis 16 Jahre alten Mädchen, aber nur 3,1 Prozent der ebenso alten Jungen internetabhängig sind. 77,1 Prozent dieser Mädchen nutzen soziale Netzwerke im Internet, nur 7,2 Prozent Onlinespiele. Hingegen nutzen nur 64,8 Prozent der internetabhängigen Jungen soziale Netzwerke, aber 33,6 Prozent Onlinespiele. „Wir vermuten, dass Mädchen und junge Frauen besonders empfänglich sind für die Bestätigungen, die man in sozialen Netzwerken findet, und dadurch auch eher eine Abhängigkeit entwickeln können“, sagt Hans-Jürgen Rumpf von der Universität Lübeck. Sie Drogenbeauftragte fordert „zielgenaue Präventionsarbeit“ und hat schon die nächste Studie in Auftrag gegeben.

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