https://www.faz.net/-gum-9wzml

Influenza : Großer Ansturm auf Kinderarztpraxen

  • Aktualisiert am

Sie nehmen Kindern die Angst vor der Spritze, doch sind selbst gestresst: Kinderärzte klagen über Überlastung und volle Praxen (Symbolbild). Bild: dpa

Wer momentan mit seinem Kind zum Kinderarzt geht, braucht Geduld. Die Telefone sind dauerbelegt und die Patienten stehen Schlange an der Anmeldung. Die Sorge vor dem Coronavirus ist dafür aber nur teilweise verantwortlich.

          1 Min.

          Die Wartezimmer bei Kinderärzten sind momentan komplett überfüllt. „Die Eltern rennen uns die Bude ein“, sagte die stellvertretende Vorsitzende des Berufsverbands der Kinder- und Jugendärzte in Bayern, Brigitte Dietz, am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. „Die Situation in den Praxen ist in ganz Deutschland angespannt.“ Der Grund sei aber meistens nicht die Angst vor einer Ansteckung mit dem Coronavirus. Viele Kinder hätten wie immer zu dieser Jahreszeit fieberhafte Atemwegsinfekte und oft auch die richtige Grippe. Dieses Jahr sei es mit der Influenza besonders schlimm.

          Angst vor einer drohenden Coronavirus-Epidemie hat Dietz noch nicht bemerkt. „Die Leute scheinen relativ gut informiert zu sein.“ Die Medizinerin hofft, dass so schnell keiner ihrer Patienten positiv auf das Coronavirus getestet wird. Das Hauptproblem: Die Warteschlange vor der Anmeldung, in der momentan wegen des Ansturms schon mal 10 oder 12 Patienten stehen können. In dieser Zeit könnten sich Umstehende bei einem Coronavirus-Patienten anstecken. Alle, die mit einem Kranken Kontakt hatten, müssten dann in Quarantäne. Dietz rät, bei einem Verdacht auf eine Coronavirus-Infektion nicht in eine Praxis zu kommen, sondern lieber erst anzurufen, etwa beim Gesundheitsamt.

          F.A.Z. Newsletter Coronavirus

          Täglich um 12.30 Uhr

          ANMELDEN

          Und noch ein weiteres Problem würde eine Coronavirus-Epidemie den Ärzten bescheren: Die Schutzkleidung für das medizinische Personal sei sehr, sehr teuer, erklärte Dietz. Allein in ihrer Praxis müsste sie sieben Leute damit einkleiden und diese Kleidung dann auch noch regelmäßig wechseln. Das sei ein enormer Kostenfaktor. Auch praktisch könnte es schwierig werden: „Wir können das gar nicht machen, das wir vermummt in der Praxis rumlaufen“, erklärt Dietz. „Das wäre den normalen Patienten, die wir ja auch haben, nicht zumutbar.“

          Die Kinderärztin setzt auf verstärkte Hygiene. „Hände waschen mit Seife und desinfizieren – das ist ganz wichtig.“ Hände schütteln gebe es sowieso schon lange nicht mehr. Ihr Rat: die Grippeimpfung. „Wenn das Kind gesund ist, würde es sogar noch Sinn machen.“

          Der Höhepunkt der Grippewelle in Deutschland scheint allerdings überschritten zu sein. Wie die Arbeitsgemeinschaft Influenza am Robert Koch-Institut (RKI) in Berlin berichtete, stieg die Zahl der nachweislich infizierten Menschen in der bisherigen Saison um knapp 18.000 in der vergangenen Woche auf rund 98.500. Die Zahl der Grippe-Toten lag bei 161, die meisten davon im Alter ab 60 Jahren.

          Weitere Themen

          Grippewelle erstmals seit 1992 ausgeblieben

          Robert-Koch-Institut : Grippewelle erstmals seit 1992 ausgeblieben

          Nur etwa 500 Menschen in Deutschland infizierten sich im gerade zu Ende gegangenen Winter mit dem Influenza-Virus. In der vergangenen Grippe-Saison hingegen erkrankten 180.000 Menschen. Grund sind die Corona-Maßnahmen und eine erhöhte Impfbereitschaft.

          Topmeldungen

          Die gegen Corona getragenen Masken helfen auch gegen Infektionen mit dem Grippe-Virus.

          Robert-Koch-Institut : Grippewelle erstmals seit 1992 ausgeblieben

          Nur etwa 500 Menschen in Deutschland infizierten sich im gerade zu Ende gegangenen Winter mit dem Influenza-Virus. In der vergangenen Grippe-Saison hingegen erkrankten 180.000 Menschen. Grund sind die Corona-Maßnahmen und eine erhöhte Impfbereitschaft.
          Der Schriftsteller Philip Roth 2010 in New York

          Wettstreit der Biographen : Die Gegenleben des Philip Roth

          Er wünschte sich eine Biographie, die nicht nur seine Sexualität beschreibt. Drei Jahre nach Philip Roths Tod sind zwei erschienen. Erfüllen sie den Wunsch?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.