https://www.faz.net/-gum-737hv

In vier Bundesländern : 6500 Kinder an Brechdurchfall erkrankt

  • Aktualisiert am

Bild: dapd

In fünf Bundesländern sind mehrere tausend Kinder an Brechdurchfall erkrankt. Als Ursache kommt das Schulessen in Frage. Derzeit wird ein Lieferant in Rüsselsheim untersucht, der alle betroffenen Schulen beliefert haben soll.

          2 Min.

          War es das Schulessen? Der Auslöser einer Welle von Magen-Darm-Erkrankungen bei tausenden Kindern und Jugendlichen in Ostdeutschland ist auch drei Tage nach dem Ausbruch noch unklar. Fest stand bis Freitagmittag nur, dass die Betroffenen, die an Durchfall und Erbrechen leiden, in vier Ländern Essen in Kindergärten oder Schulen vom gleichen Caterer bekommen hatten. Aus Sicht der Deutschen Gesellschaft für Krankenhaushygiene könnten Salmonellen oder Noroviren Auslöser der Erkrankungen sein.

          „Auf jeden Fall muss es Hygienefehler bei der Produktion gegeben haben“, sagte Vorstandsmitglied Klaus-Dieter Zastrow am Freitag mit Blick auf das Essen. Dieses Essen stammte vom Catering-Unternehmen Sodexo mit Sitz in Rüsselsheim. Allerdings sieht sich der Zulieferer nicht verantwortlich: Nach vergleichbaren Untersuchungen gebe es keine Hinweise darauf, dass die Fälle mit Sodexo-Produkten zusammenhängen, teilte der Zulieferer auf der Internet-Seite mit. Kritik an der Krisenbewältigung kam unterdessen von den Grünen.

          Nach Angaben des Robert Koch-Instituts (RKI) wurden seit Dienstag zunächst 4000 Krankheitsfälle bekannt, die Zahl stieg jedoch, nachdem aus Sachsen und Berlin ein starker Anstieg an Erkrankungen gemeldet wurde. Betroffen sind Kinder und Jugendliche und vereinzelt auch Lehrer in Sachsen, Sachsen-Anhalt, Thüringen, Berlin und Brandenburg. Allein in der Hauptstadt sind nach Angaben der Senatsverwaltungen für Gesundheit und Verbraucherschutz knapp 2200 Kinder betroffen. Die Deutsche Presse-Agentur berichtet zudem von 1700 Fällen in Brandenburg, 2000 in Sachsen und 600 in Thüringen. In Sachsen-Anhalt wurden 90 Erkrankungen gemeldet.

          Essensausgabe in der Schulküche: Dort könnte die Ursache für die zahlreichen Erkrankungen zu finden sein

          In den meisten Fällen verlief die Erkrankung ohne größere Schwierigkeiten. Nur wenige Patienten mussten stationär behandelt werden. Vorsichtshalber wurden Schulen geschlossen. Vergleichbar mit der schweren EHEC-Epidemie im vergangenen Jahr seien die derzeitigen Erkrankungen nicht, sagte Zastrow. Fast 4000 bis dahin kerngesunde Menschen waren damals betroffen; mehr als 50 Patienten starben.

          Behörden von Bund und Ländern ermitteln nun die Ursachen der Krankheit. Das Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit koordiniert die Ermittlungen zur Herkunft des Essens. Das RKI habe mit Befragungen begonnen, um den Infektionsherd eingrenzen zu können, erklärte eine Sprecherin. Das Institut tausche sich derzeit mit den Ländern aus, die sich primär um die Maßnahmen kümmerten. Involviert ist auch das Bundesinstitut für Risikobewertung.

          Die verbraucherpolitische Sprecherin der Grünen im Bundestag, Nicole Maisch, kritisierte unterdessen, dass noch immer ein nationaler Krisenstab mit Durchgriffsbefugnissen fehle. Die aktuellen Erkrankungen zeigten, dass Krisen nicht an Bundesländergrenzen halt machten. Dass die Behörden in den einzelnen Ländern nach eigenem Ermessen handeln, funktioniere in Krisensituationen nicht.

          Weitere Themen

          Alle Länder auf eigene Faust

          Corona-Lockerungen : Alle Länder auf eigene Faust

          Der Riss hatte sich schon lange angedeutet: Die Länder gehen bei den Lockerungen eigene Wege, eine neue Abstimmungsrunde auf höchster Ebene wird es vorerst nicht geben. Die Kontaktbeschränkungen sollen bis 29. Juni verlängert werden – doch auch hier soll es Sonderregeln geben.

          Wir erleben keinen Rückschritt

          Corona und Gleichstellung : Wir erleben keinen Rückschritt

          Allerorten wird erzählt, durch Corona fielen die Geschlechter zurück in die fünfziger Jahre. Viele Familien erleben das gerade ganz anders. Die Erzählung vom Rückfall ist nicht nur für sie die falsche Geschichte.

          Topmeldungen

          Das Kapitol in Washington

          Washington : Kongress beschließt Sanktionen gegen China

          In der chinesischen Provinz Xinjiang sind laut Menschenrechtsaktivisten mehr als eine Million Uiguren und andere Muslime in Haftlagern eingesperrt. Nun will Amerika die Regierung in Peking dafür bestrafen.
          Einer lernt noch schreiben, einer kann es schon.

          Corona und Gleichstellung : Wir erleben keinen Rückschritt

          Allerorten wird erzählt, durch Corona fielen die Geschlechter zurück in die fünfziger Jahre. Viele Familien erleben das gerade ganz anders. Die Erzählung vom Rückfall ist nicht nur für sie die falsche Geschichte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.