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Lungenkrankheit in China : Gefährliche Völkerwanderung

Archivaufnahme: Coronavirus unter dem Mikroskop Bild: dpa

In China droht die Ausbreitung einer rätselhaften Lungenkrankheit. Ein Fall in Japan verstärkt die Sorge, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte.

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          Es ist schon der zweite Fall außerhalb Chinas innerhalb weniger Tage: Das japanische Gesundheitsministerium gab am Donnerstag bekannt, dass bei einem Patienten, der von einer Reise in die chinesische Millionenstadt Wuhan zurückgekehrt war, ein neuartiges Coronavirus nachgewiesen worden sei. Das Virus gilt als Auslöser einer rätselhaften Lungenkrankheit, an der in Wuhan inzwischen 41 Menschen erkrankt sind. In einem Fall, bei einem vorab gesundheitlich geschwächten Patienten, verlief die Krankheit tödlich, sechs Patienten befinden sich laut der Gesundheitsbehörde der Stadt Wuhan noch in einem ernsten Zustand.

          Friederike Böge

          Politische Korrespondentin für Ostasien.

          Der Fall in Japan verstärkt die Sorge, dass das Virus von Mensch zu Mensch übertragen werden könnte. Denn nach Angaben der japanischen Behörden hatte der Patient nicht jenen Fischmarkt in Wuhan besucht, der laut Weltgesundheitsorganisation als wahrscheinliche Quelle des Ausbruchs gilt. Er habe möglicherweise bei einer Person gewohnt, die sich ebenfalls mit dem Virus angesteckt habe, hieß es in Tokio. Der etwa 30 Jahre alte Bewohner der Präfektur Kanagawa wurde am Mittwoch aus dem Krankenhaus entlassen. Nun wird ermittelt, mit wem er seit seiner Rückkehr in engem Kontakt stand. Anfang der Woche hatte bereits Thailand das gleiche Virus bei einer Reisenden aus Wuhan nachgewiesen. Die Frau befand sich auf dem Weg der Besserung.

          Die Gefahr einer weiteren Ausbreitung ist in diesen Tagen besonders hoch, denn China bereitet sich rund um das Neujahrsfest am 25. Januar auf die größte Völkerwanderung des Jahres vor. Hunderte Millionen Chinesen werden wie in jedem Jahr nach Hause reisen, darunter viele Wanderarbeiter aus der Provinz Wuhan. Andere werden die Feiertage nutzen, um im Ausland Urlaub zu machen. Die Regierung in Tokio bemühte sich, die Öffentlichkeit zu beruhigen. Das Risiko einer Übertragung von Mensch zu Mensch sei „unter normalen Umständen extrem gering“. Unterdessen gab Vietnam bekannt, dass es zwei Besucher aus Wuhan mit Fieber-ähnlichen Symptomen am Flughafen von Da Nang unter Quarantäne gestellt habe. Andere asiatische Länder meldeten erhöhte Präventionsmaßnahmen aufgrund der Neujahrsferien.

          Fieber, Husten und Atemprobleme

          Am Dienstag hatte Chinas Nationale Gesundheitskommission, die ein Expertenteam nach Wuhan entsandt hat, mitgeteilt, bei den bisherigen klinischen Untersuchungen sei „noch kein klarer Beweis für eine Übertragung von Mensch zu Mensch gefunden worden“. Die Möglichkeit dazu könne nicht ausgeschlossen werden, das Risiko sei aber gering. In einem Fall sei ein sogenanntes Familiencluster festgestellt worden. Ein Ehepaar aus Wuhan habe sich mit der Krankheit angesteckt, wobei der Ehemann in besagtem Großmarkt für Fisch und Meeresfrüchte tätig war, während seine Frau den seit dem 1. Januar geschlossenen Markt nach eigenen Angaben nicht besucht hat.

          Nach eigenen Angaben beobachten die Behörden alle Personen auf verdächtige Symptome, die sich in engem Kontakt mit Erkrankten befunden haben. Dazu gehören jene, die mit Erkrankten zusammenlebten oder im selben Raum arbeiteten sowie Krankenhauspersonal und Patienten, die mit Erkrankten während der Behandlung, Diagnose oder in den Räumen des Krankenhauses ohne genügenden Schutz Kontakt hatten. Als relevanter Zeitraum der Beobachtung wurden 14 Tage festgelegt. Die Krankheit äußert sich vor allem durch Fieber, Husten und Atemprobleme.

          Die Weltgesundheitsorganisation hatte am Sonntag darauf hingewiesen, dass es bisher keine bekannten Fälle gebe, in denen sich Krankenhauspersonal angesteckt habe. Die Organisation gab bekannt, dass China die genetische Sequenz des Virus weitergegeben habe, so dass es anderen Ländern möglich sei, entsprechende Verdachtsfälle schnell zu diagnostizieren. Zugleich rief sie China auf, die Untersuchungen zur Quelle des Ausbruchs und möglichen Überträgern fortzusetzen.

          Offenbar ist China bemüht, Vorwürfen mangelnder Transparenz vorzugreifen. Aufgrund schlechter Erfahrungen in der Vergangenheit gibt es vor allem in Hongkong und Taiwan Ängste, dass die chinesischen Behörden die internationale Gemeinschaft nicht ausreichend über den Verlauf des Ausbruchs informieren könnten. In Hongkong sind die Erinnerungen an die Sars-Epidemie noch frisch, bei der in den Jahren 2002 und 2003 fast 300 Hongkonger zu Tode kamen. Die Sorgen sind auch deshalb groß, weil das neuentdeckte Coronavirus zur gleichen Familie gehört wie das Sars-Pathogen. Die Hongkonger Gesundheitsbehörde entsandte in dieser Woche eine Erkundungsmission nach Wuhan. China stimmte zudem der Einreise einer zweiköpfigen Delegation aus Taiwan zu, was angesichts der feindseligen Beziehungen zwischen Taipeh und Peking bemerkenswert ist.

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