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In Abu Dhabi angesteckt : Zustand des deutschen Mers-Patienten sehr schlecht

Klinikpersonal des Marienhospitals in Osnabrück (Symbolbild) Bild: dpa

Auf einer Urlaubsreise in Abu Dhabi infizierte er sich mit dem Coronavirus Mers – dann schleppte er es nach Deutschland ein. In Osnabrück liegt ein 65 Jahre alter Mann auf der Isolierstation. Ob er die Krankheit übersteht, ist ungewiss.

          Der Gesundheitszustand eines mit dem Coronavirus Mers infizierten Patienten ist weiterhin sehr schlecht. Es sei davon auszugehen, dass der Mann noch einige Zeit auf der Intensivstation bleiben müsse, sagte ein Sprecher des Marienhospitals in Osnabrück, in dem der 65 Jahre alte Mann auf der Intensivstation behandelt wird. Er war Ende Februar von einer Urlaubsreise in den Vereinigten Arabischen Emiraten zurückgekehrt und hatte sich sehr krank gefühlt. Zunächst wurde er von seinem Hausarzt auf eine gewöhnliche Erkältung hin behandelt, bis sich sein Zustand stark verschlechterte und er schließlich in das Marienhospital in Osnabrück verlegt wurde. Am vergangenen Freitag gab es dann die Bestätigung, dass der Mann aus dem Kreis Minden-Lübbecke mit Mers infiziert ist.

          Mona Jaeger

          Redakteurin in der Politik.

          Seitdem wird er auf der Isolierstation intensivmedizinisch behandelt. Er ist an eine Lungenmaschine angeschlossen und nur zeitweilig bei Bewusstsein. Weil außerdem seine Nieren versagt hätten, habe man ihn an eine Blutreinigungsmaschine angeschlossen, hieß es von Seiten des Krankenhauses. Eine Prognose über eine eventuelle Heilung könne man zurzeit nicht abgeben.

          Erst 2012 ist das Mers-Virus zum ersten Mal festgestellt worden, es existiert aber wahrscheinlich schon länger. Zu den Coronaviren gehören auch die Infektionskrankheit Sars und viele Erkältungsviren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat bislang 1040 Fälle von Mers gezählt, die vor allem auf der Arabischen Halbinsel aufgetreten waren, woher Mers auch seinen Namen hat („Middle East respiratory syndrome“). Die ersten Symptome ähneln denen einer Grippe, mit Fieber, Husten und Kurzatmigkeit. Etwa 40 Prozent der Infizierten sind bisher an dem Virus gestorben, gegen das es keinen Impfstoff gibt. Die Generaldirektorin der WHO, Margaret Chan, sagte, der Erreger sei eine „Gefahr für die ganze Welt“. Ihre Organisation und viele Experten beobachten Mers auch deswegen mit besonderer Sorge, weil sich das Virus so verändern könnte, dass es leichter übertragen wird. Noch gibt es darauf aber keine Hinweise.

          Laut dem Robert-Koch-Institut in Berlin deutet immer mehr darauf hin, dass Dromedare die Quelle der menschlichen Infektionen von Mers sind. Eine Ansteckung von Mensch zu Mensch sei aber unwahrscheinlich. Trotzdem werden in dem Fall des Osnabrücker Patienten nun etwa 100 Personen aus seinem Umfeld auf das Virus getestet, was eine „reine Sicherheitsmaßnahme“ sei, sagte der Sprecher der Osnabrücker Klinik; bei einigen getesteten Personen konnte schon Entwarnung gegeben werden.

          Überhaupt bestehe ein „sehr geringes Risiko für die Bevölkerung“ sagte Peter Tenhaken, Vertreter des Gesundheitsdienstes für den Landkreis und die Stadt Osnabrück. Es ist das dritte Mal, dass in Deutschland ein Patient mit Mers behandelt wird. Im März 2013 wurde in München ein aus den Vereinigten Arabischen Emiraten stammender Mann betreut; der Dreiundsiebzigjährige starb an dem Virus. Ein Patient aus Qatar, der in Essen versorgt wurde, überlebte die Krankheit.

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