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Motive einer Mutter : „Ich habe mich gegen das Impfen entschieden“

Nicht jeder will überall im Impfpass ein Kreuzchen haben. Bild: dpa

Nach dem Ausbruch der Masern ist eine Debatte über eine Impfpflicht entbrannt. Eine Mutter, die sich gegen die Vorsorge entschieden hat, hält das für eine „extreme Bevormundung“. Ihr Sohn ist nicht geimpft, weder gegen Masern noch gegen Tetanus oder Röteln.

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          Wenn Stefanie Folger mit ihrem dreijährigen Sohn zum Kinderarzt will, muss sie weit fahren. Von Frankfurt nach Königstein, das sind immerhin knapp 20 Kilometer. Denn in ihrem Wohnort hat Stefanie Folger keinen Arzt gefunden, der ihr Kind behandeln will. Denn ihr Sohn ist nicht geimpft, weder gegen Masern, die gerade in Deutschland, vor allem in Berlin, grassieren, noch gegen Tetanus oder Röteln.

          Mona Jaeger

          Stellvertretende verantwortliche Redakteurin für Nachrichten.

          Stefanie Folger bezeichnet sich selbst nicht als Impfgegnerin, das sei ein „hässlicher Begriff“. Sie wolle auch nicht missionieren und andere Eltern davon überzeugen, ihre Kinder ebenfalls nicht impfen zu lassen. „Jedes Elternpaar entscheidet selbst für sein Kind, und ich habe mich gegen das Impfen entschieden.“

          Nicht überzeugt, dass Impfung das Kind schützt

          Es war ein bewusster Entschluss, das ist Stefanie Folger wichtig zu betonen. Sie gehört nicht zu den Eltern, die Impftermine vergessen oder nicht über das Thema nachdenken. Sie sei zwar ein medizinischer Laie, aber dafür gut informiert.

          Angeregt von einer Freundin, die ihr Kind nicht impfen ließ, las sie mehrere Bücher zu dem Thema, etwa von Friedrich Graf, einem Allgemeinmediziner, Homöopathen und Impfgegner, dessen Bücher Titel tragen wie „Nicht impfen – was dann?“ und „Kritik der Arzneiroutine bei Schwangeren und Kleinkindern“. Bald schon war Stefanie Folger nicht mehr davon überzeugt, dass eine Impfung ihr Kind wirklich schützt. Es ist eine Frage der Abwägung: Ist ihr Kind eher durch Masern oder durch die Impfung dagegen gefährdet? Für Stefanie Folger ist es die Impfung.

          Sie vertraut vielmehr auf „die Selbstheilungskräfte des Kindes“. Ihr Sohn sei bisher noch nie ernsthaft krank gewesen, und Studien könnten bislang nicht belegen, dass Impfungen nicht auch schwere Nebenwirkungen haben könnten und Kinder vor schweren Folgeerkrankungen, etwa Hirnentzündung bei Masern, geschützt würden. Wenn es diese Studien irgendwann einmal gebe, sagt die Mutter, sei sie bereit, ihre Meinung zu ändern.

          Mutter wurde schon oft als „asozial“ beschimpft

          Bis dahin halte sie durch – was ihr nicht immer leichtfällt, wie sie zugibt. Ihr Partner sei erst für die Impfung des Sohnes gewesen, habe sich dann aber von ihr überzeugen lassen. Im Bekanntenkreis vermeide sie das Thema ganz, denn zu oft sei sie schon als „asozial“ beschimpft worden. Schließlich, so das Argument, gefährde sie durch das Nicht-Impfen ihres Sohnes viele andere Kinder, zum Beispiel im Kindergarten, den Stefanie Folgers Sohn besucht.

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          Mit dieser Gefahr müsse man leben, glaubt die Mutter, die eigentlich anders heißt. Es überrascht deswegen nicht, dass sie gegen eine Impfpflicht ist, wie sie angesichts des aktuellen Masernausbruchs unter anderen vom Bundesgesundheitsminister zur Diskussion gestellt wird. Eine Pflicht sei eine „extreme Bevormundung“ der Eltern, weil nur sie die Verantwortung für ihr Kind tragen. So will sie es auch ihrem Sohn später erklären, wenn der in einigen Jahren seine Mutter vielleicht fragen wird, warum er zum Schüleraustausch in den Vereinigten Staaten erst noch einen ganzen Impfmarathon absolvieren muss.

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          Unser Autor: Sebastian Reuter

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