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Burnout : Zwangspause an der Spitze

  • -Aktualisiert am

Immer im Dienst: Was, wenn Führungskräfte psychisch krank werden Bild: Westend61/F1online

Panzer geht es gut. Seine Firma läuft, seine Ehe ist glücklich, die Söhne sein Stolz. Da fällt ihm nicht auf, dass er an Burnout leidet. Als er Hilfe sucht, ist es fast zu spät.

          Ein Tag im Leben von Stefan Panzer: Halb sieben aufstehen, eine Runde mit der Hündin drehen, Frühstück, Büro und Kundenbesuche - früher vierzehn, heute vier, vielleicht sechs Stunden.

          Ein Tag im Leben von Stefan Panzer in den Worten von Stefan Panzer: „Die Klüsen gehen auf, der Panzer fährt hoch und ist im Wettkampfmodus. Jetzt raus, vor die Höhle, mit der Keule, Kunden erschlagen, die Frau braucht Essen.“ Pause. „So nach dem Motto.“

          Panzer, 49 Jahre, Chef mehrerer Firmen, hat sich monatelang in einer Klinik wegen Depressionen behandeln lassen. Jetzt ist er zurück in seinem Büro, durch eine Glaswand getrennt von seinen Mitarbeitern. Der Chef, das kann jeder sehen, ist wieder da. Dass er nicht mehr der Alte ist, soll nicht jeder sehen. „Klar sitze ich jetzt nicht hier und mache Meditation“, sagt Panzer.

          Nur: Was tut er dann? Wie schafft es jemand, der Führungsaufgaben übernimmt, der es gewohnt ist, Stärke zu zeigen, ständig zu arbeiten und auch noch für gute Laune zu sorgen, von dem alle genau das gewohnt sind, zu sagen: Warte, geht grad nicht. Geht das überhaupt?

          „Würden Sie jemandem mit einer Depression 250.000 Euro anvertrauen?“, fragt Panzer. „Vielleicht eine halbe Million? Wie viel darf es denn sein?“

          Arbeitsleben wird rauher

          Das Arbeitsleben wird rauher, je weiter oben jemand steht. Das ist nicht nur ein Gefühl, sondern inzwischen durch mehrere Studien belegt. Demnach haben viele Führungskräfte Persönlichkeitsmerkmale, die eine Depression begünstigen können, dazu zählen, fleißig sowie leistungsorientiert zu sein und hohe Ansprüche an sich selbst zu haben. Außerdem leben sie jedes Risiko, die Krankheit tatsächlich zu bekommen. Sie arbeiten meist zu viel, bekommen zu wenig Schlaf und stehen ständig unter einem hohen Druck. Ausgewogene Ernährung, Sport und Entspannung bleiben auf der Strecke. Bei einem solchen Lebenswandel wundert es nicht, dass mehr als jeder zweite Manager, das ergab eine Umfrage der Unternehmensberatung Baumann, Angst hat, im Laufe seiner Karriere einen Burnout zu erleiden.

          Panzer, der in Wirklichkeit anders heißt, ging es nicht so. „Depression kam für mich nie in Frage“, sagt er. Nach der Schule hat er eine Ausbildung gemacht zum Einzelhandelskaufmann. „Man hat sehr früh mein Talent entdeckt“, sagt Panzer. Er war der jüngste Geschäftsstellenleiter der damals in seinem Unternehmen größten Geschäftsstelle. Und 30 Jahre alt, als er seine erste Million verdient hatte. Außerdem: Heirat, Kinder. Panzers Ziel war es, noch bis zum vierzigsten Lebensjahr zu arbeiten und dann nicht mehr.

          Klinik für depressive Führungskräfte

          Heute ist Panzer 49 Jahre alt. Und wenn er sein Problem selbst benennen soll, dann sagt er: „Ich finde die 40-Stunden-Woche so geil, dass ich pro Woche zweimal daran teilnehme.“

          In Bad Kissingen liegt eine Klinik, in der man die sensiblen Bereiche nur mit Socken betreten darf, wo also sogar Leute wie Stefan Panzer gezwungen werden, leise zu treten. In der Parkklinik Heiligenfeld behandeln sie Leute wie ihn: depressive Führungskräfte. Die meisten kommen zu spät, was laut Anna Myrcik ein Jammer ist. Sie ist Psychologin dort und hat auch Panzer während seiner Zeit in Bad Kissingen betreut. Die Führungskräfte „ignorieren total die Körpersignale“, sagt Myrcik. „Dabei muss es dem da oben ja eigentlich am besten gehen - denn da hängen alle mit dran.“

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