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HIV : Ein kleiner Schnitt für die Menschheit

Die Beschneidung von erwachsenen Männern könnte in Afrika die Aidsausbreitung hemmen Bild: AFP

Mehrere Studien haben gezeigt, dass die männliche Beschneidung das Risiko einer HIV-Infektion deutlich verringert. Ein Allheilmittel ist sie nicht, doch in Gebieten, in denen sich Aids rasend schnell ausbreitet, können so Millionen Leben gerettet werden.

          Marwick Khumalo gibt sich als verantwortungsbewusster Vater. Noch ehe amerikanische Wissenschaftler von den National Institutes of Health (NIH) im Dezember die Ergebnisse zweier Studien in Uganda und Kenia vorstellten, hatte er schon seine Söhne zur Beschneidung geschickt. „Ich will zeigen, wie ernst es mir ist“, sagt Khumalo, der die Bürger der Stadt Lobamba im Parlament von Swasiland vertritt und zeitweise Sprecher des Hohen Hauses war. Er setzt sich dafür ein, dass alle Jungen in seinem Land beschnitten werden. Sein kenianischer Kollege Jimmy Angwenui geht sogar noch einen Schritt weiter: „Um die Ausbreitung von HIV/Aids aufzuhalten, sollten Regierungen die männliche Beschneidung zur Pflicht machen.“

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Ganz anders reagiert die Chinesin Ru Xiaomei Mitte Januar - gut vier Wochen nach der Veröffentlichung der viel beachteten afrikanischen Untersuchungen. Die stellvertretende Direktorin der staatlichen Kommission, die in der Volksrepublik für Bevölkerungsfragen und Familienplanung zuständig ist, glaubt, dass die Verbreitung von Aids in ihrem Land noch nicht die Ausmaße angenommen hat wie in Afrika. „Wir sollten vorsichtig sein. Die männliche Beschneidung ist in China, anders als in anderen asiatischen Ländern wie Südkorea, Japan oder Indonesien, kein großes Thema.“

          Beschnittene Männer sind besser geschützt

          So könnten Chinesen, bis auf die wenigen Landsleute muslimischen Glaubens, schnell eine ablehnende Haltung gegen den operativen Eingriff einnehmen. Zudem wäre eine Kampagne, die die Beschneidung befördern sollte, ziemlich teuer: „Es gibt 1,3 Milliarden Chinesen!“ Wie weit das HI-Virus sich inzwischen in China ausgebreitet hat, ist umstritten. Manche Mediziner befürchten, die Prävalenz könnte schon bald afrikanische Ausmaße erreichen.

          Männer, die beschnitten sind, sind beim heterosexuellen Geschlechtsverkehr mit einer HIV-positiven Frau besser vor einer Infektion geschützt als ihre unbeschnittenen Geschlechtsgenossen. Das belegen nicht zuletzt die beiden Studien aus Kenia und Uganda. Die Ergebnisse waren so eindeutig, dass die mehrjährigen Untersuchungen im Dezember 2006 aus ethischen Gründen vorzeitig abgebrochen wurden. Den noch unbeschnittenen Teilnehmern wurde der operative Eingriff dringend empfohlen.

          Ansteckungsrisiko um 50 Prozent geringer

          An den Studien, die vor allem von den National Institutes of Health und somit vom amerikanischen Gesundheitsministerium finanziert wurden, nahmen seit August 2003 im ugandischen Distrikt Rakai 4.996 Männer im Alter zwischen 15 und 49 Jahren und seit Februar 2002 in der Hafenstadt Kisumu im Westen Kenias 2.784 Männer im Alter von 18 bis 24 Jahren teil. Nach dem Zufallsprinzip wurden die allesamt bislang unbeschnittenen heterosexuellen und HIV-negativen Männer in jeweils zwei Gruppen aufgeteilt - die eine wurde beschnitten, die andere nicht.

          Alle Beteiligten bekamen zudem umfangreiche Informationen darüber an die Hand, wie man sich mit HIV infizieren kann. Regelmäßig wurden sie mit Kondomen versorgt. Im Dezember stellten die Forscher fest, dass sich bei der Studie in Uganda 43 unbeschnittene und 22 beschnittene Männer mit HIV infiziert hatten, in Kenia waren es 47 unbeschnittene und ebenfalls 22 beschnittene Männer. Die Mediziner folgerten, dass sich das Risiko einer Ansteckung mit dem HI-Virus um rund 50 Prozent verringere, wenn ein Mann keine Vorhaut mehr habe.

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