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Hilfe für HIV-Infizierte : Bluterstiftung braucht Geld

  • -Aktualisiert am

Etwa 1000 mit HIV infizierte Hämophile sind bereits an verunreinigten Blutkonserven gestorben Bild: dpa

Eine Stiftung unterstützt Bluter, die sich in den achtziger Jahren an verunreinigten Blutprodukten mit HIV infiziert haben. Nun droht der Stiftung, wieder einmal, das Geld auszugehen.

          In den achtziger Jahren haben sich in Deutschland weit mehr als 1000 Bluter an verunreinigten und unzureichend kontrollierten Blutprodukten mit HIV infiziert. Viele von ihnen sind anschließend an Aids erkrankt. Der Bundestag setzte zur Aufklärung einen Untersuchungsausschuss ein und beschloss vor 20 Jahren die Gründung der Stiftung „Humanitäre Hilfe für durch Blutprodukte HIV-infizierte Personen“. Dieser Stiftung droht nun, wieder einmal, das Geld auszugehen. Politiker verlangen, der Bund solle mit einer Geldspritze einspringen.

          Andreas Mihm

          Wirtschaftskorrespondent in Berlin.

          Staat und Industrie müssten die Stiftung dauerhaft lebensfähig machen, zumindest so lange, dass auch der letzte Infizierte die zugesagte Hilfe in Anspruch nehmen könne. „Nach aktuellem Stand werden die Stiftungsmittel voraussichtlich 2016 aufgebraucht sein“, heißt es in einer am Montag bekanntgewordenen Studie der Beratungsgesellschaft Prognos. Damit sei unsicher, „ob die Betroffenen auch weiterhin die benötigten Stiftungsleistungen erhalten können“. Zurzeit erhielten noch etwa 550 HIV-Infizierte und Aidskranke sowie Angehörige Hilfen, die von 511 Euro bis 1534 Euro im Monat reichen.

          Etwa 1000 HIV-Infizierte bereits gestorben

          Etwa 1000 HIV-infizierte Hämophile seien schon gestorben. Laut Prognos dürften die letzten Betroffenen etwa bis 2070 leben. Um auch deren Versorgung sicherzustellen, seien ab 2017 noch einmalig 190 bis 250 Millionen Euro notwendig. Die Berater erinnern auch daran, dass es keinen Inflationsausgleich gebe. Der tatsächliche Wert der monatlichen Zahlungen liege damit heute um fast ein Viertel unter dem Niveau von 1995. Derweil nähmen die Beeinträchtigungen zu. So seien drei von vier Hilfeempfängern inzwischen an Aids erkrankt. Nur fünf Prozent könnten leben, ohne regelmäßig Medikamente zu nehmen. Der Gesundheitszustand habe sich „beständig verschlechtert“.

          Das habe auch Auswirkungen auf das soziale und berufliche Leben. Nur 28 Prozent seien voll berufsfähig, die Hälfte der Empfänger im erwerbsfähigen Alter habe keine Arbeit. Das seien doppelt so viele wie noch zu Beginn des Leistungsbezugs. Der CDU-Gesundheitspolitiker Jens Spahn, Vorsitzender des Stiftungsrates, sagte, die Studie belege, unter welch schwierigen Bedingungen viele bis heute mit ihrer HIV-Infektion leben müssten. „Daher sind wir weiter in der Pflicht, die Stiftung und ihre Leistungen auch für die Zukunft zu sichern.“

          Spahn verlangte, der Bund müsse mit zehn Millionen Euro eine Zwischenfinanzierung für das Jahr 2016 sicherstellen. „Dafür kämpfen wir fraktionsübergreifend in den Haushaltsberatungen.“ Die SPD-Abgeordnete Bärbel Bas, auch sie ist Mitglied im Stiftungsrat, verlangte, die Arbeit der Stiftung müsse weitergeführt werden: „Alle bisherigen Stifter müssen sich langfristig zu ihrer Verantwortung bekennen und die Existenz der Stiftung sichern.“ Spahn sagte, zur Finanzierung über 2017 hinaus gehörten der Bund, die Länder, das Rote Kreuz und die Pharmaindustrie „zügig an einen Tisch“.

          Sie alle sind Träger und ursprüngliche Geldgeber der 1995 mit 250 Millionen Mark aus der Taufe gehobenen Stiftung. 2010 hatte die Bundesregierung schon einmal 25 Millionen Euro zugeschossen. Ein Grund für die Geldknappheit liegt darin, dass viele Betroffene nicht zuletzt wegen moderner Behandlungsmethoden trotz der Schwere ihrer Krankheit länger leben, als das noch vor 20 Jahren prognostiziert worden war.

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