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Herkunft der Erreger weiterhin unklar : Dramatische Zunahme der EHEC-Erkrankungen im Norden

  • Aktualisiert am

Ehec-Erreger unterm Mikroskop Bild: dpa

Die Zahl der EHEC-Infektionen in Deutschland steigt. Die Infektionsquelle könnte noch aktiv sein. Mehrere Patienten schweben in Lebensgefahr. Niemand weiß, woher die Erreger kommen.

          Die Zahl schwerer Darminfektionen mit dem gefährlichen EHEC-Erreger im Nordwesten ist dramatisch angestiegen. Allein in Schleswig-Holstein stieg die Zahl am Montag auf rund 90 EHEC-Erkranungen oder Verdachtsfälle, wie das Kieler Sozialministerium mitteilte. 13 Patienten leiden an der schwersten Form der Krankheit, am hämolytisch-urämischen Syndrom (HUS), das zu Nierenversagen führen kann.

          In Niedersachsen wurden landesweit 67 EHEC-Erkrankungen oder -Verdachtsfälle registriert, wie Sozialministerin Aygül Özkan (CDU) in Hannover sagte. Zehn Patienten litten an der schwersten Form der Krankheit. Einige von ihnen schwebten in akuter Lebensgefahr.

          Eine gemeinsame Quelle für die Infektionen

          Der Präsident des Niedersächsischen Landesgesundheitsamtes, Matthias Pulz, geht davon aus, „dass es eine gemeinsame Quelle für die Infektionen gibt“. Nach ersten Befragungen von Patienten durch das Robert-Koch-Institut handele es sich wahrscheinlich um roh genossenes Gemüse. Die Art des Gemüses stehe noch nicht fest. Vorstellbar seien als Quelle etwa Salat oder anderes Gemüse, das mit Gülle gedüngt worden sei. Angesicht der Verbreitung der Erkrankungen liege es nahe, dass es sich um ein überregional vertriebenes Lebensmittel handele.

          Experten des Robert-Koch-Instituts (RKI) schließen eine Infektion über kontaminiertes Fleisch oder Rohmilch aus. Neben ungewaschenem Gemüse könnten demnach auch andere Lebensmittel die Ursache sein. Der EHEC-Erreger kann schweren Durchfall verursachen. Bei Komplikationen kann es zu akutem Nierenversagen und Blutarmut kommen.

          Betroffene sollten sofort Arzt aufsuchen

          Sozialministerin Özkan forderte alle Patienten mit blutigen Durchfallerkrankungen auf, sofort einen Arzt aufzusuchen. Bei Umgang mit Lebensmitteln müsse man unbedingt die Hygieneregeln beachten, sagte sie. Niedersachsen beteilige sich zudem mit Hochdruck an der Suche nach der Ursache der Infektionen.

          Ungewöhnlich an der derzeitigen Infektionswelle ist laut RKI, dass besonders Erwachsene und dabei vor allem Frauen betroffen sind. In der Regel erkranken sonst meist Kinder. In den vergangenen Jahren habe es noch nie so viele HUS-Fälle in so kurzer Zeit und mit einem Fokus auf Erwachsenen gegeben, erklärte das RKI. Spezialisten des Instituts untersuchten in Hamburg das Geschehen. „Aktuell kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Infektionsquelle noch aktiv ist“, erklärte das Institut.

          Das RKI mahnte, alle Lebensmittel ausreichend zu erhitzen. Bei Durchfall-Erkrankungen sollen Betroffene sich gründlich die Hände waschen. Bei blutigem Durchfall soll zudem umgehend ein Arzt aufgesucht werden.

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