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Erkältungszeit Herbst : Rüstzeug gegen Viren

Zink

Zink ist eins dieser Spurenelemente, von denen man das ganze Jahr über wenig hört, bis es dann im Herbst überall angepriesen wird. Zu Recht – glaubt man Experten. „Lutschtabletten mit Zink können die Symptome eines Schnupfens positiv beeinflussen“, sagt Beule. „Zink, während der Erkältung eingenommen, verkürzt die Dauer der Erkrankung um etwa 2,5 Tage.“ Denn Zink hat eine antivirale Wirkung auf den Schleimhäuten. Erreger haben es so schwerer, sich zu vermehren und über Mund oder Nase in den Körper einzudringen. Aus diesem Grund kann es auch helfen, Zink präventiv in der Erkältungszeit zu nehmen. Aber auch mit dieser Empfehlung ist HNO-Arzt Beule vorsichtig. Wer anfällig ist für Erkältungen oder chronisch krank, also einen nachweislichen Nutzen davon hat, wenn eine Erkältung den Körper nicht sechs Tage, sondern nur vier Tage belastet, dem kann man Zink als Nahrungsergänzung tatsächlich empfehlen. Der Rest sollte sich ausgewogen ernähren. Zink findet sich in hoher Menge zum Beispiel in Fleisch, Fisch, Haferflocken, Käse, Nüssen und Eiern.

Diät

Entgegen aller Annahmen: Eine Diät kann vor einer Erkältung schützen. Sie soll den Stoffwechsel aktivieren und so die Immunabwehr stärken.

Wer sich gut ernährt, der hat genug Abwehrkräfte, so die weitverbreitete Annahme. Und die ist auch nicht ganz falsch. Wer gesund und abwechslungsreich isst, hat natürlich mehr Substanz, um Erkrankungen etwas entgegenzuhalten. Aber, und da greift Mediziner Beule wieder zum Mausmodell: „Eine Kalorienreduktion stimuliert bei den Tieren die Immunabwehr.“ Der vermutete Effekt dahinter: Die Diät soll den Stoffwechsel aktivieren und so die Immunabwehr stärken. Für die Praxis heißt das für uns Menschen wohl: Wer sich entscheidet, in den Wintermonaten trotz Weihnachtsbraten und Plätzchen Diät zu halten, der senkt die Wahrscheinlichkeit, an einer Erkältung zu erkranken.

Nasenduschen

Nicht die angenehmste Beschäftigung, aber laut Medizinern eine effektive: Das Ausspülen der Nase mit einer Kochsalzlösung.

Es ist vielleicht nicht die angenehmste Beschäftigung, aber laut Medizinern eine effektive. Wer seine Nase regelmäßig mit einer isotonen Kochsalzlösung (kann man übrigens auch zu Hause selbst anrühren) ausspült, der schützt sich vor Erkältungskrankheiten. Die Kochsalzlösung spült die krankmachenden Erreger, die häufig die Schleimhäute der Nase und des Mundes als Eintrittspforte in unseren Körper nutzen, weg, bevor sie richtig eindringen können. Achim Beule ergänzt noch: „Solche Nasenduschen sind auch ein effektives Therapieverfahren, hat einen doch mal der Schnupfen oder eine akute Nasennebenhöhlenentzündung erwischt.“

Honig

Ein Glas mit Milch und Honig – wer hat das nicht als Kind von der Mutter liebevoll in die Hand gedrückt bekommen, und schon gleich ging es besser. Honig hat tatsächlich eine antibakterielle Wirkung. Medizinischer Honig, zu dem etwa Manuka-Honig zählt und den man in Apotheken kaufen kann, kommt in der Hals-Nasen-Ohren-Heilkunde durchaus zum Einsatz. Aber seine fiebersenkende und eben antibakterielle Wirkung hilft eigentlich erst, wenn man schon krank ist. Ob Menschen, die viel Honig essen, weniger Husten und Schnupfen haben, dazu gibt es keine Studien. Gleiches gilt übrigens für den Ingwer. Auch er wirkt symptomlindernd, laut Beule vor allem bei Halsschmerzen, aber eben auch nur, wenn man schon flachliegt.

Rotalgen

Die Rotalgen gehören zu den neueren Mitteln gegen Erkältung. Meist sind sie Bestandteil von Nasensprays, die mit dem Aufdruck werden: Stoppt die Viren bei ersten Anzeichen. Klingt nach einem Traum. Und was sagt der Mediziner? „Diese Produkte sind in verschiedenen prospektiven, randomisierten Studien untersucht worden. Dabei zeigte sich eine antivirale Wirkung, die die Viruslast in Patienten reduzierte.“ Doch ganz einig ist sich die Wissenschaft nicht, ergänzt Beule. Die aktuellste Studie von 2015 hätte anhand von 200 erwachsenen Patienten in Bezug auf einen klinischen Effekt nur eine Tendenz nachweisen können. Deswegen sei er mit Empfehlungen vorsichtig. Vor allem, weil Metaanalysen gezeigt hätten, dass regelmäßiges Sprühen mit solchen Mitteln zwar die Symptomdauer der Erkältung um knapp zwei Tage reduzieren kann, aber der Effekt erst nach frühestens sechs Tagen, die man das Mittel nimmt, eintritt. Im Schnitt dauert eine normale Erkältung rund eine Woche. Rotalgen lohnen sich deshalb wohl wieder nur für Menschen, die wissen, dass bei ihnen Husten und Schnupfen immer länger anhalten. Ob es hilft, präventiv einfach jeden Tag einen Stoß zu nehmen, dazu gibt es keine Daten.

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