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Heilbronner Ärzteskandal : Alle Fälle müssen geprüft werden

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Im gleichen Jahr landete der Mediziner über eine Vermittlungsagentur in Heilbronn. Eine Patientin hatte sich nach Angaben der SLK Kliniken an Behörden und Medien gewandt und von Komplikationen nach einer Behandlung durch den Arzt berichtet. Zwei Patienten meldeten sich bei den Heilbronner Kliniken. Diese lassen alle Behandlungen, an denen der Arzt beteiligt war, von externen Gutachtern prüfen. So solle sichergestellt werden, dass keinem Patienten Schaden entstanden ist, teilten die Kliniken mit. Die Neurologische Klinik des Universitätsklinikums Heidelberg habe sich bereiterklärt, alle Unterlagen zu überprüfen. Erste Ergebnisse werden im Laufe der nächsten Woche erwartet. Um wie viele Fälle es geht, ließ eine Sprecherin offen.

Wer befürchtet, von dem Arzt nicht sachgerecht behandelt worden zu sein, solle sich an die Klinik für Neurologie wenden. Die Gutachterkommission werde diese Fälle gesondert prüfen. Klinikchef Thomas Jendges hatte am Wochenende gesagt, in Heilbronn sei „mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit“ kein Patient geschädigt worden. Er selbst sei am Freitag „überrascht und geschockt“ gewesen sei, als er durch Medien von den Vorwürfen gegen den Neurologen erfahren habe.

Grundlegendes Problem ist der Ärztemangel

In Deutschland Fuß gefasst hatte der Arzt im Zuständigkeitsbereich der Bezirksregierung Arnsberg. Dort war er unter anderem an einer Klinik in Bad Laasphe (Kreis Siegen-Wittgenstein) tätig. Sprecher Christoph Söbbeler erklärte am Dienstag, es hätten Universitäts- und Führungszeugnisse sowie eine Unbedenklichkeitsbescheinigung der niederländischen Behörden vorgelegen, an denen nichts auszusetzen gewesen sei. Die Bezirksregierung unterstütze die Staatsanwaltschaft, die inzwischen Vorermittlungen gegen den Mann eingeleitet hat. Ein Grund für den Einsatz des Arztes war nach Meinung des Vorstands der Deutschen Stiftung Patientenschutz, Eugen Brysch, der Ärztemangel. Deshalb stellten Träger ziemlich wahllos Bewerber ein, sagte er. Brysch sieht die Politik in der Verantwortung. „Die Bundesbildungsministerin und auch die Länder müssen sich absprechen, wie man dem Ärztemangel in Deutschland entgegentreten kann.“

Eugen Brysch ist der Vorstand der Deutschen Stiftung Patientenschutz und fordert nach den Vorgängen um den niederländischen Arzt, dass die Politik dem Ärztemangel Abhilfe schaffen soll.

Politiker in den Niederlanden fordern eine europäische schwarze Liste, um solche Fälle zu verhindern. Heilbronns Klinikchef Jendges forderte ebenfalls neue Richtlinien: Angesichts der Personalnot an Kliniken in Deutschland müssten immer öfter Ärzte aus anderen europäischen Ländern beschäftigt werden. Der gesundheitspolitische Sprecher der Union, Jens Spahn, sagte der „Heilbronner Stimme“: „Es sollte eine automatische, gegenseitige Information, etwa in Form eines zentralen Registers in Europa geben.“ So könnte verhindert werden, dass ein Arzt in einem Land praktiziert, wenn er woanders seine Behandlungserlaubnis verloren hat. Zudem sollten die Abläufe bei der Einstellung von Medizinern verbessert werden. „Ärzte, die in anderen Ländern nicht praktizieren dürfen, sollten auch in Deutschland nicht tätig sein dürfen.“

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Unser Autor: Oliver Georgi

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