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Hebammen : „Ich bin beste Freundin und Therapeutin in einem“

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Willkommen! Solange es noch Geburtshelferinnen gibt, können Frauen zwischen einer Entbindung in der Klinik und einer Hausgeburt wählen. Bild: Hollandse Hoogte/laif

Für viele Eltern sind sie unentbehrlich - doch die Hebammen selbst fürchten um ihre Jobs. Eine von ihnen spricht im Interview über die schwierige Lage, richtige Wehen und falsche Ratgeber.

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          Frau Görner, Sie arbeiten seit 30 Jahren als Hebamme und haben mehr als 4000 Kindern auf die Welt geholfen. Sind Geburten für Sie noch emotionale Ereignisse?

          Natürlich freue ich mich jedes Mal mit den Eltern über die Geburt des Kindes. Um in Glücksgefühlen zu schwelgen, bleibt mir leider nicht die Zeit. Der Kreißsaal ist mein Arbeitsplatz, an dem ich zu hundert Prozent präsent sein muss. Aber manchmal rollt doch eine Träne.

          Stellen wir uns folgende Situation vor: Eine Frau ist hochschwanger, der errechnete Geburtstermin naht, der werdende Vater ist nervös, plötzlich zieht es in ihrem Bauch. Ist das der Zeitpunkt, um zur Entbindung in die Klinik zu fahren?

          Es ist zumindest häufig der Zeitpunkt, an dem ich als Hebamme von den Paaren angerufen und verunsichert genau das gefragt werde.

          Was sagen Sie dann den Frauen?

          Das kommt vor allem darauf an, das wievielte Kind es ist. Aber meist kommt es zu dieser Frage bei Erstgebärenden. Dann sage ich immer: Wenn man noch überlegen muss, ob es losgeht, dann geht es nicht los. Erst wenn die Wehen in immer schnelleren Abständen kommen, muss man nicht länger überlegen: Dann ist es wirklich Zeit, ins Krankenhaus zu fahren. Bei Frauen, die schon das zweite oder dritte Kind bekommen, kann ein Ziehen im Bauch allerdings schon mal bedeuten, dass es losgeht.

          Was genau verstehen Sie unter schnelleren Abständen?

          Wenn die Wehen regelmäßig, also alle fünf bis zehn Minuten, auftreten und die Frau beim Sprechen ihren Satz nicht mehr beenden kann, weil die Schmerzen so stark sind, dann wird es ernst.

          Livia Görner hat als Hebamme in Hamburg schon mehr als 4000 Kinder auf die Welt gebracht.

          Über Ihre Arbeit und die Fragen, die Ihnen immer wieder gestellt werden, wie die zu den Wehen, haben Sie ein Buch geschrieben. Darin klagen Sie auch darüber, dass „parasitäre Dienstleister“ mit der Unwissenheit junger Mütter heute viel Geld machen. Wen meinen Sie damit?

          Ich denke da etwa an Doulas, Frauen, die werdende und junge Mütter begleiten, Stillberaterinnen und sonstige schwach ausgebildete Quereinsteiger in der beratenden Geburtsvorbereitung. Verstehen Sie mich nicht falsch, ich möchte keine pauschalen Verurteilungen treffen. Aber ich erlebe oft ahnungslose Schwangere, die sich Dinge aufschwätzen lassen, die sie nicht brauchen, für die sie aber teures Geld bezahlen. In Deutschland ist ein großer Markt rund um das Thema Schwangerschaft und Geburt entstanden. Viele glauben, darin mitmischen und daran Geld verdienen zu können. Im Aufgabenfeld der Hebammen tummeln sich immer mehr fremde Berufsfelder.

          Sehen Sie das als eine Bedrohung für Ihren Berufsstand?

          Nicht direkt. Ich glaube nicht, dass Frauen deshalb auf das Wissen und die Betreuung von Hebammen verzichten möchten. Im Gegenteil: Dass Frauen sich neben einer Hebamme weitere Personen suchen, die sie um Rat fragen können, zeigt, dass das Bedürfnis der Frauen nach Betreuung größer geworden ist. Was ich als Bedrohung sehe, sind die steigenden Versicherungsprämien und die Gefahr, dass Hebammen ab Juli 2015 niemand mehr eine Berufshaftpflicht anbieten will. Das gleicht einem Berufsverbot. Da brauchen wir eine politische Lösung, sonst kann auch ich nicht mehr arbeiten. Die anderen Berufsgruppen, von denen ich gesprochen habe, müssen eine solche Haftpflichtversicherung nicht zahlen.

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