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Hautkrebs : Gesunde Bräune gibt es nicht

Allgemein bekannt, doch oft ignoriert: Sonnenlicht im Übermaß kann zu Hautkrebs führen Bild: dpa

Trotz des Wissens, dass zuviel Sonnenlicht Hautkrebs verursachen kann, steigt die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland weiter. Bei ungefähr 1300 Menschen führt die Erkrankung jährlich zum Tod. Schuld sei ein falsches Schönheitsideal.

          1 Min.

          Dass Sonnenlicht im Übermaß zu Hautkrebs führen kann, ist inzwischen allgemein bekannt. Doch aller Aufklärung zum Trotz steigt die Zahl der Neuerkrankungen in Deutschland weiter, wie Fachleute auf einem Symposion des Instituts für Gesundheits- und Sozialforschung (IGES) in Berlin sagten. Vor allem Menschen in den mittleren Lebensjahren seien betroffen, aber auch verstärkt Kinder und Jugendliche. Am besonders aggressiven Malignen Melanom, dem Schwarzen Hautkrebs, erkrankten in Deutschland jedes Jahr etwa 16.000 Menschen. Bei ungefähr 1300 Personen führe die Erkrankung zum Tod. Insgesamt sollen mehr als 3000 Menschen jährlich an einer Form des Hautkrebses sterben, etwa 800.000 Menschen seien von ihm betroffen. Nach Erhebungen des Robert-Koch-Instituts (RKI) gab es dagegen im Jahr 2004 nur etwa 14.900 Neuerkrankungen und ungefähr 2300 Todesfälle.

          Ursula Scheer
          Redakteurin im Feuilleton.

          Ein falsches Schönheitsideal

          „Die in den Krebsmelderegistern vorliegenden Zahlen bilden eher die untere Grenze der Fallzahlen ab - denn die Meldung ist nicht verpflichtend und die Meldemotivation regional sehr unterschiedlich ausgeprägt“, sagt Matthias Augustin vom Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf, der die epidemiologischen Zahlen vorstellte. Gut angenommen werde von der Bevölkerung die Untersuchung zu Hautkrebsfrüherkennung für über Fünfunddreißigjährige, die seit 2008 zu den Leistungen der gesetzlichen Krankenkassen gehört. Und sie sei wichtig. Denn je früher der Krebs erkannt wird, desto größer sind die Überlebenschancen des Patienten.

          90 Prozent der Erkrankungen sind laut Rudolf Herbst, dem Leiter des Helios- Hauttumorzentrums in Erfurt, auf UV-Strahlen zurückzuführen. Aus seiner Sicht ist ein falsches Schönheitsideal die Hauptursache für den Anstieg der Neuerkrankungen. „Gebräunte Haut gilt immer noch als Zeichen von Attraktivität und Gesundheit“, sagt Herbst, der ebenfalls an der Tagung teilnahm. Er begrüßt das Solarienverbot für Personen unter 18 Jahren, das in Deutschland seit 2010 gilt. Denn auch künstliches UV-Licht ist krebserregend. Wer seiner Haut bereits in frühen Lebensjahren Sonnenschäden zufüge, steigere die Wahrscheinlichkeit, irgendwann an Hautkrebs zu erkranken, sagt Herbst. Daher sei Sonnenschutz für Kinder besonders wichtig: „Kinder unter einem Jahr gehören überhaupt nicht in die Sonne.“ Danach seien möglichst reichlich aufgetragene Cremes mit hohem Lichtschutzfaktor und schützende Kleidung ein Muss. Herbst fasst zusammen: „Alles richtig gemacht beim präventiven Hautschutz hat man dann, wenn die Haut sich nicht bräunt.“

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