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Entertainer mit neuem Format : Harald Schmidt spricht in neuem Podcast über Depressionen

Harald Schmidt hat sich größtenteils aus der Öffentlichkeit zurückgezogen. Sein neuestes Projekt: Ein Podcast mit dem Psychiater Ulrich Heger über Depressionen. Bild: dpa

Harald Schmidt betritt eine neue Bühne: Mit dem Psychiater Ulrich Hegerl will er in seinem ersten Podcast „Raus aus der Depression“ über die Krankheit informieren und aufklären – mit Humor und Ernsthaftigkeit.

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          Gespräche zu führen ist sein Metier, aber das Format ist neu. „Ich höre selbst überhaupt keine Podcasts“, sagt Harald Schmidt. Das hat den früheren Late-Night-Talker nicht davon abgehalten, die Rolle als Gastgeber und Moderator der ersten Staffel von „Raus aus der Depression“ zu übernehmen. Von diesem Dienstag an sind im wöchentlichen Abstand sieben Folgen des von NDR Info produzierten wissenschaftlichen Podcasts abrufbar. Der Dreiundsechzigjährige hat sich vom Bildschirm und größtenteils auch aus der Öffentlichkeit zurückgezogen, bleibt aber seinem seit 2008 bestehendem Engagement als Schirmherr der Stiftung Deutsche Depressionshilfe treu. In dieser Funktion befragt er depressiv erkrankte Personen zu ihren Erfahrungen und ordnet das Gesagte im Anschluss ein – mit Unterstützung des Vorsitzenden der Stiftung, des Psychiaters Ulrich Hegerl.

          Eva Schläfer
          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die etwa halbstündigen Folgen wollen über Depressionen informieren und aufklären. Die Vorstellungen, die zu Depressionen bestehen, seien oft irreführend, sagt Hegerl, der viele Jahre die Klinik für Psychiatrie der Uniklinik Leipzig leitete und nun die Senckenberg-Professur an der Klinik für Psychiatrie der Universität Frankfurt innehat. „Vielen ist nicht klar, dass Depression eine eigenständige Erkrankung ist und mehr als eine Reaktion auf schwierige Lebensumstände. Wir wollen den Leuten Mut machen, sich Hilfe zu holen, zeigen, dass es gute Behandlungsmöglichkeiten gibt, erklären, wer zuständig ist für die Behandlung. Informieren ist auch der beste Weg, die Erkrankung zu entstigmatisieren.“

          Zwischen Humor und Ernsthaftigkeit

          Harald Schmidt hat keine Berührungsängste mit dem Thema und erst recht nicht mit Betroffenen. Alle zwei Jahre moderiert er den Patientenkongress der Stiftung, der für 2022 in der Alten Oper in Frankfurt geplant ist. Vor seinem ehrenamtlichen Engagement hatte er keinen persönlichen Bezug zu der Krankheit, er fühlte sich von Hegerls Anfrage aber angesprochen. Dieser schätzt den Entertainer und Schauspieler wegen seiner „genialen Gratwanderung zwischen Humor und Ernsthaftigkeit“, die er auch im Podcast wieder gezeigt habe.

          „Ich habe versucht, meine Erfahrung, wie man Gesprächspartner geöffnet bekommt, mit einzubringen“, sagt Schmidt. „Aus meiner Wahrnehmung hat das ganz gut geklappt.“ Erste Hörproben zeigen: So unterschiedlich die Interviewten sind, so sehr eint sie die Offenheit, mit der sie über ihre Erkrankung sprechen. Die Gäste der sieben Folgen kommen aus verschiedenen Bereichen und haben einen unterschiedlichen Hintergrund, sie reichen von der Musikjournalistin Miriam Davoudvandi über die Autorin Jasmin Schreiber bis zu Walter Kohl, der unter anderem von seinem Suizidversuch berichtet – und vom Suizid seiner Mutter Hannelore vor 20 Jahren. Dieses Schicksal teilt Kohl mit dem Gast der ersten Folge, dem Podcaster und Dating-Show-Teilnehmer Lars Tönsfeuerborn, dessen Mutter sich das Leben nahm.

          Positive Lockdown-Erfahrungen

          In den Gesprächen sei ihm die differenzierte Meinung aller Interviewten zur medikamentösen Behandlung mit Psychopharmaka aufgefallen, sagt Schmidt. „Die sind in der Allgemeinbevölkerung ja eher mit einem kritischen Image belegt. Aber wenn sie von Fachleuten eingesetzt werden, können sie ein sehr wirkungsvoller Teil der Therapie sein. Das wurde einheitlich festgestellt.“

          Harald Schmidt persönlich kamen – im Gegensatz zu vielen psychisch instabilen Personen – die Corona-Maßnahmen zupass. Seine Lockdown-Erfahrungen seien eher positiv gewesen: „Kein Händedruck, keine Umarmung, kein Küsschen rechts und links – endlich hat die Regierung mal was für mich getan.“ Die Lockerungen kommentiert Schmidt gewohnt scharfzüngig: „Ich habe keine Sehnsucht, das zu erleben, was mir jetzt in den Nachrichten als Lebensfreude vorgegaukelt wird: Aperol Spritz in der Innenstadt von Saarbrücken.“

          Der Podcast „Raus aus der Depression“ ist von Dienstag an in der ARD-Audiothek und auf gängigen Podcast-Plattformen zu hören.

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