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Verletzte am Flughafen Hamburg : Kartusche mit Pfefferspray im Mülleimer gefunden

  • Aktualisiert am

Bild: dpa

Es ist kein Dumme-Jungenstreich, aber auch kein Terroranschlag: ein Pfefferspray legt für anderthalb Stunden den Betrieb des Hamburger Flughafens lahm. Das Versprühen von Reizgas kommt in jüngster Zeit in Hamburg öfter vor.

          Es ist der Inhalt einer kleinen Kartusche, der am Sonntag die Reisepläne von mehreren Tausend Flugreisenden in Hamburg durcheinander bringt: Die Feuerwehr habe die handelsübliche Kartusche mit Pfefferspray in der sogenannten Plaza gefunden. In diesem Gebäudeteil des Flughafens Helmut Schmidt zwischen Terminal 1 und 2 finden die Sicherheitskontrollen statt. Das Spray sei durch die Klimaanlage verwirbelt worden. Schnell melden sich die ersten Menschen mit Atemwegsreizungen und Übelkeit. Die Flughafenfeuerwehr löst Alarm aus. 120 Einsatzkräfte werden mobilisiert, der Flugverkehr unterbrochen, die Zufahrten gesperrt.

          Feuerwehrsprecher Torsten Wesselly spricht von einer „brisanten Einsatzlage“. Er betont aber, dass es keinen Hinweis auf eine Terrorlage gebe. Das Versprühen von Pfefferspray komme in jüngster Zeit in Hamburg leider öfter vor, besonders an Schulen. „Es ist offensichtlich en vogue, ab und zu mal so eine Patrone abzudrücken“, sagt Einsatzleiter Kusch. Die Verfügbarkeit der Pfefferspray-Patronen sei mittlerweile riesig groß. Es sei jedoch mehr als ein „Dumme-Jungen-Streich“. Wenn der Täter vom Flughafen ermittelt werden sollte, komme eine gewaltige Kostenforderung auf ihn zu.

          „Großes Lob für die Sicherheitskräfte!“

          „Es war ein komisch süßlicher Geruch“, sagt die zwölfjährige Ann-Kathrin, die mit ihrer Mutter eine Freundin zum Flug nach Dubai bringen wollte. „Aber beißend“, ergänzt Mutter Jasmin Feth (40). Die Wahrnehmung machten sie außerhalb des Gebäudes. Die Eingänge waren schon geschlossen, als sie mit der S-Bahn eintrafen.

          Nach etwa einer Stunde gibt die Feuerehr die Terminals wieder frei, kurz darauf auch die Plaza. Hunderte Reisen strömen herein. Panik habe es zu keiner Zeit gegeben, sagt Jan Sühnemann (21), der nach Mallorca fliegen will. Nach der ersten Durchsage hätten sie das Terminal ganz ruhig verlassen. „Ich bin sogar noch mal rein aufs Klo“, sagt seine Begleiterin Nele Sandkühler (22). „Sehen Sie nicht unsere lila Nasen?“, scherzt Familie Rath, die auf dem Weg in den Türkeiurlaub ist. Die vier Erwachsenen haben nichts gerochen. „Großes Lob für die Sicherheitskräfte!“, sagen sie.

          Straßensperre in der Nähe des Hamburger Flughafens.

          Ein Mutter mit zwei kleinen Kindern aus Süddänemark sagt auf Englisch:  „Die Information war sehr schlecht, wenn man nicht gut Deutsch versteht. Jemand sagte, es gebe etwas, das übel rieche.“ Die 32-Jährige war nach eigenen Angaben aber nicht in Panik. Im Hotel gegenüber sei sie mit den Kindern und ihrem Mann sehr nett aufgenommen worden.

          „Man sagt Scheiße, aber man kann nichts ändern“, sagt der Segeberger Dirk Hinrichs. Als freiwilliger Feuerwehrmann kennt er solche Situationen. Der etwa 40-Jährige nimmt die Verspätung beim Abflug nach Dubai mit Gelassenheit.

          Auch der Präsident von Uruguay muss warten

          Als prominentester Passagier muss sich der Präsident von Uruguay, Tabaré Ramón Vázquez Rosas , gedulden, der schon in seiner Maschine sitzt. Er teilt das Schicksal von etwa 1500 Passagieren, wie Flughafensprecherin Stefanie Harder sagt. 13 Maschinen müssen und der Luft kreisen oder warten auf dem Rollfeld. Zwei der Flugzeuge werden nach Bremen umgeleitet. Nur indirekt ist das Reizgas der Grund dafür. Flugbetrieb ist nur erlaubt, wenn die Feuerwehr einsatzbereit ist. Aber die ist beschäftigt.

          Sie misst immer wieder die Luft im Gebäude, kann aber nur punktuell das Reizgas feststellen. „Man muss aufpassen, dass man nicht hyperventiliert“, sagt Feuerwehr-Einsatzleiter Norbert Kusch. Er selbst sei während der Sperrung eine halbe Stunde lang ohne Atemschutz durch die Plaza gelaufen, da die Messtrupps nichts mehr festgestellt hätten. Wichtig sei, immer wieder nachzumessen. Patienten zeigten oft Sekundärsymptome, obwohl sie eigentlich gar nicht betroffen seien. Das dürfe man aber nicht unterschätzen. „Objektiv betrachtet sind die Patienten in einem Schockzustand.“

          Die Retter untersuchen 68 Menschen, neun von ihnen werden in Krankenhäuser gebracht. Der leitende Notarzt Stefan Oppermann ist zuversichtlich, dass auch diese Patienten schnell wieder entlassen werden.

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