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Grün hilft (3) : Fitnesstraining hinterm Gartenzaun

Gefahrenvorbeugung: Besser hinknien, um den Rücken zu entlasten. Bild: dpa

Frische Luft, Bewegung und Freude – Gartenarbeit kann doch eigentlich nur gesund sein. Ist sie auch, wenn man ein paar Dinge beachtet und sich nicht übernimmt.

          Kaum hat man das Unkraut an der einen Ecke des Gartens gejätet, sprießen im nächsten Beet schon Löwenzahn und Hahnenfuß aus der Erde. Der Rasen muss gemäht, Verwelktes zurückgeschnitten und Obst geerntet werden. Ein Garten macht Freude und Arbeit. Blühende Rosen, Selbstgeerntetes und ein schattiges Plätzchen unterm Kirschbaum machen den Garten zu einem Wohlfühlort - und zu einem Fitnessstudio vor der eigenen Tür.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Gartenarbeit tut Körper und Seele gut. Beim Schneiden, Hacken und Graben werden zahlreiche Körperregionen und Muskelgruppen beansprucht. Deshalb sollte man nicht unvorbereitet und untrainiert mit der Gartenarbeit beginnen. „Sie kann je nach Aufgabe zu einer richtigen körperlichen Belastung werden“, sagt Klaus Völker, Professor für Sportmedizin an der Universität Münster. „Wer das nicht gewohnt ist, kann sich überlasten und die Nachwirkungen tagelang spüren oder gar Verletzungen davontragen.“

          Wer das dritte Lebensjahrzehnt überschritten hat, nicht häufig im Garten werkelt oder regelmäßig Sport treibt, dazu Risikofaktoren wie Bluthochdruck, Übergewicht oder Diabetes mitbringt, sollte vor längerer schwerer Gartenarbeit mit seinem Hausarzt sprechen, sagt der Mediziner.

          Für alle Gärtner indessen gilt: vor der Saison den Tetanusschutz im Impfpass kontrollieren, damit es bei Verletzungen nicht zu einer Infektion kommt. „Außerdem sollten sich Personen, die in gefährdeten Gebieten leben, gegen Frühsommer-Meningoenzephalitis, die von Zecken übertragen wird, impfen lassen“, so Völker. Ein regelmäßiger Blick auf eine Landkarte mit den ausgewiesenen Risikogebieten lohnt sich, „denn die Gebiete, in denen Zecken die gefährlichen Erreger der Hirnhautentzündung übertragen können, breiten sich immer mehr in den Norden von Deutschland aus“. Aber auch in ungefährdeten Gebieten lautet die Devise: Nach jedem Arbeiten im Gestrüpp die Haut auf Zecken untersuchen.

          Handschuhe schützen nicht nur vor den kleinen Blutsaugern, sondern auch vor Hautreizungen und Stichen. Sie gehören zur Grundausstattung. Am restlichen Körper auf funktionelle Kleidung achten, die Bewegungsfreiheit bietet und Schweiß aufnimmt. Den Kopf mit einem Hut, freie Körperstellen mit Sonnencreme schützen.

          Vorsicht vor dem Tennisarm

          Wer nach der Vorbereitung, mit Rechen, Schaufel und Gießkanne ausgestattet, vor der Gartenhütte steht, sollte sich nicht sofort auf die schwersten Aufgaben stürzen. Wie zu jedem Sportprogramm gehört auch zur Gartenarbeit eine Aufwärmphase; danach kann es dann an das Bäume- oder Heckenschneiden gehen.

          Besonders beansprucht werden bei der Gartenarbeit Rücken, Knie-, Hand- und Ellenbogengelenke. „Da kann es schon mal zu einem Tennisarm kommen, ohne einen einzigen Ball geschlagen zu haben“, sagt Mediziner Völker. Eine der wichtigsten Regeln ist: Beim Unkrautzupfen oder Beetebepflanzen hinknien und ein Kissen unterlegen. „Wer solche Arbeit im Stehen mit nach unten gebeugtem Kopf macht und so den Kopf unter die Gürtellinie bringt“, sagt Völker, „provoziert eine sogenannte Kreislauf-Umkehr. Beim Aufrichten kann es dann zu Schwindel, im schlimmsten Fall zu einem Sturz kommen.“ Schuld daran sei eine Irritation des Gleichgewichtsorgans im Ohr.

          Auch das Überkopfarbeiten sollte mit Bedacht und regelmäßigen Unterbrechungen betrieben werden. Ständiges Nach-oben-Schauen wie beim Pflücken von Äpfeln belastet Halswirbelsäule und Nackenmuskulatur.

          „All diese Punkte zeigen, dass das Schuften im Garten nicht unterschätzt werden darf“, fasst Völker zusammen. Aber es hat auch viele positive gesundheitliche Effekte. Man stärkt das Herz-Kreislauf-System, trainiert die Muskulatur, fördert die Mobilität und beugt Osteoporose vor. Wem die Arbeit im Garten dann auch noch Freude und nicht Last ist, der tut zusätzlich etwas für das seelische Wohlbefinden. Sinne werden angeregt, Glückshormone ausgeschüttet, Entspannung tritt ein. Der Blick auf den gemähten Rasen oder das blühende Gemüsebeet schafft Befriedigung. Aktivität an der frischen Luft stärkt das Immunsystem, und die Sonnenstrahlen fördern die Produktion von Vitamin D in der Haut.

          Gartenarbeit ist also wirklich gesund: „Das kann man so unterschreiben, wenn sie richtig und mit Blick auf die eigenen Voraussetzungen und Möglichkeiten gemacht wird“, sagt Völker. „Als Gesundheitstraining oder Sport zählt sie aber nur, wenn man mehrmals in der Woche mindestens eine halbe Stunde im Garten arbeitet.“ Von gelegentlicher Gartenarbeit sei weder gesundheitlich noch trainingsphysiologisch ein dauerhafter Effekt zu erwarten.

          Wie zu jedem abwechslungsreichen Fitnessprogramm gehören aber auch zur Arbeit im Grünen die Pausen, zwischendurch um etwas zu trinken, am Ende zum Genießen. Denn der Garten ist eben nicht nur ein selbstkreierter natürlicher Trimm-dich-Pfad, sondern vor allem ein schönes Fleckchen Erde. Und selbst beim Pausieren kann man noch etwas für die Gesundheit tun; wer das frisch gepflückte Obst auch gleich vernascht, liefert seinem Körper Vitamine in Hülle und Fülle.

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