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Grippewelle : Die Gefahr lauert im Wartezimmer

  • -Aktualisiert am

Mit Mundschutz kann sich diese Frau zumindest nicht anstecken – aber in Berufen mit Kundenkontakt erweist sich das Tragen als schwierig. Bild: Picture-Alliance

Die Influenza greift um sich: Halb Deutschland liegt flach. Muss man andere Menschen meiden, um der Grippe zu entgehen? Oder reicht regelmäßiges Händewaschen? Eine Ärztin gibt Tipps, in welchen Situationen Vorsicht geboten ist.

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          Rotznasen, Husten, Schnupfen: 90 Prozent der Erkrankungen der oberen Atemwege sind Viruserkrankungen. Hier helfen Antibiotika nicht. Die Zeit heilt, und Tee, Wärme, fiebersenkende Mittel und Nasensprays lindern die Beschwerden.

          Gleich zwei Faktoren machen den Gang zum Arzt zur Erkältungszeit ein Stück weit gefährlich. Tatsächlich haben Studien gezeigt, dass Grippeviren bis zu 17 Tage auf Geldscheinen „überleben“ beziehungsweise aktiv sein können. Das Baumwollgewebe ist ein idealer Nährboden, Schleimhautabschilferungen auf den Geldscheinen verbessern die Überlebenschancen noch zusätzlich. Auf Papier scheinen sie aber unter 15 Minuten kontakt-infektiös zu sein. Nicht alle Viren sind dabei gleich langlebig.

          Je mehr Menschen, desto größer das Risiko

          Viel „gefährlicher“ allerdings sind die Menschen um Sie herum im Wartezimmer. Nicht nur ist es schön warm, weil die Heizung läuft und eine Menge anderer Menschen mit Ihnen im Wartezimmer sitzen. Die Hitze trocknet die Schleimhäute aus, sie wird empfindlicher für die durch Tröpfchen übertragbaren Erkältungs- und Grippeviren.

          Je mehr Menschen um Sie herum sind, desto höher ist das Risiko, sich anzustecken. U-Bahnen, Messen, Konzerte – Albträume für Hygieniker. Panisch werden hilft trotzdem nichts. Wer etwa alles desinfiziert, hindert das Immunsystem am Training. Denn mit Viren konfrontiert, bildet das Immunsystem Antikörper - und merkt sich die Formel für die Bekämpfung des Keims. Mit dem gleichen Virus wird man sich nicht mehr anstecken. Wer erkältet ist und in Menschenansammlungen steckt, der möge zum Schutz seiner Mitmenschen in ein Taschentuch oder zumindest in den Ärmel seiner Jacke möglichst weit weg von seiner Hand niesen. Die Tröpfchen können beim Niesen eineinhalb bis zwei Meter fliegen.

          Öfter Hände waschen

          Die meisten Infektionen passieren aber wohl eher durch die Kontamination von zum Beispiel Haltegriffen oder Türklinken. Die Menschen niesen sich in die Hand, halten sich danach in der Bahn wieder fest, und kurz darauf fasst ein anderer Fahrgast an die Stange und sich kurz später ins Gesicht. Und schon sind die Viren an der Nasen- oder Mund- oder der Schleimhaut und an den Augen. Grundsätzlich gilt: Je weiter die kontaminierte Stelle von Schleimhäuten entfernt ist, desto geringer ist die Ansteckungsgefahr.

          Im Winter häufiger Hände waschen, Toilettentüren mit dem Ellenbogen aufmachen und mit der dicken Rotznase eher nicht arbeiten gehen. Aber bitte nicht zwanghaft werden.

          Ich erteile hiermit kein Arztverbot für Erkältete, ich warne sie nur vor. Wer Fieber hat, das nicht zurückgehen will, der sollte trotz Erkältungszeit zum Arzt. Denn: Eine Grippe ist eine ernstzunehmende Erkrankung. Stichwort „Spanische Grippe“ von 1918, Vogelgrippe oder Influenza-Pandemie 2009. An einer Grippe können Menschen sterben. Im Gegensatz zur einfachen Erkältung macht sich die Grippe durch einen plötzlichen Krankheitsbeginn, starkes Krankheitsgefühl, hohes Fieber bis 40 Grad Celsius, Schüttelfrost, starke Kopfschmerzen, starke Gelenk- und Muskelschmerzen, starke Müdigkeit, Appetitlosigkeit, Erbrechen und zum Teil auch Durchfall bemerkbar. Die Grippesaison dauert bei uns meist von Dezember bis April. Impfen sollte man sich im Oktober/November. Denn bis ausreichend Schutz aufgebaut ist, vergehen circa zwei Wochen.

          Schützt mich die Grippeimpfung zu 100 Prozent vor einer Grippe?

          Leider nein. Der Grippeimpfstoff ist beinahe jedes Jahr anders zusammengemischt und deckt die häufigsten Virus-Stämme ab. Tatsächlich sind Grippeviren sehr wandlungsfähig. Das Risiko, an einer Grippe zu erkranken, wird durch die Impfung deutlich verringert. Gesunde Kinder, Jugendliche und Erwachsene haben weniger wahrscheinlich mit schweren Krankheitsverläufen zu tun. Die Ständige Impfkommission empfiehlt chronisch Kranken die jährliche Grippeimpfung. Außerdem Menschen über sechzig, Schwangeren, die während der Grippesaison ein Kind in sich tragen, Bewohnern von Altenheimen und medizinischem Personal. Letzteres hat nicht nur tagtäglich mit potentiell ansteckenden Kranken zu tun, sondern auch mit solchen, deren Immunsystem geschwächt und für die eine Grippe lebensgefährlich sein kann. Die Krankenkassen übernehmen die Kosten der Grippeimpfung für alle, denen sie empfohlen wird. Wer sich sonst impfen lassen möchte, kann mittlerweile auf die Kulanz seiner Kasse hoffen. Fragen Sie Ihren Hausarzt.

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