https://www.faz.net/-gum-73qbm

Grippesaison : Die Welle kommt bestimmt

Empfohlen wird die Grippeimpfung für junge Menschen mit einer bestehenden Grunderkrankung Bild: Eilmes, Wolfgang

Dieses Jahr spricht einiges für eine frühere und stärkere Grippesaison als im vergangenen Winter. Noch fehlt es zwar an Grippeimpfstoff, doch für eine Impfung bleibt genügend Zeit.

          4 Min.

          In manchen Regionen Deutschlands hat die Grippesaison angeblich schon begonnen. In Baden-Württemberg zum Beispiel verzeichnete das Landesgesundheitsamt in den vergangenen Tagen die ersten sieben Fälle von „echter Grippe“ oder Influenza. Das ist nach Meinung der Sozialministerin Katrin Altpeter (SPD) möglicherweise ein Hinweis auf einen frühen Beginn der „Influenzawelle“. Die bricht gewöhnlich erst im Januar über Deutschland herein, manchmal auch schon vor Weihnachten. Gemeinhin bleibt also genügend Zeit, um sich zwischen September und November gegen die jeweils in Umlauf befindlichen Grippeviren impfen zu lassen.

          Peter-Philipp Schmitt

          Redakteur im Ressort „Deutschland und die Welt“.

          Allerdings nur, wenn der Impfstoff rechtzeitig zur Verfügung steht. In diesem Jahr könnte es eng werden, und das nicht nur, weil einige Fachleute eine frühere und stärkere Influenzasaison als im vergangenen Winter heraufziehen sehen. Die Hersteller der Vakzinen haben Lieferschwierigkeiten. Schon seit Mitte September fehlt es ausgerechnet an einem Impfstoff, der in einigen Bundesländern (Hamburg, Schleswig-Holstein, Bayern) über eine gemeinsame Ausschreibung der Krankenkassenverbände bestellt wurde. Sie haben mit Novartis Vaccines aus Kostengründen einen Rabattvertrag geschlossen. Das Pharmaunternehmen kann seine Zusagen aber nun nicht einhalten.

          Die Schuld liege beim Gesetzgeber

          Zuletzt hieß es, dass der Impfstoff Begripal, bei dem die benötigten Impfviren noch aufwendig in Hühnereiern vermehrt werden, erst Ende Oktober oder im November im zugesagten Umfang zur Verfügung stünde. Nun gibt es zwar eine ganze Reihe anderer in Frage kommender Impfstoffe, die auch in der von der Weltgesundheitsorganisation (WHO) vorgegebenen Zusammensetzung vom Paul-Ehrlich-Institut (PEI) zugelassen wurden. Doch zum einen durften sie in Deutschland erst eingesetzt werden, nachdem die Kassen schließlich dem Druck nach- und alle Vakzinen freigegeben hatten. Zum anderen hatten die Hersteller dieser Konkurrenzimpfstoffe ihre Produktionen gedrosselt, als Novartis Vaccines den exklusiven Zuschlag erhalten hatte.

          Die Kassenärztlichen Vereinigungen, die sowieso nicht glücklich darüber sind, dass die Kassen ihren Ärzten vorschreiben, welchen Impfstoff sie einzusetzen haben, bezeichnen die Vorgänge rund um die verzögerte Grippeschutzimpfung als „desaströs“. Die Patienten seien komplett verunsichert, die impfenden Ärzte hätten „nach wie vor keine klaren Aussagen über die Verfügbarkeit von notwendigen Impfstoffen“, ließ etwa die Kassenärztliche Vereinigung Bayern wissen. Die Schuld liege letztlich beim Gesetzgeber. Denn durch die Vorgaben bezüglich Rabattverträgen bei Arzneimitteln sei die richtige Verordnung für die Ärzte und Patienten inzwischen zu einem Glücksspiel geworden - „zu einem Glücksspiel, das wie im Falle der Grippeschutzimpfung allerdings nur Verlierer kennt“.

          Weitere Themen

          Jagdhunde spüren hilflose Koalas auf

          In Australien : Jagdhunde spüren hilflose Koalas auf

          Die Brände in Australien bedrohen auch die Symboltiere des Landes massiv. Nun sollen Hunde helfen, die Koalas vor den Flammen zu retten. Und die Einsätze zeigen erste Erfolge.

          Heuschrecken fallen über Ostafrika her

          Schwerste Plage seit 25 Jahren : Heuschrecken fallen über Ostafrika her

          Hunderte Millionen Insekten gefährden die Versorgung mit Nahrungsmitteln in ohnehin armen Ländern wie Äthiopien und Somalia. Der Schwarm ist rund einen Quadratkilometer groß – und könnte bis Juni auf das 500-fache anwachsen.

          Topmeldungen

          Arbeitgeber in Panik : Keiner kennt die Kosten der Grundrente

          1,5 Milliarden Euro könnten für die Grundrente womöglich nicht ausreichen, fürchten die Arbeitgeber. In der Union rumoren die Parlamentarier. Doch die Unions-Minister unternehmen keine hörbaren Anstrengungen mehr.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.