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Grippe-Pandemie : „Wir befürchten, daß sich das Virus verändert“

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Was kann gegen die Influenza helfen? Bild: picture-alliance/ dpa/dpaweb

Im 20. Jahrhundert gab es weltweit drei große Influenza-Pandemien mit Dutzenden Millionen Toten. Klaus Stöhr von der Weltgesundheitsorganisation spricht im F.A.Z.-Interview über die möglichen Vorkehrungen gegen eine neuerliche Grippe-Pandemie.

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          Im letzten Jahrhundert gab es weltweit drei große Influenza-Pandemien mit Dutzenden Millionen Toten. Die Gefahren sind auch heute noch nicht gebannt. Klaus Stöhr von der Weltgesundheitsorganisation WHO spricht im F.A.Z.-Interview über die Vorkehrungen gegen eine neuerliche mögliche Grippe-Pandemie und was dagegen getan werden kann.

          Im 20. Jahrhundert gab es drei große Influenza-Pandemien mit Dutzenden Millionen Toten. Ist eine neuerliche Pandemie unausweichlich?

          Pandemien, verursacht durch neue Influenza-Viren, hat es höchstwahrscheinlich schon so lange gegeben, wie die Menschheit existiert. Wir können eindeutig belegen, daß es seit 1000 in jedem Jahrhundert zwei bis drei große Pandemien gegeben hat. Im Durchschnitt vergehen 27,5Jahre von einer Pandemie zur nächsten. Die bislang letzte war 1968. Seither ist also vergleichsweise viel Zeit vergangen. Was schwerer wiegt, ist die Verbreitung eines gefährlichen Geflügelvirus in einem Ausmaß, wie wir es noch nie beobachtet haben - sowohl geographisch als auch, was unterschiedliche Tierarten betrifft. Zehn Länder waren oder sind betroffen, mehr als 150Millionen Tiere sind bereits verendet oder mußten getötet werden. Das Schlimme daran: Von diesem Virus ist bekannt, daß es auf den Menschen überspringen kann.

          Forschen gegen die Vogelgrippe
          Forschen gegen die Vogelgrippe : Bild: dpa/dpaweb

          War auch bei den drei letzten Pandemien ein Geflügelvirus der Auslöser?

          Die Pandemien 1968, 1957 und 1918 wurden tatsächlich von Viren verursacht, deren genetische Informationen teilweise von Tieren stammen.

          Wie wahrscheinlich ist es, daß das Vogelgrippevirus H5N1 Auslöser einer solchen Pandemie ist?

          Das H5N1-Virus hat nicht nur die größte Geflügelinfluenza-Seuche bei Tieren hervorgerufen. Es hat auch die größte Potenz, eine schwere Pandemie beim Menschen hervorzurufen.

          Die Medizin hat sich seit der "Spanischen Grippe" 1918 rasant weiterentwickelt, der Personen- und Warenverkehr auf der Welt auch. Halten sich da Hoffnungen und Befürchtungen die Waage?

          1968 hat es acht Monate gedauert, bis das Pandemievirus Alaska und die Südspitze Australiens erreichte. Heute gehen wir von maximal drei Monaten aus. Vermutlich wird sich die Pandemie nicht wellenartig ausbreiten, sondern gleichzeitig in ganzen Regionen, ja sogar ganzen Kontinenten.

          1997 wurde das Influenza-Virus H5N1 in Hongkong erstmals auf einen Menschen übertragen. Was hat die WHO in den vergangenen acht Jahren erreicht?

          1997 war ein Paradigmenbruch. Vorher hatte man geglaubt, die Geflügel- und Schweineviren müßten sich immer noch ein wenig verändern, bevor sie auf den Menschen überspringen können. Vor acht Jahren geschah das erstmals direkt. Seither mußten die Kontroll- und Bekämpfungsmaßnahmen angepaßt werden. Das ist uns gelungen. Heute können wir innerhalb von Tagen so ein Virus in einen Impfstamm umwandeln, der dann sofort zur Produktion von Pandemie-Impfstoffen verwendet werden kann. Das heißt aber leider nicht, daß auch genügend Impfstoff vorhanden wäre.

          Wie schnell kann eine Pandemie erkannt werden?

          Es gibt mittlerweile ein weltweites Influenza-Überwachungsprogramm mit 115 Laboren in 80Ländern, die Proben von Patienten nehmen, die mit Erkrankungen der oberen Atemwege behandelt werden. Die Proben werden untersucht, Viren isoliert, und zweimal im Jahr können wir dann mit den Ergebnissen nicht nur Empfehlungen für den normalen Grippeimpfstoff geben. Wir können damit auch auf das Auftreten neuer Virusstämme, die vielleicht eine Pandemie verursachen, blitzschnell reagieren.

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