https://www.faz.net/-gum-uqoo

Gesundheitsstudie : Arme Kinder sind kränker

Bild: dpa

Kinder aus Ausländerfamilien und sozial schwachen Elternhäusern sind auch bei der Gesundheit im Nachteil: Überdurchschnittlich viele von ihnen sind zu dick, trinken zu viel Alkohol, rauchen oder haben psychische Probleme.

          4 Min.

          Besonders Kinder aus Ausländerfamilien und sozial schwachen Elternhäusern sind Gesundheitsrisiken ausgesetzt. Das ist eines der wichtigsten Ergebnisse der Kinder- und Jugend-Gesundheitsstudie (www.kiggs.de ), die im Auftrag der Bundesregierung erstellt und am Mittwoch vom Berliner Robert-Koch-Institut (RKI) vorgestellt wurde. Bundesgesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) kommentierte die Untersuchung denn auch mit den Worten: „Diese Chancenungleichheit dürfen wir nicht zulassen.“

          Alfons Kaiser
          (kai.), Deutschland und die Welt
          Andreas Mihm
          (ami.), Wirtschaft

          Die bisher größte deutsche Kinder- und Jugend-Gesundheitsstudie relativiert aber auch alarmierende Zahlen zu Rauschgiftmissbrauch, Übergewicht und Krankheiten. Das Bild stimme sogar optimistisch, sagte RKI-Studienleiterin Bärbel-Maria Kurth: „Wir haben hier nicht die kranke, dicke, faule und depressive Generation.“

          15 Prozent der Kinder sind übergewichtig

          So sind nach den Erkenntnissen der Forscher 15 Prozent der Kinder zwischen drei und 17 Jahren übergewichtig - eingerechnet sind die 6,3 Prozent, die als fettleibig gelten. Das Problem verstärkt sich, je älter die Kinder werden. Unterschiede zwischen Mädchen und Jungen sind kaum auszumachen, aber soziale Risikofaktoren.

          Zu dicke Speckrollen können Kinder schon mit einfachen Dingen vermeiden
          Zu dicke Speckrollen können Kinder schon mit einfachen Dingen vermeiden : Bild: dpa

          So sind Kinder aus Familien mit niedrigem Sozialstatus oder mit „Migrationshintergrund“ stärker gefährdet als andere. Das gilt auch für Heranwachsende, deren Mütter übergewichtig sind. Insgesamt, so Kurth, würden Kinder aus Einwandererfamilien oder sozial schwachen Elternhäusern seltener gestillt, geimpft und zum Arzt gebracht.

          22 Prozent leiden unter Essstörungen

          Die soziale Indikation gilt auch für Essstörungen, unter denen fast 22 Prozent der Jugendlichen von elf bis siebzehn Jahren leiden - mit unterschiedlichen Anteilen bei Mädchen (28,9 Prozent) und Jungen (15,2 Prozent). Kinder aus armen Familien sind fast doppelt so häufig betroffen wie ihre Altersgenossen aus wohlhabenderen Familien. Auch das Rauchen ist in sozial schwachen Familien stärker verbreitet. Insgesamt rauchen gut 20 Prozent der Jugendlichen im Alter von elf bis 17 Jahren. Hauptschüler rauchen fünf Mal häufiger als Gleichaltrige auf dem Gymnasium. Hingegen spielen beim Alkohol- und Drogenkonsum soziale Unterschiede kaum eine Rolle.

          Ein Drittel der Jungen und ein Viertel der Mädchen trinken nach eigenen Angaben mindestens einmal pro Woche Alkohol. Neun Prozent der Jungen und sechs Prozent der Mädchen geben an, in den letzten zwölf Monaten Haschisch oder Marihuana konsumiert zu haben. Zu Drogen wie Ecstasy oder Speed greifen demnach weniger als ein Prozent der Elf- bis Siebzehnjährigen.

          Fast ein Drittel ist verhaltensauffällig

          Schließlich hat der soziale Hintergrund auch Auswirkungen auf die psychische Stabilität. Vermehrt verschöben sich körperliche Erkrankungen in Richtung psychischer Störungen, erläuterte Studienleiterin Kurth. Laut KiGGS-Befund gibt es bei rund 11 Prozent der Mädchen und fast 18 Prozent der Jungen Hinweise auf Verhaltensauffälligkeiten oder emotionale Probleme - also mangelnde Aufmerksamkeit, Hyperaktivität, Aggressivität, Ängste, Depressionen oder unsoziales Verhalten. In einer Teilstudie mit mehr als 6000 Jugendlichen gaben 20 Prozent der Jungen und zehn Prozent der Mädchen zu, schon einmal gewalttätig geworden zu sein.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Neue Nummer drei: Elise Stefanik im Januar 2020 nach Trumps Freispruch im Weißen Haus.

          Machtkampf der Republikaner : Aufstieg einer glühenden Trumpistin

          Die vergangenen Tage haben eindrücklich gezeigt: Auch nach der Wahlniederlage hat Donald Trump die Fraktion der Republikaner unter Kontrolle. Sein neuester Coup ist die Beförderung von Elise Stefanik.

          Nahost-Konflikt : Hamas feuern Raketen auf Jerusalem

          Gegen 18 Uhr Ortszeit wurden aus Gaza-Stadt Dutzende Raketen in Richtung Jerusalem abgefeuert – ein Zivilist wurde verletzt. Auf dem Tempelberg ist ein weithin sichtbares Feuer ausgebrochen.
          Cybergangster kommen nicht durchs Tor: Tankanlagen an einer Abzweigung im Pipeline-System von Colonial im Bundesstaat Alabama

          Hackerangriff auf Pipeline : Lösegeld für das schwarze Gold

          Eine Cyberattacke in den Vereinigten Staaten beeinträchtigt den Transport von Öl. Sollten die Folgen anhalten, könnten auch hierzulande Öl und Benzin nochmal teurer werden.
          Hat gut lachen: Hamburgs Interimstrainer Horst Hrubesch (rechts) klatscht mit HSV-Spieler Moritz Heyer ab.

          5:2 gegen Nürnberg : Mit Hrubesch läuft es beim HSV

          Mit Interimstrainer Horst Hrubesch siegt Hamburg gegen Nürnberg deutlich. Damit wahrt der HSV eine kleine Chance auf den Aufstieg. Doch auch Konkurrent Kiel holt gegen Hannover drei Punkte.

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.