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Gesundheitsstudie : Arme Kinder sind kränker

Öfter als früher sind chronische Erkrankunge und Allergien zu beobachten. So leiden Kinder und Jugendliche in Deutschland häufig unter Bronchitis (13,3 Prozent), Neurodermitis (13,3 Prozent) und Heuschnupfen (10,7 Prozent). Mehr als fünf Prozent haben eine Wirbelsäulenverkrümmung, knapp fünf Prozent leiden unter Asthma, 3,6 Prozent unter Krampfanfällen. Auf mindestens eines von 20 Allergenen reagierten bei Bluttests 40 Prozent der Jungen und Mädchen positiv. Die Allergierate in Ostdeutschland ist inzwischen genauso hoch wie im Westen. Vor der deutschen Einheit war sie dort niedriger.

Verpflichtende Vorsorgeuntersuchungen gefordert

Der 110. Deutsche Ärztetag in Münster reagierte am Mittwoch auf die Ergebnisse mit einer Entschließung, Eltern und Behörden stärker zu Vorsorgeuntersuchungen für Kinder zu verpflichten. Ärzte würden Vernachlässigungen erkennen, wenn sie die Kinder sähen. Allerdings bekämen sie viele Kinder erst gar nicht zu Gesicht. „Wir brauchen endlich eine verpflichtende ärztliche Vorsorgeuntersuchung an Kindergärten und Schulen“, sagte Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe.

Das Verfahren müsse von der Jugendhilfe und dem öffentlichen Gesundheitsdienst überwacht werden. Familien mit Risiken für eine ungünstige gesundheitliche Entwicklung von Kindern könnten so möglichst früh identifiziert werden und man könne ihnen dann gezielt helfen. Abgelehnt werden aber Regelungen, die Ärzte zu einer Meldung durchgeführter Vorsorgeuntersuchungen verpflichten. Der Nachweis über die durchgeführte Vorsorge sei Aufgabe der Eltern.

Gesundheitsunterricht einführen

Hoppe rief die Kultusminister der Länder auf, an den Schulen Gesundheitsunterricht einzuführen. In Nordrhein-Westfalen hätten Ärzte und Krankenkassen schon vor zehn Jahren das Projekt „Gesund macht Schule“ initiiert, in dessen Rahmen Ärzte in die Schulen gingen und Kinder über vernünftige Ernährung und ausreichende Bewegung informierten. Vor den Ärzten hatte auch Gesundheitsministerin Ulla Schmidt verlangt, den Sportunterricht aufzuwerten. Schulsport müsse die gleiche Bedeutung bekommen wie Deutsch und Mathematik.

Die Ärzte äußerten sich besorgt über häufige Fälle von Kindesmisshandlung und -vernachlässigung. Etwa fünf Prozent aller Kinder in Deutschland wüchsen in Familien auf, bei denen aufgrund ihrer psychosozialen Lebensbedingungen ein hohes Risiko für gravierende Vernachlässigung bestehe. Vernachlässigung sei oft mit Sucht oder psychischer Erkrankung der Eltern, Gewalt in der Familie, hochgradiger sozialer Isolation und Armut verbunden. Verbindliche Frühuntersuchungen allein reichten deshalb nicht aus. Die Gesundheitsversorgung von Kindern aus unterprivilegierten und gefährdeten Gruppen, die auch seltener Vorsorgeuntersuchungen in Anspruch nehmen, sollte durch Netzwerke von Ärzten, Gesundheitsämtern, Einrichtungen der Jugendhilfe, sozialen Diensten, Familienhebammen, Kindergärten und Schulen weiter ausgebaut werden.

17.641 Kinder wurden untersucht

Für die Kinder- und Jugend-Gesundheitsstudie (KiGGS) wurden vom Mai 2003 bis zum Mai 2006 insgesamt 17.641 Kinder und Jugendliche bis 17 Jahre (8985 Jungen und 8656 Mädchen) zu ihrer Gesundheit und ihrem seelischen Wohlbefinden befragt und teilweise auch ärztlich untersucht. Auch viele Eltern wurden in die Interviews einbezogen. Die Forscher des Robert-Koch-Instituts fragten im Auftrag der Bundesregierung an 167 Orten in Deutschland. Kinder aus Einwandererfamilien wurden entsprechend ihres Anteils an der Bevölkerung in die Studie einbezogen.

Mit der KiGGS verfügt Deutschland erstmals über eine umfassende und wissenschaftlich fundierte Datensammlung zur Gesundheit der heranwachsenden Generation. Die KiGGS, die 9,36 Millionen Euro kostete, ist im Bundesgesundheitsblatt (Mai/Juni 2007) erschienen.

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