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Gesundheit : Zuviel fernsehen macht Kinder krank

  • Aktualisiert am

Kinder vor dem Fernseher: Unruhe und Schlafstörungen drohen Bild: dpa

Konzentrationsmängel, Zappelphilipp-Syndrom, Schlafmangel: Die Folgen des stundenlangen Fernsehens für die Gesundheit amerikanischer Kinder sind schwerwiegend.

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          Je länger Kleinkinder in die Röhre schauen, desto häufiger fallen sie nach Erkenntnissen amerikanischer Forsche in den ersten Schuljahren durch Unruhe und Unaufmerksamkeit auf. Eine Studie mit 1300 Grundschulkindern in den Vereinigten Staaten zeigt einen direkten Bezug zwischen den Stunden, die Kleinkinder von ein bis drei Jahren fernsehen durften, und ihrem späteren Verhalten in der Schule auf. Sie ist im Fachjournal für Kinderärzte, „Pediatrics“, vom Montag veröffentlicht. Erst vor wenigen Tagen hatte die National Sleep Foundation darauf hingewiesen gewarnt, daß amerikanische Kinder wegen ihres hohen Fernsehkonsums an Schlafmangel leiden.

          Der Verband der Kinderärzte Amerikas (American Academy of Pediatrics) empfiehlt Eltern, Kinder unter zwei Jahren nicht vor den Fernseher zu lassen. Zudem sollte vom dritten Lebensjahr an die Zeit vor der Flimmerkiste auf zwei Stunden beschränkt werden.

          Mangelnde Konzentration und Unruhe

          Die Autoren der Studie, Dimitri Christakis vom Kinderkrankenhaus Seattle und Kollegen, verglichen das Verhalten siebenjähriger Schulkinder mit den Angaben ihrer Mütter über den Fernsehkonsum in Vorschuljahren. Dabei stellte sich heraus, daß Kinder mit dem häufigsten Fernsehkonsum unter jenen zehn Prozent der Schulanfänger zu finden waren, die die meisten Probleme mit Konzentrationsstörungen, Impulsivität und Unruhe hatten. Einige von ihnen litten auch unter dem sogenannten Zappelphilipp-Syndrom (ADHD).

          Der Studie zufolge wuchs das Risiko für Probleme mit der Aufmerksamkeit mit jeder Fernsehstunde pro Tag um zehn Prozent. Siebenjährige, die als Kleinkinder drei Stunden vor dem Fernseher saßen, waren 30 Prozent mehr gefährdet als andere, die erst später in die Röhre schauen durften.

          Die Neuropsychologin Elizabeth Sowell von der Universität von Kalifornien in Los Angeles (UCLA) erklärt den Zusammenhang in der Zeitung „USA Today“ vom Montag mit der schnellen Entwicklung des
          kindlichen Hirns in den ersten Lebensjahren. Von Tierstudien her sei bekannt, daß eine stimulierende Umgebung Veränderungen im jungen Hirn mit sich bringt. Das gleiche sei möglich durch die schnelle Folge der Fernsehbildern bei Kleinkindern, vermutet die Expertin.

          Schlafstörungen und Albträume

          Das Fernsehen wird zudem für den Schlafmangel vieler amerikanischer Kinder verantwortlich gemacht. Einer Studie im Auftrag der National Sleep Foundation der Vereinigten Staaten zufolge fehlt den Kindern in den USA durchschnittlich eine bis zwei Stunden Schlaf pro Nacht. Von dem Schlafmangel betroffen sind bereits Babys bis hin zu Zehnjährigen. In 30 bis 40 Prozent der 1473 untersuchten Haushalte stehe ein eigener Fernseher im Kinderzimmer; diese Kinder schliefen im Durchschnitt 20 Minuten weniger als ihre Altersgenossen, heißt es im Bericht der Organisation.

          Mehr als zwei Drittel der Familien sind der Studie zufolge mit Schlafstörungen und Albträumen ihrer Kinder konfrontiert. Auch die meisten Erwachsenen in den Vereinigten Staaten seien zu lange wach. Statt der notwendigen acht bis neun Stunden schliefen sie im Durchschnitt nur knapp sieben Stunden. Für die Schlafstörungen der Kinder wird neben dem Fernsehen auch Cola verantwortlich gemacht. Kinder, die mindestens ein koffeinhaltiges Getränk am Tag zu sich nähmen, schliefen etwa eine halbe Stunde weniger.

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