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Gesundheit : Reiche leben länger

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Lebensverlängernd: Geld Bild: picture-alliance/ dpa

In der Dritten Welt mag das einleuchten: Wer viel Geld hat, lebt länger. Doch diese Wahrheit trifft laut einer Studie auch auf Deutschland zu. Wer reich ist, ernährt sich besser, hat eine ungefährlichere Arbeit und wird deshalb älter.

          Wer wenig verdient, stirbt früher. So lautet eine altbekannte These. Sozialwissenschaftler glauben auch zu wissen, warum das so ist: Unter anderem weil sogenannte Besserverdienende nicht nur eine bessere Ausbildung haben, sondern auch insgesamt gebildeter sind. Darum ernähren sie sich gesünder - allein schon, weil sie es sich in der Regel leisten können. Bislang aber ließ sich die international anerkannte Annahme, daß Armut das Leben verkürzt, in Deutschland nicht so einfach belegen.

          Jetzt aber konnte das Max-Planck-Institut für Demographische Forschung in Rostock eine umfangreiche Studie erarbeiten, nachdem das Zahlenmaterial des Forschungszentrums der Deutschen Rentenversicherung zugänglich gemacht worden war. Ausgewertet wurden die Angaben von 5,2 Millionen Männern, die eine gesetzliche Rente beziehen; die Daten über Frauen mußten ausgeklammert werden, da viele während ihres häufig unsteten Berufslebens nur über wenig oder kein eigenes Einkommen verfügten. Untersucht wurde das Jahr 2003, in dem rund 250.000 Rentner starben.

          „Einkommen macht gesund“

          Die anonymisierten Rentenversicherungsdaten geben dabei über die sogenannten Entgeltpunkte Hinweise auf die Einkommenssituation. Die Entgeltpunkte errechnen sich aus den Beträgen, die jeder Versicherungsnehmer aus seinem laufenden Gehalt über die gesetzliche Krankenkasse beziehungsweise direkt an den Rentenversicherungsträger abführt. Aus den jährlich erteilten Entgeltpunkten ergibt sich die Rentenhöhe. Diese verglichen die Forscher mit der Sterblichkeit und zogen zudem noch als weiteres Merkmal die Art der Krankenversicherung hinzu.

          Rembrandt G. Scholz, Leiter der Studie, und seine Kollegen fanden heraus, daß die Lebenserwartung männlicher Rentner kontinuierlich ansteigt, je mehr Entgeltpunkte sie bei der Rentenversicherung gesammelt haben. Ein heute 65 Jahre alter Mann, der in seinem Arbeitsleben wenig verdient und demgemäß nur wenig in die Rentenkasse eingezahlt hat, lebt noch durchschnittlich 14 weitere Jahre. Ein gleichaltriger Mann mit einem ehemals hohen Einkommen und einer dementsprechend hohen Rente lebt indes noch knapp 19 Jahre. Er hat eine gut fünf Jahre längere Lebenserwartung. Scholz stellte außerdem fest, daß ein Angestellter im Durchschnitt zwei Jahre länger lebt als ein Arbeiter. Wer privat krankenversichert ist, lebt sogar fast drei Jahre länger als ein Mann, der nur pflichtversichert ist.

          Scholz hat mit seiner Studie drei Kausalketten vorgelegt: „Einkommen macht gesund“, sagt er, auch deshalb, weil Besserverdienende seltener einer gesundheitsgefährdenden Arbeit nachgingen. Umgekehrt schaffe Gesundheit Einkommen, denn wen sein Beruf krank mache, der habe kaum Chancen auf eine erfolgversprechende Karriere. Zu guter Letzt beeinflußt nach Meinung Scholz' nicht nur die individuelle Bildung, sondern gleichermaßen auch das Einkommen der Eltern und die genetische Veranlagung jedes einzelnen seine Gesundheit und sein Einkommen.

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