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Gesundheit : Grippe-Pandemie: Größte Gefahr seit 50 Jahren

  • Aktualisiert am
Auch Beschäftige in Krankhäusern und der Altenpflege sollten sich gegen Grippe impfen lassen
          2 Min.

          Der Präsident des Robert-Koch-Instituts (RKI), Reinhard Kurth, hat sofortige staatliche Investitionen zur Vorbereitung auf eine katastrophale weltweite Grippewelle gefordert. Die Gefahr einer sogenannten Pandemie, also weltweiten Ausbreitung, der Viruskrankheit Influenza mit vielen Millionen Toten sei real und seit fünfzig Jahren nicht mehr so hoch gewesen wie heute, sagte Kurth in einem Interview mit der Zeitung "Die Zeit". Die Empfehlungen einer Expertenkommission, die am Montag einen "Nationalen Influenza-Pandemieplan" vorgelegt hatte, seien ihm viel zu vage: "Da steht viel zuviel Konjunktiv drin. ,Man müßte' oder ,man sollte' - wenn ich das schon höre", sagte Kurth. Konkrete Vorsorge gegen eine Grippe-Pandemie sei jetzt notwendig. Das Robert-Koch-Institut ist die zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Krankheitskontrolle und -prävention.

          Die im Auftrag der Bundesregierung tätige Bund-Länder-Expertengruppe hatte am Dienstag gewarnt, daß Deutschland auf eine Grippe-Epidemie unzureichend vorbereitet sei. 100 Millionen Euro Investitionen in die Impfstoffentwicklung und 400 Millionen Euro Investitionen für eine Herstellung und Bevorratung seien angeraten. In ihrem "Pandemieplan" weisen die Fachleute darauf hin, daß es nur eine Frage der Zeit sei, bis abermals eine weltweite Epidemie auftrete. Das Virus, das in Asien die Vogelgrippe verursache, sei etwa ein Kandidat für einen auch für den Menschen hochgefährlichen Erreger. Komme es zu einer weltweiten Ausbreitung, würde Deutschland in einen Katastrophenfall geraten. Wenn sich dreißig Prozent der Bevölkerung ansteckten, sei binnen Wochen mit bis zu 90.000 Toten und 350.000 Krankenhauseinweisungen zu rechnen.

          Schnell, tödlich, zunächst unaufhaltsam

          Ein Pandemie-Erreger unterscheidet sich von gängigen Influenzaviren, gegen die Impfstoffe existieren, durch seine Tödlichkeit, die höhere Ausbreitungsgeschwindigkeit und das Fehlen von Impfmöglichkeiten am Beginn der Krankheitswelle. Influenza-Pandemien haben bereits 1918, 1957 und 1968 gewütet. Jeweils mehrere Millionen Menschen, vor allem Ältere und Kinder, kamen ums Leben. Die Fachleute kritisieren, daß sowohl Politikern als auch Bürgern das Risikobewußtsein fehle. Behörden, Krankenhäuser und andere öffentliche Einrichtungen müßten spezielle Krisenpläne entwickeln und aufeinander abstimmen. Zudem müsse entschieden werden, wer im Fall einer Influenza-Welle vorrangig geimpft und mit virenhemmenden Medikamenten versorgt werde. Einen nationalen Aktionsplan mit konkreten Anweisungen, wie ihn der RKI-Präsident fordert, wollen Bund und Länder aber erst in den kommenden Wochen beraten.

          Die Fachleute warnen, daß es in Deutschland keine ausreichenden Kapazitäten für eine Impfstoffherstellung im Notfall gebe. Der Grund sei rein wirtschaftlich, da die zwei spezialisierten Unternehmen keinen garantierten Absatz hätten, um hohe Investitionskosten zu rechtfertigen. Zu erwägen sei eine staatliche jährliche Garantieabnahme von vorläufigen Impfstoffen. Bei Vertragsabschlüssen sei Eile geboten, denn es gebe einen internationalen Wettbewerb um Herstellungskapazitäten. Der einzelne Bürger könne schon heute einen Beitrag zur Milderung einer zukünftigen Pandemie leisten. Wer sich an der routinemäßigen Grippe-Impfung beteilige, fördere dadurch den Aufbau von Kapazitäten für die Impfstoffherstellung in der Privatwirtschaft. Das mache es bei einer Pandemie möglich, schneller größere Mengen des dann benötigten speziellen Impfstoffs in kürzerer Zeit herzustellen. Die Beteiligung an Grippe-Impfungen sei zwar in den vergangenen Jahren gestiegen, aber noch lange nicht ausreichend.

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