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Gesundheit : China untersucht den Blutskandal

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Kampf gegen das HIV-Virus: UN-Generalsekretär Kofi Annan besuchte Aids-Patienten in China Bild: AP

Zehntausende Chinesen mit Aids infiziert: Landesweite Erhebung soll Klarheit bringen. Zeitungen fordern Strafen für die kriminelle Blutstationen.

          China will zum ersten Mal mit einer das ganze Land erfassenden Erhebung untersuchen, wie viele Menschen sich in den neunziger Jahren durch Blutverkäufe mit HIV infiziert haben. Erkrankungen und Todesfälle von Personen, die sich damals durch Blutverkäufe infiziert haben, nähmen rapide zu, sagte ein Sprecher des Gesundheitsministeriums am Mittwoch im chinesischen Fernsehen.

          Erstmals wurde auch in chinesischen Zeitungen die Forderung laut, daß die für die kriminellen Blut- und Plasmastationen zuständigen Funktionäre bestraft werden. Bislang ist bekannt, daß allein in der zentralchinesischen Provinz Henan etwa 280000 Bauern zu Beginn der neunziger Jahre ihr Blut an fahrende Blut- und Plasmasammelstellen verkauft haben, um ihr mageres Einkommen aufzubessern.

          Provinzregierungen verhinderten Aufklärung

          Die Plasmasammelstationen mischten das Blut in großen Containern, entzogen ihm das Plasma und injizierten es den Bauern wieder. So hätten sie keine gesundheitlichen Nachteile zu befürchten und könnten bald wieder spenden, wurde den Bauern gesagt. Auf diese Art haben sich nach offiziellen Angaben allein in Henan 25000 Bauern mit HIV infiziert. Hilfsorganisationen vermuten, daß die Zahl weit größer ist.

          Die Blut- und Plasmasammelstellen operierten oft mit Billigung und in Zusammenarbeit mit den lokalen Funktionären. Ein chinesischer Aidsaktivist hat auch Verbindungen zu Unternehmen des militärischen Sektors aufgedeckt, die mit Blutprodukten handeln. Er wurde daraufhin verhaftet. Der Blutskandal wurde lange vertuscht, und seine Entdeckung ist nur dem mutigen Eingreifen einzelner Ärzte und Aktivisten zu verdanken. Die Provinzregierung von Henan hat jahrelang eine Aufklärung verhindert und chinesische und ausländische Journalisten daran gehindert, über den Skandal zu berichten. Der damalige Parteichef der Provinz Henan, Li Changchun, sitzt jetzt im mächtigen Politbüro der Kommunistischen Partei.

          Freie ärztliche Behandlung

          Mittlerweile gibt es ganze Dörfer in Henan, die zu Aidsdörfern geworden sind, und die Zahl der Aidswaisen wird auf 30000 geschätzt. Erst vor zwei Jahren hat die Regierung zugegeben, daß es die Epidemie gibt, und die Politik geändert. Den Aidskranken in den Dörfern stehen nun freie ärztliche Behandlungen und Medikamente zu. Die „Staatsanwalts-Zeitung“ forderte jetzt angesichts der hohen Kosten für Behandlung und Medikamente, es müsse geklärt werden, welche Schuld die lokalen Behörden trügen.

          Insgesamt gibt es in China jetzt offiziell eingestandene 840000 Fälle von HIV-Infektion und Aids. Die Untersuchung soll Klarheit darüber bringen, ob sich das Virus noch in anderen Provinzen ausgebreitet hat, ohne daß dies bislang gemeldet wurde, denn Chinas Bauern sind zu arm für Arztbesuche und Aidstests. Die Vereinten Nationen haben davor gewarnt, daß die Zahl der HIV-/Aidsfälle bald auf zehn Millionen steigen könnte, wenn die Regierung nicht mehr dagegen tut.

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