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Nach Gerichtsurteil : Komapatient muss nicht weiter ernährt werden

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Die Ärzte könnten die lebenserhaltenden Maßnahmen für Vincent Lambert jetzt beenden. Bild: AFP

Das oberste Gericht Frankreichs hat den Weg zum Ende der künstlichen Ernährung für den Wachkoma-Patienten Vincent Lambert freigemacht. Seine Frau war dafür in Berufung gegangen – im Streit mit den Eltern.

          Die Gerichtsentscheidung, die lebenserhaltenden Maßnahmen für den französischen Wachkomapatienten Vincent Lambert wiederaufzunehmen, war rechtswidrig. Das hat der Kassationshof in Paris am Freitagabend entschieden. Die Kassationsrichter schreiben in ihrem Urteil, dass die Behandlung für den 42 Jahre alten Lambert „sofort“ eingestellt werden könne. Der Kassationshof war von der Ehefrau Rachel Lambert angerufen worden, die sich wünscht, dass ihr unheilbar verletzter Mann sterben kann.

          Seit einem Motorradunfall vor zehn Jahren wird Lambert durch künstliche Ernährung und ständige Pflege am Leben erhalten. Die Eltern des Verunglückten setzten alle Rechtsmittel ein, um einen Behandlungsstopp abzuwenden, den sie als „Todesurteil“ empfinden. Sie sind der Meinung, dass am Fall ihres Sohnes ein gesamtgesellschaftlich relevantes Urteil über wertes oder unwertes Leben gefällt werden soll.

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          Es ist unklar, ob mit dem Urteil des Kassationshofes die rechtlichen Möglichkeiten ausgeschöpft sind. Bereits im Juni 2014 hatte ein Verwaltungsgericht einen Abbruch der Behandlung angeordnet. Der Europäische Menschenrechtsgerichtshof bestätigte die Entscheidung im Juni 2015. Doch das medizinische Team des Krankenhauses CHU Reims weigerte sich, die Behandlung einzustellen, da die Familie nicht rechtzeitig informiert worden war.

          Daraufhin ordnete der Gerichtshof in Nancy eine weitere Prüfung an. Die neue ärztliche Prüfungskommission kam zu dem Schluss, dass die Behandlung Lamberts beendet werden könne. Gegen diese Entscheidung gingen die Eltern abermals vor. Im April 2019 urteilte das oberste Verwaltungsgericht, dass die Entscheidung der medizinischen Kommission rechtens sei.

          Mitte Mai teilte das Krankenhaus in Reims der Familie mit, dass die Behandlung am 20. Mai eingestellt werde. Doch noch am Abend des 20. Mai ordnete ein Berufungsgericht in Paris die Wiederaufnahme der Behandlung an. Die Eltern haben das Krankenhaus und den leitenden Arzt wegen unterlassener Hilfeleistung verklagt.

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