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Genforschung : Bestimmungen für „Designer-Babys“ gelockert

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In Großbritannien dürfen Eltern für ihren kranken Sohn einen geeigneten Knochenmarkspender zeugen. Dazu wird „der Richtige“ unter mehreren künstlich gezeugten Embryonen vor der Einpflanzung in die Gebärmutter ausgewählt.

          Großbritannien lockert die Bestimmungen für die Schaffung von „Designer-Babys“, die als Embryonen nach bestimmten „wünschenswerten Merkmalen“ ausgesucht worden sind. Die Behörde für Befruchtung und Embryologie (HFEA) entschied in London, daß eine solche Vorauswahl zulässig ist, wenn damit Geschwisterkinder gerettet werden können.

          Damit kann die Methode von den Eltern des zwei Jahre alten Joshua Fletcher in Anspruch genommen werden, der an einer seltenen Blutkrankheit leidet. Der Junge soll mit Stammzellen behandelt werden, so daß sein Körper wieder genug rote Blutkörperchen produziert. Doch weder seine Eltern noch sein drei Jahre älterer Bruder sind ihm genetisch ähnlich genug, um als Spender in Frage zu kommen. Deshalb sollen Ärzte durch künstliche Befruchtung bis zu zwölf Embryonen schaffen und dann prüfen, welcher die genetischen Eigenschaften hat, die dem Jungen helfen könnte. Dieser Embryo soll dann der Mutter eingepflanzt werden. Die übrigen werden vernichtet.

          Nur Einzelfallentscheidung

          Bereits im Jahre 2002 hatten Eltern darum gebeten, für ihren Sohn Charlie, der an der selben Blutkrankheit wie Joshua Fletcher litt, ein ausgewähltes Geschwisterkind künstlich zeugen zu dürfen. Die HFEA lehnte ab, weil sie keinen Nutzen für das Geschwisterkind sah. Den Sinneswandel erklärt die Behörde jetzt damit, daß weitere Forschungen gezeigt hätten, daß die Untersuchungen am Embryo außerhalb des Mutterleibs ohne Schaden für das spätere Kind bleiben. Außerdem hätten sie die medizinischen, psychologischen und emotionalen Aspekte für Eltern und Geschwister ausreichend berücksichtigt.

          Eine Sprecherin der Behörde betonte jedoch, daß dies eine Einzelfallentscheidung sei, und auch künftig eine Auswahl von Embryonen aufgrund von Augenfarbe oder Intelligenz ausgeschlossen werde. „Deshalb ist auch der oft benutzte Ausdruck ´Designer-Baby´ irreführend, weil es hier nicht um eine Auswahl nach ästhetischen Kriterien geht“, betont Alison Murdoch, Vorsitzender der British Fertility Society.

          In Deutschland verboten

          Die Geburt eines solchen Babys mit ausgewählten Erbguteigenschaften hatte im Juni bereits zu heftigen ethischen Diskussionen in Großbritannien geführt. Die Eltern des Jungen, der ebenfalls einmal seinem schwer kranken Bruder Blutstammzellen spenden soll, hatten in den Vereinigten Staaten einen Embryo mit passenden Erbguteigenschaften aussuchen lassen, da die britische Behörde ihnen noch die Genehmigung für eine solche Auswahl verweigert hatte.

          Die britischen Reaktionen auf die am Mittwoch bekannt gegebene Zulassung der Methode fielen unterschiedlich aus. Der Mediziner Simon Fischel sagte, es wäre unethisch, davon keinen Gebrauch zu machen, da so Leben gerettet werden könnten. Dagegen sagte Prof. Jack Scarisbrick von der Anti-Abtreibungsorganisation Life: „Es kann niemals richtig sein, Menschen herzustellen, um andere Menschen zu reparieren.“

          In Deutschland ist jede genetische Voruntersuchungen von Embryonen vor dem Einsetzen in die Gebärmutter, die Präimplantationsdiagnostik (PID), verboten.

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