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Gelotophobie : Die ständige Angst vor der Lächerlichkeit

  • -Aktualisiert am

Angst vor Lächerlichkeit: Gelatophobie beginnt schon in der Kindheit. Bild: Westend61 / vario images

Es ist kein Spaß: Wer ständig von anderen schikaniert wird, kann eine langfristige Beschädigung davontragen – die Angst vor der Lächerlichkeit, auch Gelotophobie genannt. Für die Betroffenen ein Teufelskreis.

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          Es wirkt ansteckend, macht glücklich und ist dem Volksmund zufolge sogar die beste Medizin: Lachen. Wissenschaftliche Studien bestätigen mittlerweile, wie positiv sich eine gesunde Portion Humor auf den Körper und die Seele auswirkt. Doch bei all dem Lob hat das Lachen auch seine Schattenseiten. Manche Menschen entwickeln sogar eine krankhafte Angst davor, denn schließlich schweißt es Menschen nicht nur in einem positiven Gefühl zusammen, sondern kann auch ausgrenzen. Beispielsweise dann, wenn das Lachen in einer Gruppe als Waffe gegen einen Einzelnen gerichtet wird.

          Keine Frage, jeder war schon einmal Spottobjekt der Mitschüler, Freunde oder Kollegen. Mal sind es Fettnäpfchen, mal ungeschickte Gesten oder ein seltsamer Dialekt, der die anderen zum Prusten bringt. Ausgelacht zu werden ist ein unangenehmes Gefühl, geht aber vorbei. Doch wer ständig von anderen schikaniert wird, kann auch eine langfristige Folge davontragen: die Gelotophobie, die Angst vor der Lächerlichkeit. Was nach einem schlechten Scherz klingt, ist für die Betroffenen kein Spaß. Die meisten machen schon in der Kindheit die Erfahrung, dass ein Lächeln nicht pauschal etwas Gutes ist. Später fehlt ihnen dann die Fähigkeit, zwischen einer freundlichen und einer spöttischen Geste zu unterscheiden.

          Das Lachen der Mitmenschen gilt also grundsätzlich als Bedrohung; man bezieht es grundsätzlich auf sich selbst. Brechen beispielsweise im Restaurant wildfremde Menschen am Nebentisch spontan in Gelächter aus, fühlen sich Gelotophobiker prompt angegriffen und verspottet. Sie meiden deswegen solche Situationen und ziehen sich teilweise bis zur völligen Isolation zurück.

          Wissenschaft: Langfristige psychische Probleme

          Der erste Wissenschaftler, der dem Phänomen der Gelotophobie Beachtung schenkte und 1995 die Erkrankung so benannte, ist der Psychotherapeut Michael Titze. Der 67-Jährige aus Tuttlingen stolperte eher zufällig über das Thema: „Bei meiner Arbeit mit Menschen mit sozialen Phobien berichteten mir überdurchschnittlich viele, dass sie als Kinder massiv ausgelacht worden sind.“ Ein Zusammenhang, den Ärzte bis dahin zwar kannten, jedoch noch nie genauer beschrieben hatten. Der Therapeut wurde hellhörig und hakte nach. Weitere Beobachtungen bestätigten seinen Verdacht: Wer in der Kindheit oft den Spott anderer ertragen musste, trägt häufig langfristige psychische Probleme davon. Heute beschäftigen sich Wissenschaftler weltweit mit der Gelotophobie.

          In Deutschland sind etwa zehn Prozent von der Angst vor Lächerlichkeit betroffen. Clemens Hürten ist einer von ihnen. Seit seiner Kindheit fürchtete der 64 Jahre alte Heilpraktiker aus Rottweil den beißenden Spott der anderen. Seine Geschichte ist ein Musterbeispiel: Hürten wächst in einer Problemfamilie auf. „Ich habe von meinen Eltern massive psychische und körperliche Gewalt erfahren“, sagt er heute. Doch nicht nur im Elternhaus hatte er es schwer, auch die Mitschüler machten ihm das Leben zur Hölle. Als Lehrerkind wurde er gemobbt, verprügelt und ausgelacht. Sämtliche Versuche, von den Mitschülern akzeptiert zu werden, scheiterten. Als sie ihn Streber nannten, baute er im Diktat absichtlich Schreibfehler ein, um seine Note zu drücken.

          Doch Hohn, Spott und Ausgrenzungen blieben, statt Streber hieß es nun: Dummkopf. „Egal was ich probiert habe, um bei den anderen anzukommen, es hat nie funktioniert“, erinnert sich Hürten. Ganz im Gegenteil, die Ablehnung und das verächtliche Grinsen wurden mit jedem Versuch schlimmer.

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