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Geflügelpest : Seuchengefahr in Asien

Gefahr durch Hühner? Bild: dpa

Nach dem Ausbruch der Geflügelpest töten Soldaten und Gefangene Millionen von Tieren in Thailand. Sollte die Krankheit auf den Menschen überspringen, würde eine Katastrophe drohen.

          3 Min.

          Die Geflügelpest zieht in Asien immer weitere Kreise. In Thailand, dem zuletzt befallenen Land und viertgrößten Hühnerfleischexporteur der Erde, töten inzwischen Gefangene und Soldaten Millionen von Tieren, um eine Verbreitung der Seuche zu verhindern. Zuvor hatten Arbeiter von Hühnerfarmen aus Angst vor einer Ansteckung ihre Hilfe verweigert. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) machte unterdessen Hoffnungen auf eine Impfung in absehbarer Zeit zunichte: Mehr als ein halbes Jahr werde ins Land gehen, bevor ein Gegenmittel gegen die Aviäre Influenza zu erwarten sei.

          Christoph Hein

          Wirtschaftskorrespondent für Südasien/Pazifik mit Sitz in Singapur.

          Das millionenfache Notschlachten des Geflügels ist für die Länder zunächst ein wirtschaftlicher Verlust. Doch im Hintergrund lauere ein wesentlich höheres Risiko, warnt die WHO: Sollte sich das Virus H5N1 mit dem Grippevirus verbinden, könnte eine weltweite Epidemie ausbrechen. Diese Gefahr besteht dann, wenn sich ein Grippekranker an der Geflügelpest ansteckt. Von diesem Zeitpunkt an wäre die Hühnergrippe auch von Mensch zu Mensch durch Tröpfcheninfektion übertragbar.

          Tödlicher als SARS?

          "Je mehr sich das Virus verbreitet, um so größer wird die Wahrscheinlichkeit, daß es mutiert und damit eine größere Bedrohung für Menschen wird", sagte WHO-Sprecher Bob Dietz in der vergangenen Woche in Hanoi. "Von allen Viren der Geflügel- und Schweinepest hat wohl nur der H5N1-Virus die Fähigkeit, ernste Krankheiten mit hoher Sterblichkeitsrate unter Menschen auszulösen." Eine solche Krankheit dürfte weit tödlicher verlaufen als die Lungenkrankheit Sars. Nach WHO-Angaben haben sich bis heute nur in Thailand und Vietnam Menschen an dem Virus angesteckt. Von den sieben Infizierten in Vietnam sind inzwischen sechs gestorben, fünf von ihnen waren Kinder. Bei zwei Jungen in Thailand konnte das Virus nachgewiesen werden, weitere Personen werden noch untersucht.

          Bisher sind Japan, Kambodscha, Südkorea, Thailand, Taiwan und Vietnam von der Geflügelpest betroffen. Zahlreiche Länder haben Einfuhrverbote für Geflügel erlassen, unter ihnen auch die Europäische Union am vergangenen Freitag. Allerdings weist die WHO ausdrücklich darauf hin, daß es bisher keine Hinweise gibt, daß verarbeitetes oder tiefgefrorenes Hühnerfleisch oder auch Eier aus den befallenen Regionen ein Risiko für die öffentliche Gesundheit darstellten. "Aviäre Influenza betrifft selten Menschen. Um sich anzustecken, muß es einen direkten Kontakt zwischen Menschen und Tieren geben. Während eines Ausbruchs in Hongkong 1997 kam es zu sechs Toten unter achtzehn Infizierten. In den Niederlanden traten im vergangenen Jahr 83 Fälle auf, ein Mensch starb", heißt es bei der Welternährungsorganisation (FAO).

          Jeder Bauer hat ein paar Hühner, mit denen die Kinder spielen

          Das Problem des jetzigen Ausbruchs in Asien scheint darin zu liegen, daß es nicht nur um die Kontrolle in einem eng begrenzten Gebiet wie der Stadt Hongkong geht - dort waren 1997 innerhalb von drei Tagen 1,5 Millionen Tiere geschlachtet worden. In Vietnam, Kambodscha oder Thailand aber hat jeder kleine Bauer ein paar Hühner, mit denen die Kinder spielen. Allein in Vietnam halten 80 Prozent der Haushalte jeweils mehr als zwanzig Hühner auf ihrem Hof. Auf jedem Dorfmarkt Asiens ist lebendes Geflügel zu kaufen.

          Am kommenden Mittwoch will Thailand, dessen Regierung vorgeworfen wird, den Ausbruch der Krankheit verschleiert zu haben, einen internationalen Gipfel zur Geflügelpest veranstalten. An ihm sollen die Gesundheitsminister der betroffenen Länder und Influenza-Fachleute teilnehmen. Thailands Premier Thaksin Shinawatra, der am vergangenen Dienstag noch ein medienwirksames Hühnchenessen veranstaltet hatte, räumte am Sonntag ein, seine Regierung habe "seit einigen Wochen" befürchtet, die Krankheit sei im Königreich ausgebrochen. Aus Angst vor einer Massenpanik habe sie geschwiegen beziehungsweise den Ausbruch geleugnet.

          Bis Sonntag waren in Thailand sieben Millionen Hühner, in Vietnam knapp drei Millionen Tiere getötet worden. Allein gestern sollten in Thailand weitere 1,6 Millionen Tiere geschlachtet werden, kündigte der stellvertretende Landwirtschaftsminister Newin Chidchob an. "Die WHO hat das schnelle Töten des Geflügels als die wichtigste Verteidigung gegen weitere Infektionen von Menschen und ein mögliches Aufkommen des Notfalls eines neuartigen Influenza-Virus ausgemacht, der eine Seuche auslösen könnte", heißt es bei den Genfer Gesundheitswächtern. Die Krankheit trifft Thailand insofern hart, als das Königreich im vergangenen Jahr rund 540 000 Tonnen Hühnchen im Wert von rund 50 Milliarden Baht (1,02 Milliarden Euro) ausgeführt hat. In diesem Jahr sollte die Zahl auf 630 000 Tonnen steigen.

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