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Geburt per Kaiserschnitt : Mit der Gondel zum Geburtserlebnis

Immer mehr Frauen bringen ihre Kinder per Kaiserschnitt zur Welt. Bild: dpa

Fast jede dritte Entbindung ist heute ein Kaiserschnitt. Dafür gibt es viele Gründe. Der wichtigste: Die Mütter sind heute anders als früher. Sie sind älter, dicker und kränker. Das macht natürliche Geburten riskanter.

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          Der blaue Vorhang teilt die Frau in zwei Hälften. Auf der einen ist der Bauch, auf der anderen der Kopf. Der Chefarzt ist auf der Bauchseite. Er schaut auf die Digitaluhr an der Wand und sagt: „So, Schnitt ist um 14:47 Uhr.“ Die Hebamme ist auf der anderen Seite, sie ruft dem Kopf zu: „Sie schaffen das!“

          Florentine Fritzen

          Redakteurin in der Rhein-Main-Zeitung.

          Das Skalpell ritzt unten am Bauch entlang. Die Haut ist braunorange von der Desinfektionslösung. Aus dem Schnitt rinnt Blut. Die Oberärztin, die dem Chefarzt assistiert, tupft mit einem Lappen. Das Messer kratzt im Gewebe, schneidet die alte Narbe auf. Es ist der dritte Kaiserschnitt der Frau.

          Die Sache ist Routine, eine Operation, wie sie jeden Tag in vielen deutschen Krankenhäusern gemacht wird. Der Chefarzt heißt Dietrich Mosch, der gekachelte Raum mit der Schiebetür aus Metall befindet sich in den Kliniken des Main-Taunus-Kreises in Bad Soden. Sobald aber Kaiserschnitte nicht einfach gemacht werden, sondern sobald Menschen miteinander darüber sprechen, kommen Gefühle ins Spiel. Bei Schwangeren und deren Bekannten, aber auch bei Hebammen und Ärzten. Vor allem bei denen, die in den Verbänden ihrer Zunft etwas zu sagen haben.

          Hingabe nach Innen

          Von dem Paar hinter dem Vorhang ist fast nichts zu sehen. Nur ein Paar unruhige Füße in Gummischuhen, auf denen mit Edding „Väter“ steht. Über dem Vorhang tauchen ab und zu die Köpfe der Hebamme, der Anästhesistin und der Anästhesieschwester auf. Der Bauch der Frau ist in Narkose, der Kopf ist wach.

          Warum lässt das Thema Gefühle wallen? Vielleicht, weil hier zwei Künste gegeneinanderstehen. Die Kunst der modernen Chirurgie kann die uralte Kunst des Gebärens immer perfekter ersetzen. Die Gebärkunst können Schwangere nicht üben. Sie gelingt, wenn die Frau während der Geburt vertrauen kann - den Geburtshelfern, aber vor allem sich selbst und dem Kind. Wenn sie Kontrolle behält und Kontrolle abgibt, sich hingibt, aber nicht nach außen, sondern nach innen. Das alles fehlt beim Kaiserschnitt. Deshalb lehnen ihn die einen ab. Und deshalb wünschen ihn sich die anderen.

          Alle im Raum tragen grüne Oberteile mit kurzen Ärmeln und Stoffhosen in derselben Farbe. Die operierenden Ärzte haben darüber blaue Kittel gestreift, die bis zum Knöchel reichen. Der Mundschutz bedeckt auch ihre Nasen, auf dem Haar sitzt eine Haube.

          Werden Kaiserschnitt-Kinder wahrscheinlicher krank?

          Eine Schwenklampe erhellt den Spalt, er ist eine Handbreit gedehnt. Ein breiter, flacher Metallhaken hält ihn offen. Das Fettgewebe leuchtet weiß. Die Metallschere schnippelt und schnappt, die Narbe ist verwachsen, eine gelbe Wulst. Darunter kommt rotes Fleisch zum Vorschein. Der Arzt greift mit Gummihandschuhen hinein. „Schere bitte.“ Die Schwester reicht an.

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