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Sagen Sie mal, Frau Doktor : Was hilft eigentlich gegen Nagelpilz?

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Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Die Ärztin und Bestsellerautorin Yael Adler antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Bild: Hans-Jörg Brehm

Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Ärztin Christina Stefanescu antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Heute auf dem Programm: Nagelpilz.

          3 Min.

          Was hilft eigentlich gegen Nagelpilz?

          Geschlossenes Schuhwerk, Feuchtigkeit und Schweiß sind ein perfektes Mikroklima für Trichophyton rubrum, Trichophyton mentagrophytes, vereinzelt Epidermophyton floccosum und Microsporum-Arten - kurzum für lästigen Nagelpilz.

          Und trotzdem braucht es mehr als nur einen infizierten Duschnachbarn. Pilze können nur schwer in das Keratin der Nagelplatte eindringen, meist befallen sie vorgeschädigte Nägel, breiten sich, von einem Fußpilz ausgehend, aus, oder der Betroffene leidet an einer prädisponierenden Grunderkrankung (etwa Diabetes mellitus, Gefäßveränderungen oder einer peripheren Neuropathie). Ist der Nagel mit einem Pilz infiziert, äußert sich das in einer gelblich bräunlichen Verfärbung, außerdem wird der Nagel brüchig. In etwa neunzig Prozent der Fälle tritt der Nagelpilz als sogenannte laterale und distale Onychomykose auf, also als Erkrankung, die den freien Nagelrand und die seitlichen Ränder befällt.

          Selbstheilung bei Nagelpilz? Das klappt meistens nicht. Deshalb empfiehlt sich eine Behandlung. Denn gerade bei schlechter Immunlage kann ein Nagel- wie auch ein Fußpilz Ausgangspunkt anderer, teils schwerer Erkrankungen sein, etwa eines Erysipels. Dabei handelt es sich um eine bakteriellen Infektion der oberen Hautschichten und der Lymphwege. Dringt die Infektion unbehandelt in tiefere Gewebeschichten vor, kann das bis hin zum Multiorganversagen führen. Was also tun?, fragt ein Leser. Helfen Hausmittelchen, oder müssen es Medikamente sein?

          Die Evidenz fehlt

          Eine Evidenz, also einen wissenschaftlich ausreichenden Nachweis der Wirksamkeit der Hausmittel beziehungsweise Naturprodukte gegen Nagelpilz, gibt es nicht, weder für Essig oder Essigessenz noch für Teebaumöl, dem eine antifugale, also Antipilzwirkung zugeschrieben wird. Deshalb kann ich Ihnen dazu aus medizinischer Sicht nicht wirklich raten. Wer gute Ergebnisse in der Selbsttherapie erzielt, bitte. Doch auch wenn etwa eine Studie der University Rochester aus dem Jahre 1994 einen gleichen Effekt der topischen Therapie mit einer Lösung aus hundertprozentigem Teebaumöl versus eine einprozentige Lösung des Medikaments Clotrimazol gezeigt hat (nach sechs Monaten waren etwa die Hälfte der Probanden in beiden Gruppen ihren Fußpilz los) - die Evidenz fehlt.

          Christina Stefanescu: Ärztin in einer hessischen Klinik
          Christina Stefanescu: Ärztin in einer hessischen Klinik : Bild: Eilmes, Wolfgang

          Die beste Datenlage bezüglich der lokalen Therapie gibt es für die Arzneimittelwirkstoffe Ciclopirox und Butenafin. Die Therapie mit Lösungen und Lacken wird empfohlen, wenn der Befall nicht zu stark ist. Ansonsten wie auch bei hartnäckigen Infektionen wird meist zu einer Kombinationstherapie aus Tabletten und Lacken geraten, Langzeiterfolgsraten von bis zu 70 Prozent sind dafür beschrieben.

          Ist eine orale Therapie mit Tabletten notwendig, richtet sich diese nach dem nachgewiesenen Erreger und dem Patienten. Bei dieser Art der Behandlung darf man aber nicht die Neben- und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten vergessen.

          So limitiert etwa ein Anstieg der Leberwerte die Anwendung dieser antifugalen Medikamente. Für die Lasertherapie gibt es ebenfalls noch keine ausreichenden Daten, um eine eindeutige Empfehlung auszusprechen.

          Der Mensch muss mitwirken

          Eine lebenslange Heilung kann ohnehin keines der Präparate versprechen. Der Mensch muss da schon mitwirken. So sollte er darauf achten, dass die Nägel kurz und gerade abgeschnitten werden, auf diese Art wird nicht nur der infizierte Nagel gekürzt, es wirken auch die Präparate besser. Empfohlen wird zudem die atraumatische Nagelentfernung mittels Schleifen, das bedeutet: den Nagel mit der mitgelieferten Einmalnagelfeile selbst kürzen oder vom Dermatologen oder Podologen fräsen lassen.

          Wer sich für Cremes entscheidet, muss auch das Hautareal um die betroffene Stelle am Nagel herum behandeln, denn dort finden sich ebenso Pilzsporen. Und nicht zu vergessen: Wer zusätzlich unter Fußpilz leidet, muss diesen selbstverständlich auch behandeln, sonst ist ihm ein abermaliger Nagelpilz quasi sicher. Während und nach der Behandlung sollten Schuhe und Strümpfe desinfiziert werden, um eine neuerliche Infektion mit Pilzsporen, die in der Kleidung überleben, zu vermeiden. Um sicherzugehen, sollten die Socken in der Waschmaschine bei 60 Grad mit Vollwaschmittel, idealerweise mit enthaltenem Bleichmittel, gewaschen werden.

          Und mal wieder muss ich Ihnen am Schluss den Gang zum Spezialisten empfehlen. Helfen Hausmittel und verschreibungsfreie Medikamente nicht, sollte ein Erregernachweis und die entsprechende Behandlung erfolgen. Nicht zuletzt können andere Erkrankungen hinter Nagelveränderungen stecken.

          HABEN SIE AUCH EINE FRAGE?

          Haben Sie auch eine Frage, die Sie schon immer mal einem Arzt stellen wollten, ohne dass Sie sich extra einen Termin in seiner Sprechstunde geben lassen wollen? Kennen Sie Hausmittel, von denen Sie schon immer mal erfahren wollten, ob sie auch halten, was die Großmutter versprochen hat? Bekommen Sie Tipps für Ihre Gesundheit, deren Wahrheitsgehalt Sie anzweifeln? Dann fragen Sie doch einfach unsere Kolumnistin, Christina Stefanescu, Ärztin aus Hessen. Schicken Sie die Frage an: sagensiemal@faz.de. Ausgewählte Fragen drucken wir an dieser Stelle ab.

          Bitte beachten Sie, dass wir aufgrund der Vielzahl von Zuschriften nur ausgewählte Fragen beantworten. Die Antworten erscheinen in unregelmäßigen Abständen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und zeitversetzt auf FAZ.NET. Von Nachfragen zu bereits erschienenen Texten bitten wir abzusehen.

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