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Sagen Sie mal, Frau Doktor : Warum riecht der Urin nach dem Spargelessen so intensiv?

  • Aktualisiert am

Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Die Ärztin und Bestsellerautorin Yael Adler antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Bild: Hans-Jörg Brehm

Ärztin Christina Stefanescu antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Heute: Woher kommt das olfaktorische Spargel-Phänomen?

          2 Min.

          Sagen Sie mal, Frau Doktor, warum riecht der Urin nach dem Spargelessen so intensiv?

          Diese Frage, die mich von einem Leser erreicht hat, kommt jedes Jahr pünktlich zum Beginn der Spargelsaison wieder auf. Dabei kann man fast den Eindruck gewinnen, dass diese Frage schon so salonfähig ist, dass sie sogar am Tisch schon gestellt werden darf, während das weiße lange Gemüse noch verspeist wird.

          Und obwohl schon viel drüber gesprochen wurde, meint der Leser, vergesse man bis zum nächsten Jahr doch wieder die Begründung für dieses körperliche Phänomen.

          Damit Sie dieses Jahr sicher mitreden können am Tisch, habe ich mich der Frage des Lesers noch mal gewidmet, noch bevor die Spargelsaison in diesem Jahr so richtig losgeht.

          Mit dem Uringeruch nach dem Spargelverzehr verhält es sich wie mit dem Zungerollen oder dem Ohrenwackeln: Der eine kann es, der andere nicht. Genauer formuliert, müsste man eigentlich sagen, der eine hat es, der andere nicht - schuld sind nämlich die Gene.

          Mehrere Aromastoffe im Spargel sind schwefelhaltig, dominierend ist darunter die Asparagusinsäure, die auch Asparagussäure genannt wird.

          Christina Stefanescu: Ärztin in einer hessischen Klinik
          Christina Stefanescu: Ärztin in einer hessischen Klinik : Bild: Eilmes, Wolfgang

          Menschen, die beim Toilettengang verraten, was sie heute zu Mittag verspeist haben, besitzen ein Enzym, dass die Asparagussäure in schwefelhaltige Stoffe mit solch schwierigen Namen wie S-Methyl-thioacrylat sowie S-Methyl-3-(methylthio)thioproponiat zersetzt. Und dass Schwefel unangenehm riecht, ist allseits bekannt.

          Wer dieses Enzym nicht besitzt, hat in diesem Fall Glück, bei ihm wird die Aspargussäure nicht zersetzt, und deshalb riecht sein Urin nicht nach Schwefel.

          Aber es gibt auch Menschen, die riechen den Geruch des Urins nach dem Spargelverzehr nicht etwa, weil er nicht da ist, sondern weil sie wegen einer Mutation im Gen eines Geruchsrezeptors den spezifischen schwefeligen Duft nicht riechen können. Sie leiden an einer sogenannten spezifischen Anosmie, also einem selektiven Nicht-Riechen. Das lassen unter anderem die Studiendaten von Wissenschaftlern aus Philadelphia aus dem Jahr 2010 vermuten.

          Eins ist aber in jedem Fall sicher: Der beißende Geruch des Urins nach dem Spargelkonsum ist harmlos und kein Anzeichen für Krankheiten oder gar Vergiftungen. Ganz im Gegenteil sogar, Spargel ist eigentlich bekannt für seine wertvollen Inhaltsstoffe wie viele Ballaststoffe, Eisen, Vitamine oder Kalzium. Also lassen Sie sich das Gemüse schmecken.

          Die Asparagussäure ist übrigens nicht nur für den beißenden Geruch verantwortlich, sondern auch dafür, dass wir nach dem Spargelessen relativ schnell auf die Toilette müssen; sie gilt nämlich als harntreibend.

          Ob man am Uringeruch auch die Qualität des Spargels messen kann, wie der Leser in seiner Frage noch mutmaßt?

          Dazu kann ich nichts sagen. Ich als Ärztin kann mit einer kurzen Geruchsprobe sagen, ob Sie einen Infekt im Urin haben.

          Die Qualität des Spargels teste ich aber doch lieber auf dem Teller.

          Haben Sie ebenfalls eine Frage?

          Haben Sie auch eine Frage, die Sie schon immer mal einem Arzt stellen wollten, ohne dass Sie sich extra einen Termin in seiner Sprechstunde geben lassen wollen? Dann fragen Sie unsere Kolumnistin, Christina Stefanescu, Ärztin an einer hessischen Klinik, und schicken Sie uns die Frage an: sagensiemal@faz.de.

          Bitte beachten Sie, dass wir aufgrund der Vielzahl von Zuschriften nur ausgewählte Fragen beantworten. Die Antworten erscheinen in unregelmäßigen Abständen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und zeitversetzt auf FAZ.NET. Von Nachfragen zu bereits erschienenen Texten bitten wir abzusehen.

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