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Sagen Sie mal, Frau Doktor : Wann wird mein Schnarchen zur Gesundheitsgefahr?

  • -Aktualisiert am

Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Die Ärztin und Bestsellerautorin Yael Adler antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Bild: Hans-Jörg Brehm

Röcheln, Röhren, Rasseln. Das Problem der lärmenden Schnarchgeräusche betrifft Schläfer und Mitschläfer gleichermaßen. Doch wann wird aus harmloser nächtlicher Ruhestörung ein ernstzunehmendes Gesundheitsproblem?

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          Rhonchopathie – das klingt wie Röcheln und irgendwie auch gefährlich. Es ist der medizinische Begriff für „Schnarchen“. Doch steht „Pathie“ – das Leiden und Krankheit bedeutet – wirklich für einen krankhaften Zustand? Ja und nein.

          Unter Medizinern gelten kurze, sanfte Rasselgeräusche als unbedenklich. Doch wird das Schnarchen ausdauernder und lauter, schauen Ärzte genauer hin. Der Dauerkrach in der Nacht stresst nicht nur die große Liebe auf der anderen Bettseite, sondern auch die Gesundheit des Verursachers. Schnarcher und Ko-Schnarcher wachen morgens wie gerädert auf, fühlen sich müde und wenig leistungsfähig. Kommen nächtliche Atemaussetzer dazu, kann es wirklich gefährlich werden.

          Etwa ein Drittel aller Deutschen schnarcht. Das passiert, wenn der Luftstrom im Atemweg auf eine Engstelle trifft und das Gewebe an dieser Stelle anfängt zu vibrieren. Die Luft passiert auf dem Weg zur Lunge die Nase, die Rachenmandel und kurz darunter die beiden Gaumenmandeln. Wenn ein Infekt die Mandeln vergrößert hat oder etwa Polypen im Weg stehen, schnarchen sogar schon Kinder. Ähnliches passiert, wenn jemand allergisch auf Staub, Tierhaare oder Pollen reagiert und die Nasenschleimhaut geschwollen ist.

          Dr. Yael Adler, Fachärztin für Dermatologie, Venerologie, Phlebologie und Ernährungsmedizin. Sie ist die Autorin unserer Kolumne „Sagen Sie mal, Frau Doktor“

          Auch die Nasenscheidewand mit ihren Nasenmuscheln kann heftige Geräusche erzeugen, wenn sie von Geburt an oder nach einer Verletzung stark verkrümmt ist oder spornartige Ausbeulungen trägt. Manchmal fallen die Nasenmuscheln bei Menschen auch einfach zu groß aus. Und dann ist da noch unsere Zunge. Dieser Muskelklops rutscht nachts gern mal nach hinten in den Schlund und versperrt ihn. Schuld ist unsere entspannte Muskulatur während des Schlafes. So entsteht eine Engstelle oder ein Verschluss, der beim Atmen für Vibrationen und Atemnot sorgen kann. Verstärkt wird das, wenn man auf dem Rücken schläft. Es wirkt die Schwerkraft. Ein „schlapper Schlund“ wird durch mehrere Faktoren gefördert. Dazu gehören Schlafmittel, Alkohol und Rauchen. Auch Übergewicht und Doppelkinn gefallen dem „Schnarchteufel“, der sich mitsamt dem Körperfett auf den Atemschlauch setzt und die Atemwege von außen verengt.

          Auch das Älterwerden steigert unsere Betriebsamkeit im Sägewerk. Mit den Jahren wird nicht nur die Haut schlaff, den Rachen trifft es ebenso. In jungen Jahren schnarchen deutlich mehr Männer. Doch wenn ab der Menopause bei Frauen der Östrogenspiegel sinkt und das Gewebe allgemein saftloser wird, dann schnarchen auch die Damen. Aus dem nächtlichen Solo wird so ein Duett.

          Normalerweise atmen wir nachts durch die Nase. Wenn es da aber eng wird oder die Nase komplett verstopft ist, öffnet der Schnarcher unbewusst den Mund, um der Luft eine Umleitung durchs große Tor zu ermöglichen. Das heißt, die Nase fällt als Filter und Lufterwärmer aus. Deshalb haben Mundatmer ein höheres Infektionsrisiko. Die Mundschleimhäute trocknen aus, Betroffene leiden an Parodontose und Mundgeruch. Schnarchen reizt die Schleimhäute außerdem auch ganz mechanisch, sie schwellen an. Nachts wacht man daher mit Durst und morgens mit Halsschmerzen auf. Schnarchen ist außerdem richtig anstrengend. Und das nicht nur für den Bettpartner. Der Körper des Schnarchenden muss ständig gegen die Engstelle, gegen den Atemwiderstand anatmen. Sie können das gut nachempfinden, wenn Sie einfach mal versuchen, im Wachzustand ein paar Minuten aktiv zu schnarchen.

          Die gesundheitlichen Folgen können erheblich sein. Das gilt besonders für jene Schnarcher, die nicht einfach nur Lärm machen, sondern auch an Atemaussetzern leiden. Das nennt sich dann Schlafapnoe und ist purer Stress für den Körper. Die Folgen sind hoher Blutdruck und ein gesteigertes Schlaganfallrisiko. Phasen des lauten Schnarchens werden plötzlich von Stille und Atemlosigkeit unterbrochen. Der Sauerstoffmangel im Blut fühlt sich für den Körper wie Ersticken an. Vor lauter Panik weckt sich das Gehirn selbst, um aktiv nach Luft zu schnappen, und das mehrfach pro Nacht. Der Schläfer wird sich daran am nächsten Tag nicht mehr erinnern, der Körper schon. Die nächtlichen Aufweckattacken führen zu einer Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Das wiederum ist verantwortlich für starkes nächtliches Schwitzen, Diabetesneigung, Impotenz, Lustverlust, Depression, Übergewicht und eine verkürzte Lebenserwartung.

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          Dabei liebt und braucht unser Gehirn nichts mehr als die regelmäßige Wiederholung der immer gleichen fünf Schlafphasen: Eindösen, stabiler Schlaf, Tiefschlaf, Traumschlaf, Wachsein. Wie bei einem Zirkeltraining passiert das während einer durchschnittlichen Schlafdauer von acht Stunden vier- bis siebenmal. Das lässt sich über Hirnströme messen. Wenn man nun im Schlaflabor Schnarchpatienten mit Atemaussetzern beobachtet, spielen sich oftmals dramatische Szenen ab, deren Anblick kaum zu ertragen ist. Man wird quasi Zeuge eines Fast-Erstickungstodes, bei dem sich die Betroffenen winden, aufbäumen und um Luft ringen. Und das zigfach in der Nacht.

          Woran merke ich, dass ich unter Schlafapnoe leide?

          Sagen Ihnen Mitschläfer, dass Sie schnarchen und Atempausen haben? Leiden Sie an hohem Blutdruck, der sich nachts nicht beruhigt und der durch Medikamente schwer einstellbar ist? Leiden Sie an Herzrasen, Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche? Schwitzen Sie nachts stark? Haben Sie nachts einen trockenen Mund? Können Sie nicht abnehmen? Sind Sie schon morgens müde? Haben Sie Konzentrationsstörungen? Das alles kann dafür sprechen, dass Sie an Schlafapnoe leiden. In solchen Fällen ist eine gute Diagnostik bei mehreren Fachdisziplinen, die sich speziell mit dem Schlaf beschäftigen, wichtig: Internist, HNO-Arzt, Zahnarzt, Neurologe.

          1. Schritt: Ambulante Polygraphie: Ein Gerät zum Umschnallen misst nachts zu Hause wichtige Körperparameter.

          2. Schritt: Eine Nacht im Schlaflabor: Dort wird untersucht, ob der Körper gegen ein Atemhindernis anatmet oder das Gehirn vergisst, den Befehl zum Weiteratmen zu geben, ob der Sauerstoffgehalt im Blut absinkt und Herzschlag und Blutdruck ansteigen, wie oft man aufwacht, ob man in Tiefschlaf oder Traumschlaf rutschen kann, ob man sich abnorm viel bewegt und ob Rücken- oder Seitenlage Einfluss aufs Schnarchen haben.

          3. Schritt: Ist die Ursache geklärt, folgt die Therapie, bei der Sie einiges selbst tun können: auf Alkohol verzichten, regelmäßig bewegen, Übergewicht vermeiden, abends leicht essen, sich um einen geordneten Tag-Nacht-Rhythmus bemühen. Die Ärzte werden Ihnen eventuell eine Überdruckbeatmung mit einer Maske nachts oder eine spezielle Zahnschiene, die den Kiefer nach vorn zieht und die zurückfallende Zunge aus dem Schlund holt, verordnen. Es kann auch zu Operationen kommen, die Hindernisse im HNO-Bereich beseitigen. Auch Medikamente können zum Einsatz kommen.

          Wollen Sie auch etwas wissen?

          Haben Sie ebenfalls eine Frage, die Sie schon immer einem Arzt stellen wollten, ohne extra einen Termin in der Sprechstunde zu beanspruchen? Dann fragen Sie doch einfach Dr. Yael Adler. In ihrer nächsten Kolumne geht es um das Thema Reizdarm. Bitte senden Sie Ihre Frage bis zum 30. April an: sagensiemal@faz.de. Ausgewählte Fragen drucken wir in der nächsten Kolumne ab.

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