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Sagen Sie mal, Frau Doktor : Wann wird mein Schnarchen zur Gesundheitsgefahr?

  • -Aktualisiert am

Die gesundheitlichen Folgen können erheblich sein. Das gilt besonders für jene Schnarcher, die nicht einfach nur Lärm machen, sondern auch an Atemaussetzern leiden. Das nennt sich dann Schlafapnoe und ist purer Stress für den Körper. Die Folgen sind hoher Blutdruck und ein gesteigertes Schlaganfallrisiko. Phasen des lauten Schnarchens werden plötzlich von Stille und Atemlosigkeit unterbrochen. Der Sauerstoffmangel im Blut fühlt sich für den Körper wie Ersticken an. Vor lauter Panik weckt sich das Gehirn selbst, um aktiv nach Luft zu schnappen, und das mehrfach pro Nacht. Der Schläfer wird sich daran am nächsten Tag nicht mehr erinnern, der Körper schon. Die nächtlichen Aufweckattacken führen zu einer Ausschüttung des Stresshormons Cortisol. Das wiederum ist verantwortlich für starkes nächtliches Schwitzen, Diabetesneigung, Impotenz, Lustverlust, Depression, Übergewicht und eine verkürzte Lebenserwartung.

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Dabei liebt und braucht unser Gehirn nichts mehr als die regelmäßige Wiederholung der immer gleichen fünf Schlafphasen: Eindösen, stabiler Schlaf, Tiefschlaf, Traumschlaf, Wachsein. Wie bei einem Zirkeltraining passiert das während einer durchschnittlichen Schlafdauer von acht Stunden vier- bis siebenmal. Das lässt sich über Hirnströme messen. Wenn man nun im Schlaflabor Schnarchpatienten mit Atemaussetzern beobachtet, spielen sich oftmals dramatische Szenen ab, deren Anblick kaum zu ertragen ist. Man wird quasi Zeuge eines Fast-Erstickungstodes, bei dem sich die Betroffenen winden, aufbäumen und um Luft ringen. Und das zigfach in der Nacht.

Woran merke ich, dass ich unter Schlafapnoe leide?

Sagen Ihnen Mitschläfer, dass Sie schnarchen und Atempausen haben? Leiden Sie an hohem Blutdruck, der sich nachts nicht beruhigt und der durch Medikamente schwer einstellbar ist? Leiden Sie an Herzrasen, Herzrhythmusstörungen oder Herzschwäche? Schwitzen Sie nachts stark? Haben Sie nachts einen trockenen Mund? Können Sie nicht abnehmen? Sind Sie schon morgens müde? Haben Sie Konzentrationsstörungen? Das alles kann dafür sprechen, dass Sie an Schlafapnoe leiden. In solchen Fällen ist eine gute Diagnostik bei mehreren Fachdisziplinen, die sich speziell mit dem Schlaf beschäftigen, wichtig: Internist, HNO-Arzt, Zahnarzt, Neurologe.

1. Schritt: Ambulante Polygraphie: Ein Gerät zum Umschnallen misst nachts zu Hause wichtige Körperparameter.

2. Schritt: Eine Nacht im Schlaflabor: Dort wird untersucht, ob der Körper gegen ein Atemhindernis anatmet oder das Gehirn vergisst, den Befehl zum Weiteratmen zu geben, ob der Sauerstoffgehalt im Blut absinkt und Herzschlag und Blutdruck ansteigen, wie oft man aufwacht, ob man in Tiefschlaf oder Traumschlaf rutschen kann, ob man sich abnorm viel bewegt und ob Rücken- oder Seitenlage Einfluss aufs Schnarchen haben.

3. Schritt: Ist die Ursache geklärt, folgt die Therapie, bei der Sie einiges selbst tun können: auf Alkohol verzichten, regelmäßig bewegen, Übergewicht vermeiden, abends leicht essen, sich um einen geordneten Tag-Nacht-Rhythmus bemühen. Die Ärzte werden Ihnen eventuell eine Überdruckbeatmung mit einer Maske nachts oder eine spezielle Zahnschiene, die den Kiefer nach vorn zieht und die zurückfallende Zunge aus dem Schlund holt, verordnen. Es kann auch zu Operationen kommen, die Hindernisse im HNO-Bereich beseitigen. Auch Medikamente können zum Einsatz kommen.

Wollen Sie auch etwas wissen?

Haben Sie ebenfalls eine Frage, die Sie schon immer einem Arzt stellen wollten, ohne extra einen Termin in der Sprechstunde zu beanspruchen? Dann fragen Sie doch einfach Dr. Yael Adler. In ihrer nächsten Kolumne geht es um das Thema Reizdarm. Bitte senden Sie Ihre Frage bis zum 30. April an: sagensiemal@faz.de. Ausgewählte Fragen drucken wir in der nächsten Kolumne ab.

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