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Sagen Sie mal, Frau Doktor : Wie hältst Du’s mit der Vorsorge?

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Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Die Ärztin und Bestsellerautorin Yael Adler antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Bild: Hans-Jörg Brehm

Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Ärztin Christina Stefanescu antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Heute: die regelmäßige Vorsorgeuntersuchung.

          Wie wichtig ist es eigentlich, regelmäßig zur Vorsorgeuntersuchung zu gehen?

          Ja, ich bin Ärztin, ja, ich arbeite in einem Krankenhaus mit vielen technischen Hilfsmitteln, aber nein, nicht jede Untersuchung und erst recht nicht jede Therapieoption ist für jeden Patienten sinnvoll. Ich finde es legitim, Patienten Untersuchungen zu ersparen, wenn sie keine Konsequenzen für ihn haben. Wenn jemand beispielsweise aufgrund eines fortgeschrittenen Bauchspeicheldrüsenkrebses sehr wahrscheinlich im nächsten Jahr sterben wird, ist ein erhöhter PSA-Wert als möglicher Hinweis auf einen Prostatakrebs zu vernachlässigen; der wird nicht zum Tode führen. Wir Ärzte sollten Leiden lindern, ja. Leiden um jeden Preis behandeln: Das sollen wir nicht zwingend.

          Tatsächlich gibt es für die häufigsten Krebserkrankungen bei Frauen und Männern - also Brust- und Prostatakrebs - keine Vorsorgeuntersuchung, sondern nur Maßnahmen zur Früherkennung. Ein wichtiger Unterschied.

          Eine Vorsorge gibt es beim Dickdarmkrebs: Werden bei einer Darmspiegelung, die ab dem fünfzigsten Lebensjahr auch Menschen empfohlen wird, die keine Symptome wie etwa Blutabgang mit dem Stuhlgang oder Gewichtsverlust haben, Polypen entfernt, kann die Wahrscheinlichkeit, an Darmkrebs zu erkranken, um 66 bis 90 Prozent reduziert werden. Denn aus den Polypen kann sich später der Krebs entwickeln. Wohlgemerkt: kann.

          Christina Stefanescu: Ärztin in einer hessischen Klinik

          Zum Anlass, grundsätzlich etwas zu Vorsorge und Früherkennung zu sagen, habe ich die Frage einer 82 Jahre alten Leserin genommen. Sie möchte gerne wissen, ob sie nach einer Total-Operation im Unterleib noch weiter zur Vorsorge zum Gynäkologen gehen soll. Zu Ihrer Frage: Wenn sich in Ihrem OP-Präparat, also in dem entnommen Uterus und den herausoperierten Eierstöcken, weder Gebärmutterhals- noch Gebärmutter- noch Eierstockkrebs gefunden hat, sind Sie bezüglich dieser Krebserkrankungen auf der sicheren Seite. Daran werden Sie sehr wahrscheinlich nicht mehr erkranken. Und auch die Mammografie halte ich in einem so hohen Alter für obsolet.

          Rein statistisch gesehen werden Frauen in vergleichbaren Fällen, selbst wenn sie an Brustkrebs erkranken sollten, nicht an diesem versterben, auch wenn Brustkrebs noch immer die häufigste zum Tode führende Krebsart bei Frauen ist. Viel wahrscheinlicher ist es, dass sie irgendwann an einer Herz-Kreislauf-Erkrankung versterben.

          Gleiches gilt für einen 82 Jahre alten Mann, der die Diagnose eines nicht-metastasierten Prostatakarzinoms bekommt: Er wird daran sehr wahrscheinlich nicht versterben - und mit einer Strahlen- oder Hormontherapie besser zu Recht kommen, als wenn man ihn operieren würde. In diesem Fall geht man natürlich von der Statistik und Annahme aus, dass ein 82 Jahre alter Mann weitere Erkrankungen hat.

          Leider gibt es beim Prostatakrebs noch keine uns bekannten Vorstufen, die wir entfernen und den Mann so vor dem Krebs bewahren könnten. Aber: Je niedriger das Stadium des Krebses, desto wahrscheinlicher die Heilung. Männern ab dem vierzigsten Lebensjahr sollte die Früherkennung mittels Tastuntersuchung und PSA-Bestimmung angeboten werden, wenn sie eine Lebenserwartung über zehn Jahre haben; so schreibt es die Fachgesellschaft der Urologen in ihrer Leitlinie.

          Wie sinnvoll ist das Mammografie-Screening?

          Mit dem Mammographie-Screening, der Reihenuntersuchung der Frauen zwischen 50 und 69 Jahren ohne Beschwerden, das seit 2008 bundesweit angeboten wird, sollen die Todesfälle durch Brustkrebs reduziert werden. Jede Frau bekommt zum 50. Geburtstag die erste Einladung dazu und kann sich die Brust auf Kosten der Krankenkasse alle zwei Jahre röntgen lassen.

          Statistisch gesehen, müssen 200 Frauen über 20 Jahre regelmäßig untersucht werden, um eine Frau vor dem Krebstod zu bewahren. Tatsächlich ist die Sterberate seit Einführung des Screenings nicht signifikant gesenkt worden. Aber: Es werden mehr Krebsbefunde im Frühstadium entdeckt - und auch hier die Heilungschancen so deutlich verbessert.

          Bei Frauen unter 50 Jahren ist das Brustgewebe häufig zu dicht, als dass die Mammographie eine sehr gute Aussagekraft hat; hier hilft der Ultraschall. Umgekehrt sieht man im Ultraschall Mikrokalk im Milchgang nicht gut, der ein Hinweis auf einen Brustkrebs sein kann. Wer ein erhöhtes Risiko hat, an Brustkrebs zu erkranken, etwa weil Mutter oder Schwester betroffen sind, oder unsicher ist, vielleicht selbst etwas getastet hat an der Brust, der möge bitte seinen Gynäkologen aufsuchen und sich beraten lassen.

          Welche Früherkennung ist nun wichtig?

          Ich würde Frauen den regelmäßigen Gang zum Gynäkologen empfehlen, um Gebärmutterhals-, Brust- sowie auch Eierstockkrebs frühzeitig zu erkennen. Männer sollten den Urologen ab 40 wenigstens mal aufgesucht haben. Männer zwischen 20 und 45 sollten regelmäßig selbst ihre Hoden befühlen und bei hartem oder sehr großem Hoden zum Arzt gehen.

          Werden Leberflecken größer, sind unregelmäßig begrenzt, schwarz oder unterschiedlich durchgefärbt, sollte der Hautarzt aufgesucht werden. Sinnvoll ist sicherlich eine Darmspiegelung ab dem 50. Lebensjahr. Ein Check-up beim Hausarzt mit einer Kontrolle der Blutwerte ist ebenfalls ratsam; dort sollte auch die Schilddrüse abgetastet und ein Blick auf die Herz- und Nierenfunktion geworfen werden.

          Ist eine Ganzkörper-CT oder -MRT nötig?

          Diese Untersuchung schützt weder vor Krebs, noch hilft sie kleine Befunde zu finden. Die Bildgebung sollte dann erfolgen, wenn Ihr Arzt Ihnen dazu rät.

          Haben Sie ebenfalls eine Frage?

          Haben Sie auch eine Frage, die Sie schon immer mal einem Arzt stellen wollten, ohne dass Sie sich extra einen Termin in seiner Sprechstunde geben lassen wollen? Dann fragen Sie unsere Kolumnistin, Christina Stefanescu, Ärztin an einer hessischen Klinik, und schicken Sie uns die Frage an: sagensiemal@faz.de.

          Bitte beachten Sie, dass wir aufgrund der Vielzahl von Zuschriften nur ausgewählte Fragen beantworten. Die Antworten erscheinen in unregelmäßigen Abständen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und zeitversetzt auf FAZ.NET. Von Nachfragen zu bereits erschienenen Texten bitten wir abzusehen.

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