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Sagen Sie mal, Frau Doktor : Wie gefährlich sind „stumme“ Nierensteine?

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Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Die Ärztin und Bestsellerautorin Yael Adler antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Bild: Hans-Jörg Brehm

Ärztin Christina Stefanescu antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Heute: Wie gefährlich sind „stumme“ Nierensteine, und was hat der Lebensstil damit zu tun?

          Der israelische Satiriker Ephraim Kishon hatte für den seinen einen eigenen Kosenamen: „Albert“. In einem Interview wurde er mal gefragt, was er sich zum 80. Geburtstag wünsche, und Kishon antwortete: Als er Albert gehabt habe, habe er gewusst, was die wichtigste Sache im Leben ist - keinen Nierenstein zu haben. Auch Johann Wolfgang von Goethe plagte während seines Dasein mehrfach starke Nierenkoliken.

          Nierensteine betreffen mehr Menschen, als Sie, liebe Leser, vielleicht glauben. Die Statistik sagt, dass etwa jeder zehnte Deutsche im Laufe seines Lebens einen Nierenstein bilden wird. Die Dunkelziffer dürfte noch höher liegen. Denn nicht bei jedem machen sich die Steine auch bemerkbar. Bei einigen „ruhen“ sie friedlich in den Nierenkelchen, entsprechend dem, was die Leserin in ihrer E-Mail als „stumm“ bezeichnet. Oder sie sind so winzig, dass sie gänzlich unbemerkt einfach abgehen und als winzige Sandkörner in unserem Urin in der Toilette landen.

          Christina Stefanescu: Ärztin in einer hessischen Klinik

          Einige sind nur Kalkablagerungen in der Niere und (noch) keine Steine. Wieder andere verursachen nur einen kurzen Schmerz auf ihrem Weg von der Niere durch den Harnleiter in die Blase und werden als Seitenstechen, Ziehen im Bauch oder als kurze, heftige Rückenschmerzen wahr-, aber nicht ernst genommen. Steine bis fünf Millimeter Größe, so die Lehrmeinung, gelten als „spontan abgangsfähig“, können also ohne operatives Eingreifen abgehen - und doch quälen sich viele Patienten mit kleineren Steinen. Denn drei natürliche Engstellen müssen die Steine auf ihrem Weg von der Niere in die Blase passieren.

          Je höher der Stein in der Kolik diagnostiziert wird und je größer er ist, desto weniger wahrscheinlich ist der Spontanabgang. Steine im unteren Harnleiterdrittel schaffen es in 71 bis 98 Prozent der Fälle spontan. Der Zeitraum bis dahin ist allerdings durchaus unterschiedlich, und ohne Schmerzmittel geht es meist nicht.

          Eins kann ich Ihnen versichern: Wer einmal eine Nierenkolik hatte, mit stärksten, wellenartigen Schmerzen, mit Übelkeit und Erbrechen, wird sie nie vergessen und sofort wissen, was los ist, wenn sie wieder auftritt. Viele Frauen sagen, diese Schmerzen seien schlimmer als Wehen.

          Die Steine sind meist vom Lebensstil abhängig

          Gefährdet für Nierensteine sind Patienten, die schon sehr jung die ersten Steine beklagen mussten, solche mit bestimmten genetischen Veränderungen oder Erkrankungen. Dazu zählen: seltene Zystinurie, eine Sarkoidose oder ein Morbus Crohn sowie Störungen der Nebenschilddrüse. Weitere Risikofaktoren sind: anatomische Engstellen, ob angeboren oder nach Operationen erworben, sowie Harnleiter- oder Nierenbeckenabgangsengen; manche Menschen provozieren Steine durch eine ungesunde Lebens- und Ernährungsweise.

          Cola oder zu wenig Flüssigkeitszufuhr fördern übrigens Harnsäuresteine. Gewichtsreduktion, eine Umstellung der Trinkgewohnheiten und eine Korrektur des eventuell erhöhten Harnsäurewertes im Blut können dieses lästige Steinproblem aber verhindern. Schon vorhandene kleine Harnsäuresteine kann man übrigens mit Medikamenten zur Einstellung des Urin-pH-Wertes auflösen. Größere Eingriffe bleiben diesen Patienten meistens erspart.

          Sie merken, einfach ist das mit den Steinen nicht. Und Stein ist nicht gleich Stein. Die häufigsten unter ihnen sind die calciumhaltigen. Sie sind meist vom Lebensstil abhängig. Wir essen einfach zu gut und zu reichlich, Fleisch etwa. Leider heißt die Lösung aber nicht: Fleischverzicht. Dieser schützt vor Steinen nicht. Zu viel Oxalsäure, die reichlich in Mangold, roten Rüben und Spinat vorkommt, begünstigt die Steinbildung ebenfalls.

          Auf Rang zwei der Steine rangieren oben beschriebene Harnsäuresteine. Wer immer wieder Infekte hat, sollte das beim Urologen abklären lassen - Steine können nämlich Ursache und Folge für Infekte sein und gehören dann behandelt.

          Was also tun bei Steinleiden oder auch zur Prävention?

          „Laufen und saufen“ und „sich gesund und ausgewogen ernähren“ - so lauten die allgemeinen Ratschläge der Urologen. Wer sich ausreichend bewegt und trinkt („Saufen“ meint nicht Alkohol, auch wenn früher in den Kliniken tatsächlich Bier an die Kolikpatienten ausgeschenkt wurde), begünstigt, dass sich keine Steine bilden oder schon kleinste abgehen. Bei wiederholt auftretenden Steinen sollten diese für eine Empfehlung zur Prophylaxe analysiert werden.

          Für die Leserin mit den „stummen“ Steinen wie für jeden, der einen Stein hatte, gilt die Empfehlung, regelmäßig den Urologen zu besuchen - damit per Ultraschall die Niere auf neue Steine oder die Größe der bekannten kontrolliert werden kann. Ob und wann eine Therapie notwendig ist, hängt vom genauen Befund ab. Gegebenenfalls wird der Urologe weitere diagnostische Maßnahmen ergreifen - Röntgen, ein CT, Urin- und Blutuntersuchung etwa.

          Und was mache ich bei Koliken?

          „Laufen und saufen“ gilt auch hier. Am besten reichlich Wasser oder Tee trinken und Treppen laufen. Die Erschütterungen und das Trinken fördern den Weg des Steins nach unten.

          Keine Sorge, in einer Notaufnahme werden Sie mit Nierenkoliken nicht müde belächelt. Die will keiner haben - und Ihnen wird üblicherweise schnell mit Schmerzmitteln geholfen; mit welchen, das entscheidet der Arzt. Ebenso ob, wann und wie Sie operiert werden sollten. Die verschiedenen Möglichkeiten hier aufzuzählen würde den Rahmen sprengen. Ihr Spezialist in Sachen Nieren- und Harnleitersteinen ist der Urologe.

          Bei Fieber in Verbindung mit Nierenschmerzen gehören Sie aber in jedem Fall ins Krankenhaus und mindestens antibiotisch therapiert. Das gilt gerade auch für die Patienten, die Koliken kennen und sich gerne erst mal selbst mit Schmerzmitteln zu Hause behelfen wollen.

          Eine gute Nachricht aber noch zum Schluss: Die alten Schlingen, die aus der Harnröhre gucken und jeden Tag ein bisschen runter gezogen werden, um den Stein zu ziehen, sind definitiv out.

          Haben Sie ebenfalls eine Frage?

          Haben Sie auch eine Frage, die Sie schon immer mal einem Arzt stellen wollten, ohne dass Sie sich extra einen Termin in seiner Sprechstunde geben lassen wollen? Dann fragen Sie unsere Kolumnistin, Christina Stefanescu, Ärztin an einer hessischen Klinik, und schicken Sie uns die Frage an: sagensiemal@faz.de.

          Bitte beachten Sie, dass wir aufgrund der Vielzahl von Zuschriften nur ausgewählte Fragen beantworten. Die Antworten erscheinen in unregelmäßigen Abständen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und zeitversetzt auf FAZ.NET. Von Nachfragen zu bereits erschienenen Texten bitten wir abzusehen.

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