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Sagen Sie mal, Frau Doktor : Gibt es Menschen, die einfach immer kalte Füße haben?

  • Aktualisiert am

Menschen, die an kalten Füßen leiden, sollten sich untersuchen lassen: Eine Ursache kann zu niedriger Blutdruck sein. Bild: Picture-Alliance

Ärztin Christina Stefanescu antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Heute: wie man kalten Füßen begegnet.

          Gibt es Menschen, die einfach immer kalte Füße haben?

          Sicherlich gibt es einige Menschen, besonders Frauen, denen es so geht wie der Leserin, die diese Frage gestellt hat: Egal was sie tun, die Füße sind kalt. Grundsätzlich lässt sich dazu sagen: Die Temperatur unserer Füße liegt mit rund 28 Grad Celsius bei allen Menschen immer deutlich unter der sogenannten Körperkerntemperatur von 37 Grad.

          Hat eine Person, aus unterschiedlichen Gründen, einen niedrigen Blutdruck, werden einzelne Organe und Körperteile weniger stark durchblutet. Dazu gehören häufig die Füße, da sie weit vom Herzen weg liegen und deutlich weniger wichtig sind als etwa unser Hirn, zu dem mehrere große Gefäße ziehen. Die Zehen hingegen werden von kleinsten, pulsierenden Gefäßen versorgt, und um diese kräftig zu durchströmen, reicht ein niedriger Blutdruck unter Umständen einfach nicht aus.

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          Menschen, die zu kalten Füßen neigen, sollten sich deshalb untersuchen lassen. Eine Ursache dafür kann nämlich eine „essentielle Hypotonie“ sein, also ein ungefährlicher niedriger Blutdruck. Davon betroffen sind vor allem junge, sehr schlanke Frauen, junge, große Männer und ältere Menschen. Wärmer werden die Füße, wenn sie in Bewegung sind, denn das Gewebe benötigt dann mehr Sauerstoff, die Durchblutung wird erhöht. Mein Tipp deshalb für Menschen, die zu kalten Füßen neigen: Am Schreibtisch Greifbewegungen mit den Zehen machen oder ein paar Mal im Büro den Flur auf und ab laufen.

          Auch schweißige Füße können dazu beitragen, dass man an den Füßen friert. Bei schweißnassen Füßen kühlt die Oberfläche mehr aus, denn genau dazu ist unser Schweiß da. Wer häufig „nasse“ Füße hat, sollte seine Schuhe so wählen, dass keine feuchte Kammer entsteht - also auf die Socken nicht verzichten und die Schuhe passend kaufen. Außerdem gilt, wie manche Großmutter schon riet: Leder lässt Feuchtigkeit entweichen, und nicht etwa perforierte Plastiksohlen und Sportschuhe ohne durchlässige Außenhaut. Nicht umsonst werben Schuhfirmen mit „atmenden“ Sohlen. Und auch wenn es erst einmal nach einer PR-Strategie klingt: Strümpfe aus bambushaltigen oder schnell trocknenden High-Tech-Geweben oder Einlagen mit Zellulose-Watte, die Feuchtigkeit aufsaugen, können tatsächlich helfen.

          Können Kompressionskniestrümpfe schuld sein an kalten Füßen?

          Enge Schuhe oder Strümpfe haben auf die Blutgefäße den gleichen Effekt wie Kälte, sie komprimieren die Gefäße, und die Durchblutung nimmt ab. Kompressionsstrümpfe gibt es deshalb nicht umsonst in unterschiedlichen Weiten. Wer Kompressionsstrümpfe tragen muss, braucht sie deshalb unbedingt in dem für ihn richtigen Wadenumfang.

          Christina Stefanescu: Ärztin in einer hessischen Klinik

          Wem die kalten Füße kribbeln oder wem die Beine beim Laufen schnell schmerzen, der sollte kontrollieren lassen, ob er unter einer pAVK (peripheren arteriellen Verschlusskrankheit) leidet, also unter Kalkablagerungen in Beinen und Armen. Diese Ablagerungen in den Gefäßen führen zu Durchblutungsmangel. Die Füße werden kalt, Wunden heilen schlecht. Diese Menschen dürfen keine Kompressionsstrümpfe tragen, auch wenn sie schon mal eine Thrombose hatten. Zum Schutz vor einer weiteren Thrombose müssen diese Betroffenen verschriebene Gerinnungshemmer einnehmen.

          Weitere Ursachen für kalte Füße können sein: Nervenstörungen, mangelnde Pumpleistung aufgrund einer Herzschwäche oder Medikamente. Bei langer Krankheit und schlecht eingestellter Medikation kann es beim Diabetiker zu Nervenleitstörungen kommen, so dass das Gefühl von kalten Füßen entsteht. Zudem führt ein Diabetes zur Verdickung der Gefäßwände, was letztlich die gleichen Folgen haben kann wie eine Arteriosklerose - Durchblutungsstörungen und schlecht heilende Wunden.

          Eine weitere mögliche Ursache kalter Füße kann auch eine Schilddrüsenunterfunktion sein (Müdigkeit und Haarausfall plagen die Patienten da aber meist mehr). Auch das Raynaud-Syndrom sei noch genannt, bei dem Finger und Zehen kalt und blass werden und sich dann blau oder rot verfärben.

          Die Gründe für kalte Füße sind zahlreich, wie Sie merken. Wer darunter leidet, sollte zu seinem Hausarzt gehen und sich beraten lassen.

          Haben Sie ebenfalls eine Frage?

          Haben Sie auch eine Frage, die Sie schon immer mal einem Arzt stellen wollten, ohne dass Sie sich extra einen Termin in seiner Sprechstunde geben lassen wollen? Dann fragen Sie unsere Kolumnistin, Christina Stefanescu, Ärztin an einer hessischen Klinik, und schicken Sie uns die Frage an: sagensiemal@faz.de.

          Bitte beachten Sie, dass wir aufgrund der Vielzahl von Zuschriften nur ausgewählte Fragen beantworten. Die Antworten erscheinen in unregelmäßigen Abständen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und zeitversetzt auf FAZ.NET. Von Nachfragen zu bereits erschienenen Texten bitten wir abzusehen.

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