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Sagen Sie mal, Frau Doktor : Kann man mit Schöllkraut Warzen behandeln?

  • -Aktualisiert am

Wenn’s hilft: Schöllkraut Bild: Cornelia Sick

Hilft das Hausmittel wirklich? Kann ich dem Gesundheitstipp meiner Nachbarin trauen? Ärztin Christina Stefanescu antwortet auf Fragen, die Sie schon immer mal stellen wollten – ganz ohne Termin. Heute: Hilft Schöllkraut gegen Warzen?

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          Kann man mit Schöllkraut Warzen behandeln?

          Schöllkraut (Chelidonium majus) ist eine Pflanze aus der Familie der Mohngewächse, die auf vielen deutschen Wiesen zu finden ist, bevorzugt nahe Wohnstätten oder in Mauerspalten, und die durchaus heilende Wirkung hat. Tatsächlich sind im gelblich-orangen Saft, der beim Brechen der Stengel oder Einreißen der Blätter austritt, reichlich Alkaloide enthalten, bei denen antientzündliche, antibakterielle, antimykotische, antivirale und schwach zytotoxische Effekte nachgewiesen werden konnten.

          Aufgetragen auf Warzen an Händen oder Füßen, löst die die Haut reizende und ätzende Tinktur, die in der Apotheke erworben werden kann, die Hautschichten ab und die Warzen auf. Aber: Die Warzen können wiederkommen. Warzen, die grob in sechs Gruppen unterschieden werden, liegt eine Infektion mit Humanen Papilloma-Viren (HPV) zugrunde - und deren Bekämpfung durch das Schöllkraut ist nicht sicher nachgewiesen. Ausnahme: Alters- und Dellwarzen. Erstere treten ab dem 50. Lebensjahr vor allem im Gesicht, auf der Brust und dem Rücken auf und werden durch UV-Strahlen begünstigt. Zweitere werden durch Pockenviren induziert.

          Christina Stefanescu: Ärztin in einer hessischen Klinik

          Von HPV, von denen es über 100 Arten gibt, haben Sie vielleicht im Zusammenhang mit Gebärmutterhalskrebs bzw. der Impfung dagegen, die seit 2007 in Deutschland zugelassen ist, gehört. Tatsächlich sind beim Gebärmutterhalskrebs Genitalwarzen Ausgangspunkt der Infektion. Die Impfung noch nicht sexuell aktiver Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren wird von der Ständigen Impfkommission empfohlen und bietet einen nahezu 100-prozentigen Schutz vor Gebärmutterhalskrebs. Die viel häufigeren Warzen an Füßen (Verrucae plantares) oder Händen (Verrucae vulgaris) werden von anderen HPV-Genotypen induziert. Haupterreger sind HPV 1, 2, 4, 60 und 63 bzw. 1, 2, 4, 27 und 57; ihnen beugt diese Impfung nicht vor.

          Viele Warzen verschwinden von allein wieder. Wenn nicht, reicht eine topische, also auf die Haut aufgetragene Therapie oft aus. Und hier kommt das Schöllkraut ins Spiel und scheint auch gut zu funktionieren. Zumindest schadet der Versuch der Eigentherapie nicht - aber bitte nicht im Bereich der Augen oder Schleimhäute inklusive Genitalbereich. Denn viele der frei verkäuflichen Präparate ätzen mit ihren Inhaltsstoffen Salicyl- oder Milchsäure auch die warzentragenden Hautschichten weg, bis die Warze abgetragen ist. Man kann Warzen auch vereisen (Kryotherapie) sowie chirurgisch mit einem scharfen Löffel abtragen (Kürretage), rausschneiden oder lasern lassen. Sind die „normalen“ Warzen hartnäckig oder treten größerflächig auf, verschreiben Ärzte gerne 5-Fluoruracil (5-FU), das nicht nur die Warze, sondern auch die lokale Infektion mit HPV eliminiert. Die Behandlung richtet sich nach Alter, Art, Lokalisation und Masse der Warzen. Welche Behandlung für Sie die beste ist? Bitte besprechen Sie das mit einem Hautarzt.

          Haben Sie ebenfalls eine Frage?

          Haben Sie auch eine Frage, die Sie schon immer mal einem Arzt stellen wollten, ohne dass Sie sich extra einen Termin in seiner Sprechstunde geben lassen wollen? Dann fragen Sie unsere Kolumnistin, Christina Stefanescu, Ärztin an einer hessischen Klinik, und schicken Sie uns die Frage an: sagensiemal@faz.de.

          Bitte beachten Sie, dass wir aufgrund der Vielzahl von Zuschriften nur ausgewählte Fragen beantworten. Die Antworten erscheinen in unregelmäßigen Abständen in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung und zeitversetzt auf FAZ.NET. Von Nachfragen zu bereits erschienenen Texten bitten wir abzusehen.

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