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Sagen Sie mal, Frau Doktor : Wie funktioniert eigentlich richtige Intimhygiene?

  • -Aktualisiert am

Eine junge Frau liegt in einem Freibad in Nürnberg (Mittelfranken) am Rande eines Schwimmbeckens Bild: dpa

Dass Hygiene im Intimbereich besonders wichtig ist, steht außer Frage. Doch wie genau erzielt man eigentlich einen angenehmen Geruch und geht Infektionskrankheiten aus dem Weg?

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          Um diese Frage zu beantworten, müssen wir uns in unseren Intimbereich vorwagen. Bereits in der Pubertät aktivieren die Geschlechtshormone unsere Duftdrüsen dort. So zeigen wir der Umwelt, dass wir nun potentielle Geschlechtspartner sind. Unser erotisches Duftmarketing lockt aber nur den an, der zu einem passt, denn unser körpereigener Geruch informiert über unser Immunsystem, unsere Blutgruppe und unsere genetische Ausstattung. Wenn man sich gegenseitig gut riechen kann, auch im Intimbereich, dann heißt das, es könnte klappen mit der Liebe und gesunden Nachkommen. Ein effektiver Duftverstärker ist dabei unser Schamhaar, weil es unser Körperparfüm aufnimmt und zerstäubt. Gleichzeitig wirkt es als Klimaanlage für unsere Körperfalten, in denen es andernfalls muffig, schwitzig und feucht wäre. Man könnte auch sagen, Schamhaare sind so eine Art natürlicher Baumwollschlüpfer, der Luft an intime Stellen lässt und verhindert, dass die sensible Haut dort durch Schweißansammlungen aufgeweicht wird.

          Was aber hat das mit Bakterien zu tun? Um das zu verstehen, muss man wissen: Auf unserer Haut leben Milliarden Bakterien. Sie leben von unserem Schweiß, den Sekreten der Duftdrüsen und verschiedenen Bestandteilen der Haut und benötigen unseren Säureschutzmantel, der etwa einen pH-Wert von 5 hat. Im Intimbereich dagegen sorgen die Duftdrüsen für etwas weniger saure Stimmung, das heißt, das Milieu ist stärker alkalisch und führt dazu, dass sich hier in dunkel-schwüler Umgebung andere Bakterien wohl fühlen, als zum Beispiel auf unserem gut beleuchteten und trockenen Handrücken. Deshalb auch die besondere Intimnote, die Romantiker gern als den Duft der Liebe bezeichnen. Einige Nichtromantiker versuchen durch häufiges Duschen und Seifen den Geruch zu verändern. Doch vergeblich! Nach jedem Waschen ist das alte Aroma schnell wieder da, denn die Duftdrüsen und unsere Bakterienflora liefern unaufhörlich Nachschub.

          Schwitzige Slipeinlagen, Unterwäsche aus Synthetik und das Waschen mit alkalischen Seifen fördern unangenehme Gerüche. Seife zerstört nämlich den Säureschutzmantel. Der pH-Wert unserer Haut steigt von 5 auf 9 bis 10, und das bis zu acht Stunden lang. In dieser Zeit liegen unsere säureliebenden Türsteherbakterien k.o. am Boden, und unerwünschte Erreger vermehren sich. Sie fördern Infekte und üblen Körpergeruch: Deshalb gilt auch im Intimbereich: Wer zu viel seift, der stinkt! Besser nur mit klarem Wasser oder in den Leisten mit einer milden sauren Waschsubstanz reinigen.

          Unangenehmer Geruch kommt selten allein

          Doch nicht nur der äußere Intimbereich hat seinen eigenen Geruch, auch die Schleimhaut duftet, und das naturgemäß recht zart. Wenn es hier ungewöhnlich riecht, kann das ein Zeichen für ein ernsthaftes Problem sein, ein Problem, das bei beiden Geschlechtern auftreten kann und das nichts mit mangelnder Hygiene zu tun haben muss. Es könnten sexuell übertragbare Erkrankungen dahinterstecken, manchmal ganz ohne weitere erkennbare Beschwerden wie Ausfluss oder Brennen.

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