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Wasserhaushalt : Trink! Trink! Trink! Trink! Trink!

  • -Aktualisiert am

Trinken Sie eigentlich genug? Zwei Liter Wasser täglich empfehlen Ärzte. Bild: AP

Trotz ausreichender Wasserversorgung trinken viele Menschen nicht genug. Mindestens zwei Liter täglich empfehlen Ärzte. Doch kaum jemand hält sich daran. Können Apps dabei helfen? Unser Test verrät es.

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          Die Amerikaner sind ja in vielen Dingen etwas seltsam - aber manches ist dann selbst für sie schräg. Ich war vor einiger Zeit in einem Wellnesshotel in Kalifornien, und der Abschiedsgruß in diesem Hotel lautete standardmäßig: „Stay hydrated!“ Bleiben Sie hydriert. Das ist wirklich ein seltsamer Gruß, aber eigentlich haben die Mitarbeiter des Hotels dort ja recht. Genügend zu trinken ist tatsächlich für alles gut, was im Körper so passiert. Natürlich passt so ein Spruch besonders gut zur Kultur in einem Wellnesshotel - aber eigentlich... mhh... eigentlich sollte man das wirklich in seinen Alltag übernehmen.

          Wissen Sie, wie viel Sie den Tag über so trinken? Wer jetzt auf Anhieb „Zwei Liter natürlich!“ gedacht hat, dem sei gesagt: Haha, Sie Lügner. Niemals. Entschuldigung für diese drastischen Worte, aber die zwei Liter schwirren so sehr durch das Volksgesundheitsgedächtnis, dass man natürlich weiß, dass es eigentlich zwei Liter sein sollten, aber, wenn wir ehrlich sind, niemand von uns trinkt wirklich jeden Tag zwei Liter Wasser.

          Ich in jedem Fall trinke wenig. Im Winter Pfefferminztee, im Sommer lieber Limettenschorle. Zwischendurch gern einen Latte macchiato. Aber wie viel den Tag über genau? Keine Ahnung.

          Im App Store gibt es Hunderte Apps, die mich daran erinnern sollen, Wasser zu trinken. Sie sind mir immer wieder mal begegnet, nie habe ich eine heruntergeladen. Was für ein Quatsch, das bringt doch nichts. Für diese Kolumne aber habe ich mir nun gleich ein Dutzend heruntergeladen - und tatsächlich nutze ich sie, und das passiert in dieser Kolumne auch selten, nun schon mehrere Wochen lang. Sechs Dinge haben mich diese Apps gelehrt:

          1. Die Erinnerungen nerven, bewirken aber was.

          Kern aller Wasser-Apps ist ihre Erinnerungsfunktion. Alle zwei Stunden - oder nach einem beliebig einzustellenden Intervall - erinnern sie per Push-Nachricht daran, zu trinken. Ich war so klug, sieben oder acht Apps auf einmal herunterzuladen und zu testen. Aber natürlich nicht auf die gleiche Zeit einzustellen. Damit klingelte auf meinem Handy jede halbe Stunde eine andere App und ein paar auch gleichzeitig. Lehre Nummer eins daraus: Eine Wasser-App reicht. Lehre Nummer zwei, und die richtet sich an die App-Entwickler: Die Nachrichten kommen auf meinen Homescreen! Denkt euch gefälligst etwas Kreatives aus. Und lasst die Grammatikfehler. Nachrichten mit dem Text „Versuchen Sie, eine Flasche Wasser zu tragen, wenn Sie verlassen“ oder „Machen Wasser schmackhafter durch Zugabe von Zitronensaft“ sind nur beim ersten Mal lustig. Mittlerweile habe ich nur noch die Pushes vom Testsieger auf dem Homescreen und klicke auch die weg - aber durch die vielen Nachrichten habe ich tatsächlich mehr getrunken.

          2. Wir müssen gar keine zwei Liter am Tag trinken.

          Alle Apps haben mir durchweg einen Wert von 1,4 Litern pro Tag ausgerechnet. Berechnet nach meinem Alter, Gewicht und meiner sitzenden Tätigkeit ohne viel Sport in der Woche (Schande über mich), kamen eben keine zwei Liter heraus, sondern nicht einmal eineinhalb. Diese sollten doch eigentlich schaffbar sein?

          3. Wir trinken noch viel weniger, als wir denken.

          Nein, 1,4 Liter bekomme ich nicht immer am Tag unter. Die ersten Tage war ich tatsächlich etwas erschüttert, wie wenig ich überhaupt getrunken habe. Alle Apps haben auch eine Tracking-Funktion dabei, beim Zusammenrechnen bin ich oft gerade mal auf 700 Milliliter gekommen.

          Am schönsten und einfachsten zu bedienen ist die App „Mein Wasser“. Ich kann unterschiedliche Getränke angeben und habe in iOS sogar die Möglichkeit, mit Schnellzugriff aus dem Notification-Center die Getränke einzutragen. Die App wertet nur reines Wasser 1:1 für meine Quote. Andere Getränke wie Saft, Kaffee und selbst Tee werden mit einem Flüssigkeitskoeffizienten gerechnet, der je nachdem weniger reines „Wasser“ ausgibt. Ergo komme ich weniger schnell an mein Ziel von 1,4 Liter.

          4. Tracking kann sogar Spaß machen - wenn es einfach ist.

          Oft scheitern alle Apps ja daran, dass sie zu aufwendig zu benutzen sind. Nun ist gerade Getränke tracken irgendwie das Langweiligste von allem - aber die App „Mein Wasser“ macht es mir so einfach, dass ich gern am Ende des Tages noch mal durchgehe, wie viel ich denn so getrunken habe. Und stolz bin, je näher ich an die 1,4 Liter herankomme.

          5. Alkohol ist schlecht für den Wasserhaushalt. Ziemlich schlecht.

          Der frustrierendste Tag war, als ich mit einer Freundin zusammen am Abend eine Flasche Weißwein geleert habe und diese halb, also 375 Milliliter, in meine App eingetragen habe. Vorher war ich bei 69 Prozent Trink-Erfolgsquote für diesen Tag. Nach dem Weineintrag bei gerade noch 34 Prozent. Der Wein hat an Flüssigkeit nichts gebracht, sondern noch die halbe Flüssigkeit vom Tag aus mir herausgepresst. Ob tatsächlich oder nur aufgrund dieser Zahlen, die ich mir angeschaut hatte - ich hatte beim Nachhausekommen so einen Durst, dass ich erst mal zwei große Gläser Wasser leergetrunken habe.

          6. Nach einer Zeit verankert sich das Trinken tatsächlich im Kopf.

          Womit bewiesen wäre, dass Apps doch den Habitus ändern können. Das ist eine ziemliche Diskussion in der Software-Branche. Können gute Apps unser Verhalten ändern? Oder nicht? Die Apps haben bei mir zumindest bewirkt, dass mir das ganze Trinken-Thema viel präsenter ist. Und zwar nicht nur bei einer Erkältung oder Fieber, sondern immer.

          Ich hole mir jetzt häufiger mal einen Tee, auch wenn gerade keine Push-Nachricht kommt. Ich trinke auch mal so zwischendurch einfach ein Glas Leitungswasser. Ob es meinem Körper dadurch tatsächlich bessergeht, kann ich an mir in der kurzen Zeit noch nicht ganz feststellen. Aber in diesem Thema vertraue ich den Studien, die das schon für alles Mögliche bewiesen haben. Und den Mitarbeitern im Wellnesshotel und ihrem Mantra: Stay hydrated.

          Apps für den Wasserhaushalt

          Die App „Mein Wasser“ gibt es für iOS und Android gratis im App-Store. Sie kann dabei helfen, den eigenen Wasserhaushalt in Schuss zu halten, und erinnert daran, regelmäßig etwas zu trinken.

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