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Feinstaubbelastung in Paris : Eine gräuliche Dunstglocke umhüllt den Eiffelturm

Inversionswetterlage: Paris im Dezember Bild: AFP

Die Feinstaubbelastung im Großraum Paris erreicht Rekordwerte. Die Politik reagiert mit teilweisen Fahrverboten. Doch die Regierung ziert sich, Maßnahmen gegen die Luftverschmutzung zu ergreifen.

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          Am Mittwoch ist in Paris ein Rekord bei der Feinstaubbelastung gebrochen worden, wie die zuständige Behörde Airparif meldete. Der grüne Präsidentschaftskandidat Yannick Jandot sprach von einer „kriminellen Politik des Abwartens“. Bürgermeisterin, Umweltministerin und Polizeipräfekt hatten nämlich erst tagelang gestritten, bevor ein teilweises Fahrverbot verhängt wurde. Die hohe Schadstoffbelastung ist auf die Schönwetterlage ohne Wind zurückzuführen, die Meteorologen „Inversionslage“ nennen. Wärmere Luft legt sich über kältere am Boden und verhindert so den Abzug der Partikel.

          Michaela Wiegel
          Politische Korrespondentin mit Sitz in Paris.

          Am Mittwoch wurde deshalb am zweiten Tag in Folge der Autoverkehr in Paris und 22 umliegenden Kommunen eingeschränkt. Nur diejenigen Autofahrer konnten knöllchenfrei fahren, deren letzte Ziffer auf dem Kennzeichen ungerade ist. Verstöße werden mit einem Bußgeld in Höhe von 35 Euro geahndet. Das Teilfahrverbot bleibt vermutlich auch an diesem Donnerstag in Kraft. Öffentliche Verkehrsmittel sind im Gegenzug kostenlos.

          Im ganzen Südosten Frankreichs wurden überhöhte Werte von Feinstaub und Stickoxiden gemessen. Im Großraum Lyon wurde deshalb am Mittwoch ebenfalls ein teilweises Fahrverbot erlassen. In Paris aber ist die Verschmutzung am höchsten. Die Leiterin der für Luftqualität zuständigen Behörde Airparif, Amélie Fritz, sagte, Fahrverbote seien sinnvoll, aber reichten nicht aus. Die Luftverschmutzung müsse längerfristig bekämpft werden. Wichtig sei auch, die Emissionen der privaten Heizungen und der Industrie zu senken.

          Schwierigkeiten bei Durchsetzung eines Verbots alter Fahrzeuge

          Seit langem wissen die politisch Verantwortlichen, dass etwas gegen die Luftverschmutzung im Großraum Paris getan werden müsste. Doch die sozialistische Regierung ziert sich, Maßnahmen zu ergreifen, die der französischen Automobilindustrie ein Umdenken abverlangen könnten. Deshalb werden Dieselfahrzeuge weiterhin massiv steuerlich gefördert – trotz der Erkenntnis, dass das überdurchschnittlich hohe Aufkommen von Dieselautos mitverantwortlich ist für die Schadstoffbelastung. Die Pariser Bürgermeisterin, Anne Hidalgo, hat immerhin durchgesetzt, dass seit Juli 2015 besonders luftverschmutzende Busse und Lastwagen aus dem Stadtgebiet verbannt werden. Zwischen acht und 20 Uhr dürfen an Wochentagen seither keine Lastwagen und Busse mehr fahren, die älter als 14 Jahre sind.

          Schwierigkeiten gibt es allerdings bei der Durchsetzung des Verbots, besonders bei ausländischen Reisebussen. Vom nächsten Jahr an sollen nach Hidalgos Willen auch Fahrzeuge der Schadstoffklassen 2, 3 und 4 nach und nach aus Paris verschwinden. Bis 2020 will sie keine Dieselfahrzeuge ohne effiziente Partikelfilter mehr dulden. Doch dieser Kampf gegen die Dieselmotoren stößt auf viel Kritik in den eigenen Reihen. Um ihre Verkehrspolitik zu verteidigen, kommt der Bürgermeisterin der jüngste Schadstoffrekord beinahe gelegen. Die Sozialistin steht auch wegen der Sperrung der Uferschnellstraße „Voie Georges Pompidou“ in der Kritik. Die rechtsbürgerliche Opposition und der Front National verlangen, die Schnellstraße wieder für den Verkehr freizugeben.

          Die derzeitige Smog-Krise offenbart auch, wie schlecht es um die öffentlichen Verkehrsmittel im Großraum Paris steht. Die Schnellbahn RERB, die einzige Verbindung zum Großflughafen Charles de Gaulle Roissy, war am Mittwoch nach einer Panne am zweiten Tag in Folge außer Betrieb. Die Schnellbahnlinie RERA, eine der Hauptverbindungen in die Bürostadt La Défense mit annähernd einer Million Passagieren pro Tag, meldete mehrere „Zwischenfälle“, die zu großen Verspätungen und hohem Andrang führten. Die Regierung hat versprochen, in öffentliche Verkehrsmittel investieren zu wollen.

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