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Fragen und Antworten : Ein Ebola-Ausbruch ohne Beispiel

Bluttests in Sierra Leone: Traf das Virus bisher vor allem die breite Bevölkerung, steigt jetzt auch die Zahl der Infektionen beim medizinischen Personal; 60 Helfer sind laut WHO bereits gestorben Bild: REUTERS

Machtlos schauen wir Europäer auf die Epidemie in Afrika – und stellen uns bange Fragen. Warum erreicht die Seuche dieses Ausmaß? Und: Was heißt das für uns?

          Das Ebola-Virus hat Westafrika fest im Griff. Daran hat es in der vergangenen Woche keinen Zweifel gelassen. Nach Guinea, Sierra Leone und Liberia hat der Erreger auch Nigeria erreicht; dort sind Verdachtsfälle aufgetaucht. In Lagos starb ein Mann, der mit dem Flugzeug aus Liberia gekommen war; ob oder wie viele Menschen er auf seiner Reise angesteckt hat, wird die Zeit zeigen. Zwei bis 21 Tage kann es dauern, bis sich eine Ebola-Infektion mit unspezifischen Symptomen wie Fieber, Kopfschmerzen oder Übelkeit bemerkbar macht. Anschließend kann es zu Durchfall, Erbrechen und Blutungen kommen. Viele Patienten sterben schließlich an Herz-Kreislauf- oder Nierenversagen.

          Morten Freidel

          Redakteur in der Politik.

          Lucia Schmidt

          Redakteurin im Ressort „Leben“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Unaufhaltsam wandert der Erreger seit Wochen in Westafrika von Mensch zu Mensch, von Stadt zu Stadt, von Land zu Land – allen Aufklärungskampagnen in Form von Plakaten, Medienaufrufen und Gesprächen zum Trotz.

          Ende März hatte Guinea als erster Staat einen Ebola-Ausbruch gemeldet. Wenige Tage später berichtete das Nachbarland Liberia von Erkrankten. Dann traten auch in Sierra Leone Ebola-Fälle auf. Jetzt in Nigeria. Großbritannien meldete Mitte der Woche einen Verdachtsfall bei einem Briten, der aus Westafrika zurückgekehrt war. Stunden später folgte die Entwarnung.

          Der größte bekannte Ausbruch

          Traf das Virus bisher vor allem die breite Bevölkerung, steigt jetzt auch die Zahl der Infektionen beim medizinischen Personal: Sowohl anerkannte Ärzte, darunter ein bekannter Infektiologe, als auch mehrere Krankenschwestern und Pflegehelfer kostete die Infektion in den vergangenen Tagen das Leben. Als Reaktion auf diese wachsende Bedrohung erwägen erste Hilfsorganisationen, ihre Mitarbeiter aus den betroffenen Gebieten zurückzuziehen. Als erste internationale Fluggesellschaft strich die Airline Emirates alle Flüge in die betroffene Region. Auch die Behörden der westafrikanischen Staaten, denen manche Beobachter zu spätes Handeln vorwerfen, griffen diese Woche nun durch.

          Die Regierung von Sierra Leone rief den nationalen Gesundheitsnotstand aus und stellte ganze Gebiete unter Quarantäne. Allen ankommenden Passagieren wird am Flughafen die Körpertemperatur gemessen. Häuser werden nach Bewohnern mit verdächtigen Symptomen durchsucht. In Liberia werden Schulen und Märkte geschlossen. Menschen, die nicht unbedingt zur Arbeit müssen, sollten zu Hause bleiben, hieß es. Grenzübergänge wurden geschlossen. Das Leben in den Ländern ist stillgelegt. Ausgesetzt. Von dem Virus bestimmt.

          Experten sprechen von einer „beispiellosen Epidemie“, von einer „Situation außer Kontrolle“, von dem „größten bislang bekannte Ausbruch“. Die Fakten belegen das: Den ersten großen Ebola-Ausbruch gab es 1976 in Zaire, heute Demokratische Republik Kongo. Er kostete 431 Menschen das Leben. In den vergangenen zwanzig Jahren kam es vor allem in Uganda und in Kongo zu schweren Ausbrüchen mit mehr als 200 Toten. Bei der aktuellen Epidemie allerdings sind nach Zahlen der WHO jetzt schon mehr als 1.300 Menschen an dem Virus erkrankt, rund 730 an ihm gestorben. Die Dunkelziffer, glaubt man Experten, liegt allerdings noch höher.

          Was nach Zahlen und Fakten bleibt, sind Fragen:

          Warum nimmt gerade dieser Ausbruch solche Ausmaße an?

          Die betroffenen Regionen sind zwar arm, haben aber überdurchschnittlich gute Transportwege. Diese werden von der Bevölkerung viel genutzt, weil die meisten Stämme in der Gegend grenzübergreifend leben; der dichte Verkehr hat die Ausbreitung der Seuche sicher begünstigt. Ein weiterer Grund dürfte der ausgeprägte Totenkult in Westafrika sein. Viele Menschen umarmen oder küssen ihre an Ebola verstorbenen Angehörigen. Diese allerdings sind über Körperflüssigkeiten hochansteckend. Dazu kommt, dass Ebola in Westafrika zum ersten Mal auftritt; ein Großteil der Bevölkerung dürfte überfordert sein. Ein Grund, warum vielen ausländischen Helfern mit Misstrauen begegnet wird.

          Sind wir in Europa auch bedroht?

          In einer Risikoeinschätzung des „Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten“, welche das Robert-Koch-Institut veröffentlicht hat, wird die Gefahr einer Infektion für Bürger der EU durch Reisende als unwahrscheinlich, aber nicht unmöglich eingeschätzt. Das Auswärtige Amt in Deutschland rät von „nicht notwendigen Reisen nach Liberia, Sierra Leone und Guinea“ ab; Amerika hat eine Reisewarnung für die Region ausgesprochen.

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