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Fleischskandal in Frankreich : Pferdefleisch aus dem Pharmalabor

In Frankreich fragen sich die Verbraucher: Kommt nun auch Pferdefleisch aus Laboren der pharmazeutischen Industrie in unser Essen? Bild: AP

Pferde aus Pharma-Laboren und Reitställen sollen in Frankreich illegal für die Lebensmittelproduktion geschlachtet worden sein. 21 Personen wurden bei einer Großrazzia festgenommen.

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          Kommt nun auch Pferdefleisch aus Laboren der pharmazeutischen Industrie in unser Essen? Diese Frage stellten sich am Montag viele Franzosen, als sie von der Nachricht des Tages hörten: Die französische Gendarmerie ging am Montagmorgen großflächig gegen ein mutmaßliches Netzwerk von Betrügern vor, die dem französischen Medikamentenhersteller Sanofi Pferde abgekauft und das Fleisch nach der Schlachtung in den Nahrungsmittel-Kreislauf gebracht haben sollen.

          Gesund, aber nicht für den menschlichen Verzehr geeignet

          Christian Schubert

          Wirtschaftskorrespondent in Paris.

          Das Pharmaunternehmen benutzt Pferde vor allem, um mit ihrem Blut Antikörper für die Serumherstellung zu gewinnen, etwa Mittel gegen Tollwut, Wundstarrkrampf oder Schlangenbisse. Nach Angaben aus Ermittlungskreisen sind Pferde bei Sanofi auch als Versuchstiere eingesetzt worden. Die Tiere seien gesund, aber nicht für den menschlichen Verzehr zugelassen, sagte ein Sprecher des Unternehmens. Der Pharmakonzern verkaufte die Pferde offenbar für wenig Geld an einen oder mehrere Händler, wo das Fleisch als zulässig deklariert wurde. Der Ring von Betrügern soll zudem Pferde von Reitställen erworben haben, die Medikamente wie Antibiotika oder entzündungshemmende Mittel erhalten hatten. Auch sie waren für den menschlichen Verzehr nicht zugelassen.

          21 Personen festgenommen

          Am Montag nahmen rund 100 Gendarmen insgesamt 21 Personen fest und durchsuchten Wohnungen und Büros in elf Departements, vor allem in Südfrankreich. Auch ein Schlachthof in Spanien wurde durchsucht. Zu den Verdächtigen zählen Pferdehändler, Tierärzte, Mitarbeiter von Schlachthöfen, Pferdemetzger und ein Informatiker. Unter besonderem Verdacht steht eine vierköpfige Familie in Narbonne, die von einigen französischen Medien als „Kopf der Operation“ bezeichnet wurde und im Pferdehandel tätig ist. Hunderte von Pferden sollen von Sanofi durch die Fälschung tierärztlicher Dokumente in den Fleischhandel gekommen sein, hieß es in französischen Medien. Sanofi hat nach eigenen Angaben nichts von den Betrügereien gewusst und kooperiert mit den Ermittlungsbehörden.

          Die behördlichen Untersuchungen sind schon seit fast zwei Jahren im Gange. Nach Angaben des für Lebensmittelfragen zuständigen Ministers Guillaume Garot kann man zur Zeit nicht sagen, ob ein Gesundheitsrisiko besteht. Auf jeden Fall hätte das Fleisch nicht auf den Tellern landen dürfen. Der Minister wies aber Vergleiche mit den Pferdefleischskandalen von Anfang des Jahres zurück. Damals sei Pferdefleisch zu Rindfleisch umdeklariert worden.

          Dennoch ist der jüngste Skandal ein weiterer schwerer Schlag für die französische Fleischindustrie. Anfang des Jahres war in Tiefkühlgerichten in ganz Europa Pferdefleisch entdeckt worden. Ein Großteil davon stammte von der französischen Firma Spanghero, die das Pferdefleisch aus Rumänien bezogen hatte. In den französischen Tiefkühlprodukten waren auch Rückstände des Schmerzmittels Phenylbutazon enthalten. Es wird bei Pferden oft therapeutisch eingesetzt, teilweise auch als Doping-Mittel im Pferdesport.

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