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Psychisch kranke Eltern : War ich nicht lieb?

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Verunsichert, ratlos, überfordert: Je jünger das Kind, desto gravierender können die Folgen sein. Bild: Kat Menschik

Kinder von psychisch kranken Eltern übernehmen häufig früh Verantwortung, stellen ihre eigenen Bedürfnisse zurück. Das Leid dieses Rollentauschs verfolgt sie oft ihr ganzes Leben. Im ersten von drei Teilen: Die Geschichte von Anne und ihrer Mutter.

          Etwa 13 Millionen Kinder und Jugendliche leben in Deutschland. Geschätzte drei Millionen von ihnen, also fast jedes vierte Kind, wächst mit einem Elternteil auf, das an einer psychischen Störung leidet - vorübergehend, wiederholt oder dauerhaft. Damit sind nicht alltägliche Stimmungsschwankungen gemeint, sondern Erkrankungen, die das Leben deutlich beeinträchtigen und behandlungsbedürftig sind, wie etwa Alkohol- und Drogensucht, Psychosen, Depressionen und Manien, Angst- und Essstörungen sowie Persönlichkeitsstörungen. 33,3 Prozent aller Erwachsenen leiden nach Angaben der DEGS-Studie des Robert-Koch Instituts von 2012 mindestens einmal im Leben an einer solchen Erkrankung. Bei mehr als einem Drittel treten mehrere dieser Störungen gemeinsam auf.

          Je jünger das Kind, desto gravierender können die Folgen für seine Entwicklung sein. Die psychischen Grundlagen für Urvertrauen und Bindungsfähigkeit werden vor allem in den ersten Lebensjahren gelegt. Erfährt ein Kind dann keine körperliche und seelische Sicherheit und Verlässlichkeit, keine sinnvollen Grenzen, aber auch keine Ermutigung bei seiner allmählichen Lösung aus der Abhängigkeit von den Eltern - weil diese ständig betrunken sind oder „high“, in Wahnvorstellungen gefangen oder wegen einer Depression nicht ansprechbar -, fühlt ein Kind sich zunehmend verunsichert, ratlos, überfordert. Häufig muss es zudem Verantwortung für jüngere Geschwister oder die Mutter selbst übernehmen und diese etwa trösten. „Parentifizierung“ oder „Beeltern“ sagen Fachleute dazu. Liegt bei einem Elternteil eine Persönlichkeitsstörung vor, sind Kinder besonders gefährdet, wie eine deutsche Studie 2011 zeigte.

          „Borderline ist eine Beziehungsstörung“

          Das gilt vor allem für die Borderline-Störung, die zugleich zu den häufigsten gehört. Zwei bis drei Prozent der Bevölkerung in Deutschland sollen von dieser psychischen Erkrankung betroffen sein, Frauen häufiger als Männer. Die Symptome sind vielfältig. Grundlegend sind plötzliche Stimmungsumbrüche, ein instabiles Selbstbild sowie ein Gefühl innerer Leere und die Angst, verlassen zu werden. Hinzu kommen häufig Angst, Depressionen sowie Alkohol- oder Drogenabhängigkeit. Starke, innere Spannungszustände können sich in Selbstverletzungen, Selbstmord(versuchen) oder in Gewalt gegenüber dem Partner und eben dem eigenen Kind entladen.

          „Borderline ist eine Beziehungsstörung“, sagt Birger Dulz, Chefarzt der Abteilung Persönlichkeitsstörungen an der Asklepios-Klinik Nord, an der 1989 die erste „Borderline-Station“ in Deutschland eröffnet wurde. „Viele dieser Menschen sind selbst unter traumatischen Bedingungen aufgewachsen, wurden sexuell missbraucht, körperlich misshandelt oder seelisch missachtet“, erläutert Dulz. Bindung erlebten Kinder von Borderline-Patienten als chaotisch oder ambivalent, da die Mutter nicht balancieren könne zwischen Nähe und Distanz: „Wenn ein Kind sich dann entfernt, was es auch muss, empfindet die Mutter das als Bedrohung und versucht, das Kind an sich zu binden. Ist das Kind dann ganz nah, fühlt die Mutter sich wiederum in ihrer Autonomie bedroht und stößt das Kind weg“, sagt Dulz.

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